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Helden Contra Corona – Erfahrungsbericht #26 „Einen Ferrari fahren wir eh nicht“

Everve-Geschäftsführer Andreas und Stephan Wolfer Quelle: PR

Stephan Wolfer widmet sich erst seit Kurzem vollumfänglich seiner schwäbischen Radbekleidungsfirma Everve. Die Coronakrise habe direkt eingeschlagen, trotzdem spendet der „Held des Mittelstands“ einen Teil des Umsatzes.

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Sitzt er erst einmal auf dem Sattel, kann Stephan Wolfer die aktuelle Krise ganz gut ausblenden. Mit seinem Rennrad dreht der 42-Jährige jetzt im Frühjahr wieder ausgedehnte Touren auf der Schwäbischen Alb. Wenn er mit einem 30er Schnitt über die Landstraßen seiner Heimat fährt, sind Viren und Wirtschaftskrise ganz weit weg.

Sein wichtigstes Produkt hat der Unternehmer dagegen immer dabei: Zusammen mit seinem Bruder Andreas hat Wolfer vor drei Jahren mitten im Hochlohnland Baden-Württemberg mit einem halben Dutzend Näherinnen die Herstellung von hochwertigen Radhosen und Trikots gestartet. Ihre Brotjobs bei einer Versicherung und als Architekt haben die Brüder dazu an den Nagel gehängt – seit dem vergangenen Jahr setzen sie komplett auf ihre Marke Everve.

Und es lief tatsächlich gut für die Wolfers: „2019 war für uns wirklich ein gutes Jahr“, sagt der promovierte Wirtschaftsingenieur, eine mittlere vierstellige Zahl von Radhosen hätten sie verkauft, die allermeisten über den eigenen Webshop, einige auch über ihren eigenen kleinen Fabrikverkauf. Ihr Spitzenmodell „Me“, eine Hose mit individuell angepasstem Sitzpolster, kostet dafür normalerweise auch 195 Euro – im Vergleich zu anderen Marken liegt Everve damit schon am oberen Ende der Preisskala, auf einem vergleichbaren Niveau etwa wie die englische Edelmarke Rapha.

Nach dem erfolgreichen Vorjahr sollte es 2020 eigentlich so weiter gehen – das Lager ist gut gefüllt mit frischer Ware, längst tüftelten die Brüder an neuen Ideen und bauten auch ihre Kontakte zu den wichtigen Medien der europäischen Rennradszene aus. Dann knallte ihnen das Virus in die Parade wie ein rutschiger Ölfleck auf der Landstraße. „Wir spürten ganz zu Anfang schon eine Delle im Umsatz“, sagt Wolfer.

Jetzt allerdings zahlt es sich aus, dass die Brüder ihr kleines Unternehmen von vornherein mit Augenmaß und ohne allzu kühne und überzogene Umsatz- und Gewinnphantasien gestartet hatten. „Natürlich hatten wir uns das ohne Corona anders vorgestellt“, sagt Wolfer, „jetzt schnallen wir den Gürtel halt enger, dann werden wir diese Zeit auch überstehen. Und einen Ferrari fahren wir eh nicht.“ Auch die Mitarbeiterinnen sind weiter an Bord – und gut beschäftigt. Immerhin spielt das Wetter derzeit mit, und weil viele andere Sportmöglichkeiten ausfallen, steigen besonders viele Rennradfahrer auf den Sattel. Auch ihre neu gestaltete Webseite haben die Wolfers gerade gestartet.

Während andere von der Krise geplagte Sport- und Modemarken in ihren Online-Shops derzeit hohe Rabatte auf ihre Frühjahrsware geben und so hoffen, zumindest einen Teil des geplanten Umsatzes zu erreichen, gehen die Wolfers einen anderen Weg. Den Preis für ihre Me-Hose haben sie auf 150 Euro gesenkt und nennen ihn „Solidaritätspreis“. Zudem spenden sie unter dem Motto „Solidarität statt Rabatte“ für die Dauer der Krise zehn Prozent ihres Onlineumsatzes für wohltätige Organisationen in der Nachbarschaft wie die Caritas und die Albstädter Tafel: „Uns geht es noch vergleichsweise gut“, sagt Stephan Wolfer. „Und unsere Kunden können den Wegfall der üblichen Rabatte sicher verschmerzen, wenn sie gleichzeitig das gute Gefühl bekommen, etwas sinnvolles mit dem Geld anzustellen.“

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In der Rubrik Helden des Mittelstands porträtiert die WirtschaftsWoche regelmäßig einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat. Doch was tun diese Helden gegen die Coronakrise? Wir haben nachgefragt. Alle Folgen der Serie „Helden Contra Corona“ finden Sie hier.

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