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HeidelbergDruck-Chef Rainer Hundsdörfer „Wenn Sie eine Lizenz nach China verkaufen, geht das nur einmal“

Quelle: dpa

Vor dem Maschinenbaugipfel in Berlin spricht Rainer Hundsdörfer, Chef des Weltmarktführers Heidelberger Druckmaschinen, über die schwierige Lage in Asien, bedrohliche Energiepreisschocks – und Datenklau in China.

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Herr Hundsdörfer, die Situation der deutschen Maschinenbauer in China ist angespannt. Wie schlimm ist es?
Rainer Hundsdörfer: Wir haben eine sehr anspruchsvolle Situation vor Ort. Da ist beispielsweise die angespannte Energiesituation, die dazu führt, dass Werke abgeschaltet werden. Wir haben Glück, dass wir in Shanghai und unsere Zulieferer davon nicht betroffen sind, aber das führt natürlich zu Lieferengpässen für deutsche Maschinenbauer, die auf Lieferanten angewiesen sind und denen jetzt beispielsweise Gussteile fehlen. 

Die Energiekrise ist aber nicht das einzige Problem, wenn man sich so in den Firmen umhört.
Auch anspruchsvoll ist die Situation zwischen China und den USA. Ich gehe davon aus, dass diese sich nicht schnell entspannen wird, sondern sich die Situation eher verhärtet. Das kann zu Handelshemmnissen und Schutzzöllen führen, was nicht gut wäre. Und dann straucheln natürlich die Lieferketten, weil in China immer wieder Covid-Fälle auftauchen. Am Anfang war die Zero-Covid-Strategie klug, aber jetzt wird schon bei wenigen Fällen ein Hafen für Wochen dicht gemacht. Sowas bremst das Wirtschaftswachstum. 

Hinzu kommt der Chipmangel. Kann die Industrie auf Besserung hoffen?
Die Chipkrise trifft die ganze Branche. Natürlich sind die Kosten in die Höhe geschossen, aber dafür können wir stabil liefern. Die Preise können wir zudem an die Kunden weiterreichen. Uns trifft es nicht so hart, weil wir viele Teile intern allokieren. Maschinenbauer, die stärker auf externe Partner aus China setzen, sind häufig härter getroffen.

Klingt nicht nach wirklich rosigen Zeiten in Fernost. Wie hart trifft es Heidelberger Druck?
Für Heidelberg boomt China. Wir sind im Segment Verpackungen unterwegs, das zunehmend auch vom nationalen Verbrauch getrieben ist und der steigt weiter an. Wir sehen einen Post-Covid-Boom, unser Werk in China ist ausgelastet, die Versorgung läuft gut und wir konnten bisher jede Maschine pünktlich fertigstellen. Teilweise hat aufgrund von Logistik-Problemen die Auslieferung ein bis zwei Wochen länger gedauert, auch die Kosten für Logistik sind stark gestiegen. Daher mussten wir das ein oder andere Teil fliegen, aber das ist verkraftbar. 

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    Die Lieferengpässe betreffen Sie gar nicht, sagen Sie. Ist das Glück?
    Wenn wir etwas nach China liefern müssen, sind das nur kleinere Teile, etwa Steuerungen. Alles, was schwer und riesig ist, haben wir schon in China. Ursprünglich hatten wir beschlossen, Value-Maschinen ausschließlich in China für die Welt zu produzieren. Das haben wir geändert. Wir produzieren jetzt in dem Teil der Welt, wo die jeweiligen Kunden sind. Damit sind wir so gut es geht unabhängig von Lieferketten und werden auch den unterschiedlichen rechtlichen Ansprüchen in 'beiden Welten' gerecht. Die USA bedienen wir mittlerweile aus Deutschland, weil sonst ein Strafzoll von 25 Prozent fällig wird. 

    Gilt diese Neuordnung nur für die Produktion?
    Nein, das zeichnet sich in anderen Bereichen schon länger ab, besonders bei Daten. Zum einen funktionieren westliche Softwareprodukte oft schwerer in China. Wenn Sie doch eine Lizenz nach China verkaufen, ist das oftmals nur einmal für das ganze Land möglich. Wir haben deshalb eine Trennung zwischen China und unseren sonstigen Aktivitäten. Wir bauen jeweils eine eigene Infrastruktur auf. 

    Wie wichtig ist China überhaupt?
    Für uns ist China der wichtigste Markt und der, der am schnellsten wächst. Das geht auch, weil wir dort ein Joint Venture und eine Produktion haben. Andere Maschinenbauer, die keinen Footprint vor Ort haben, sind von den Schutzzöllen stärker betroffen.

    Haben Sie immer noch Sorge, dass die Joint Venture nur dazu dienen, Knowhow nach China zu verlagern?
    Uns betrifft das generell wenig. Das Joint Venture ist für uns vor allem eines der Produktion. Das ist in etwa so, wie eine sehr intensive Partnerschaft mit einem Teilelieferanten und ja, wir haben das Knowhow eingebracht. Aber wenn wir einen Lieferanten vor Ort beschäftigten würden, würden wir den natürlich auch einbinden. Über unsere 40 Prozent-Beteiligung verfügen wir über eine intensive Einflussnahme. 

    China wird dennoch immer mächtiger. Gibt es da gar keine Handhabe aus der Industrie?
    Wir können uns als Wirtschaft natürlich noch stärker einsetzen. Wir müssen zum Beispiel auf einheitliche Normen setzen und uns als Spieler zwischen den USA und China platzieren. Wir als Industrie-Kontinent Europa hätten das nötige Gewicht dafür. 

    Wenn China bald alles selbst herstellt. Braucht es den deutschen Maschinenbau noch?
    Der deutsche Maschinenbau ist viel im Bereich High-End und Performance unterwegs. Das ist unsere große Nische. Wir wollen konkurrieren, wir wollen Wettbewerb, aber es muss ein Level Playing Field geben. Wenn es um öffentliche Ausschreibungen in China geht, brauchen wir echte Chancen. Es ist leider Fakt, dass die Hemmnisse für den Handel heute größer sind als die Möglichkeiten durch den Freihandel. Das gilt nicht nur in den Beziehungen zu China, sondern weltweit. Da sehe ich auch die Politik in der Pflicht, sich für die Industrie einzusetzen.

    Was meinen Sie konkret?
    Wir haben in den vergangenen Jahren als Industrie massiv viel Bürokratie aufgehalst bekommen, beispielsweise aus dem Lieferkettengesetz. Das ist alles recht und gut, aber die riesigen Dokumentationspflichten sind kaum leistbar.

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    Dann werden Ihnen die Bestrebung der neuen Bundesregierung zu mehr Nachhaltigkeit auch nicht gefallen: Da kommt immerhin noch mehr Arbeit auf die Industrie zu.
    Ganz im Gegenteil: Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich. Wenn das richtig gemacht wird, kann das richtig gut sein. Es müssen hier für alle die gleichen Bedingungen gelten: Wenn ich meine Gießerei fast CO2-neutral betreibe, dann kostet das natürlich mehr und darf nicht zu einem Nachteil im internationalen Wettbewerb führen. Auch hier brauchen wir ein Level-Playing-Field. Dafür brauchen wir die Unterstützung der Politik. Sonst kann ich die Gießerei gleich zu machen. 

    Am 18. November wird der Entscheidungsmacher im Rahmen eines exklusiven Dinners in Frankfurt gekürt – auch Rainer Hundsdörfer ist nominiert. Mehr über diese Veranstaltung und auch die Anmeldung finden Sie hier: anmeldung.me/enma

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