WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Helden Contra Corona – Erfahrungsbericht #28 „Nicht fünfmal die Woche den Pizzadienst rufen“

Econtech-Chef Florian Arens Quelle: PR

Die Stuttgarter Econtech GmbH baut Glasfasernetze. Gründer und Chef Florian Arens, ein „Held des Mittelstands“, sorgt sich um Liquidität, chinesische Glasfaserlieferungen und die Ernährung seiner Baustellenmitarbeiter.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Florian Arens (40) ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Econtech GmbH mit 35 Mitarbeitern (2,5 Millionen Euro Umsatz):

„Wir arbeiten auf unseren Baustellen und in unserer Produktion momentan regulär weiter. Unsere Kolleginnen und Kollegen im Büro sind mit Laptops ausgestattet und können mobil und im Homeoffice arbeiten. Unsere Mitarbeiter auf den Baustellen sind es aufgrund der Arbeiten an Leitungen gewohnt, Sicherheitsvorschriften strikt einzuhalten, da diese häufig mit Gefahren verbunden sind. Die jetzt nötigen zusätzlichen Hygienemaßnahmen werden konsequent und mit gesundem Menschenverstand umgesetzt.

Grundsätzlich ist die Infektionsgefahr im Freien geringer. Auf unseren Baustellen arbeiten wir ohnehin immer nur in kleinen Teams. Neu ist, dass wir nur das absolute Mindestmaß an Baustellenbesuchen durchführen. Unsere Besprechungen haben wir auf Telefon- beziehungsweise Video-Konferenzen umgestellt.

Die Econtech GmbH arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich der kritischen Infrastruktur, insbesondere im Stromverteilnetz und dem Ausbau von Glasfasernetzen. Die Netze müssen mit Hochdruck ausgebaut werden. Gerade jetzt, wo viele Menschen zwangsläufig von zu Hause aus arbeiten, erleben wir, wie wichtig leistungsfähige und stabile Netze sind.

Auch wir spüren die Corona-Auswirkungen auf unser Geschäft: Wir bekommen zwar weiterhin Aufträge, allerdings wird die Materialversorgung aufgrund verlängerter Lieferzeiten schwieriger. Das betrifft etwa die Glasfaser aus China oder die Schaltschränke aus Polen. Zusätzlich haben wir mit Verzögerungen bei Genehmigungen zu kämpfen. Wenn wir an einer Straße eine Baustelle einrichten und die Straße vielleicht für einen Zeitraum einseitig sperren möchten, müssen wir ja Genehmigungen von der Straßenbaubehörde und vom Ordnungsamt einholen, sogenannte verkehrstechnische Anordnungen. Die Genehmigungsbehörden sind aber derzeit auch oft im Homeoffice. Das gesamte System arbeitet also langsamer.

Aber alle Beteiligten setzen sich ein, um die Herausforderungen gemeinsam zu stemmen. So werden mittlerweile Vorort-Besprechungen mit den Genehmigungsbehörden durch Videokonferenzen ersetzt. Hier erleben wir viel positives Miteinander, mit Netzbetreibern, Genehmigungsbehörden, teilweise auch mit den Bürgermeistern, die die Projekte mitverantworten. Darüber hinaus versuchen wir, kleinere Lieferanten und Dienstleister durch bevorzugte Beauftragung zu unterstützen.

Eine weitere Herausforderung ist, für unsere Monteure geeignete Unterkünfte zu finden, da mancherorts Hotels und Pensionen geschlossen sind. Da wir deutschlandweit Projekte ausführen, die sich oft in abgelegenen Gebieten befinden, ist das manchmal schwierig. Unsere Mitarbeiter müssen teilweise viel längere Fahrten auf sich nehmen, insgesamt ergibt sich ein deutlich höherer Aufwand. Auch Gasthöfe und Restaurants haben geschlossen, dadurch erschwert sich die Verpflegungssituation. Ich war heute Mittag bei meinem Lieblingsrestaurant in Oppenau im Schwarzwald, dort gibt's den Mittagstisch zum Mitnehmen. Aber mittags wird in der Regel auf Baustellen gearbeitet und nur was Schnelles gegessen. Nach Feierabend wird dann meistens erst warm gegessen. Dann aber gibt es meistens kein Essen-to-go mehr, und unsere Mitarbeiter sind auf Junkfood angewiesen. Und man kann ja nicht fünfmal in der Woche den Pizzadienst anrufen.

Mich beschäftigt: Wie verhalten sich die Banken und wie schnell wird die Bereitstellung der avisierten KfW-Kredite erfolgen? Ich habe von mir bekannten Firmen gehört, dass es bereits Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme gibt. Ich habe Sorge, dass einige Unternehmen in der Netzbau-Branche die Krise nicht überstehen. Dadurch würden sich die bereits vor der Krise vorhandenen Kapazitätsengpässe im Ausbau noch weiter verschärfen.


Bei uns geht es aktuell um die Frage: Ob und wann investieren wir? Kaufen wir jetzt neue Maschinen, stellen wir weitere Mitarbeiter ein, oder warten wir? Letzte Woche haben wir einen kleinen Lkw gekauft, einen Drei-Seitenkipper, gut geeignet für den Glasfaserausbau in Wohnsiedlungen. Über die Investition mussten wir schon länger nachdenken. Unsere Firma existiert seit 2009. Wir stellen grundsätzlich die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter an allererste Stelle und tun alles dafür, unserer sozialen Verantwortung auch in Krisenzeiten gerecht zu werden.“

Mehr zum Thema
In der Rubrik Helden des Mittelstands porträtiert die WirtschaftsWoche regelmäßig einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat. Doch was tun diese Helden gegen die Coronakrise? Wir haben nachgefragt. Alle Folgen der Serie „Helden Contra Corona“ finden Sie hier.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%