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Helden Contra Corona – Erfahrungsbericht #29 „70 Prozent weniger Anzüge, dafür mehr T-Shirts“

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„Diese Krise hat trotz des Abstands etwas Verbindendes“

Machen Sie mit bei dieser Schlacht?
Definitiv nicht! Wir setzen bei herrenausstatter.de mehr auf Service und Qualität. Wir kürzen sogar bestellte Hosen, wenn der Kunde das wünscht. Der Preis ist für unsere Kunden zwar nicht unwichtig, aber auch nicht der ausschlaggebende Kaufimpuls.

Auf der Herrenausstatter-Homepage gibt es allerdings für Schuhe zehn Prozent Nachlass.
Natürlich haben wir auch zeitlich begrenzte Aktionen, aber mit dezenten Reduzierungen – eine Art Happy Hour. Für reduzierte Einzelgrößen gibt es versteckt auf der Seite den eigenen Sales-Bereich. Eine Rabattschlacht sähe anders aus.

Wird die auf 60 Tage verdoppelte Rückgabefrist genutzt?
Das wird sie – aber wir sind auch sonst bei Stammkunden kulant, wenn die mal die 30 Tage nicht einhalten.

Haben Sie staatliche Hilfen, Steuerstundung und Kurzarbeit genutzt?
Wir haben einen KfW-Kredit geprüft, dann aber nicht beantragt. Die Stundung und Reduzierung der Steuervorauszahlung hat das Finanzamt positiv beschieden. Aber wir kehren jetzt zur normalen Zahlung zurück, um da keine großen Nachzahlungsverpflichtungen aufzubauen. Kurzarbeit haben wir im April und Mai genutzt und die Arbeitszeiten dabei um zehn bis 20 Prozent reduziert. Das beenden wir in zwei Wochen.

Kündigungen?
...gab es keine.

Ab Juni arbeiten wieder alle voll?
Ja, in großen Teilen. Damit eine mögliche Infektion nicht das ganze Unternehmen lahmlegte, hatten wir die Belegschaft seit März in zwei Schichten eingeteilt. Im Juni werden wir unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandregelungen dieses Schichtmodell wieder aufheben. Dafür haben wir weitere Räume als Büros umgebaut, um die Quadratmeter pro Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu erhöhen.

Was nehmen Sie mit aus der Hardcore-Corona-Zeit?
Als positive Erfahrung möchte ich gerne den konstruktiven Umgang mit Lieferanten und Dienstleistern in die neue Normalität mitnehmen. Sehr interessant und ermutigend war auch die Entwicklung vieler Mitarbeiter, die sich enorm eingesetzt haben. Manche, die in ihren Bereichen zeitweise nicht viel zu tun hatten, haben von sich aus anderswo ausgeholfen und sich von den Kollegen dort einarbeiten lassen. Und zwar aus eigenem Antrieb und nicht, weil die Geschäftsführung das gefordert hat. Diese Krise, die wir alle aus unterschiedlichen Perspektiven erleben, hat auch trotz des Abstands etwas Verbindendes. Auch die Kommunikation untereinander ist im Unternehmen noch besser geworden, obwohl uns die lustigen internen Tischtennis- und Kicker-Turniere fehlen.

Aber bei Umsatz und Gewinn wird im Coronajahr 2020 ein Minus bleiben?
Ich denke als Mensch immer sehr positiv. Deshalb bin ich guter Dinge, dass wir die Verluste aufholen und am Ende auf das Niveau von 2019 kommen.

Mehr zum Thema
In der Rubrik Helden des Mittelstands porträtiert die WirtschaftsWoche regelmäßig einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat. Was tun diese Helden gegen die Coronakrise? Wir haben nachgefragt. Alle Folgen der Serie „Helden Contra Corona“ finden Sie hier.

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