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Hotellerie-Experte Lidl „Der Hotelmarkt hat noch viele Boom-Jahre vor sich“

Motel One Berlin-Upper West Quelle: imago images

Branchen-Experte Michael Lidl über den Neustart der Hotellerie, die zunehmende Vermischung von Privat- und Berufsebene – und die Pläne von Motel One.

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Michael Lidl ist geschäftsführender Partner bei der Münchner Unternehmensberatung Treugast. Mit der Hotel-Branche befasst er sich seit seiner Geburt: Er stammt aus einer Hotelier-Familie.

WirtschaftsWoche: Herr Lidl, Motel One will trotz Coronakrise nichts am Expansionskurs zurücknehmen und weiter Hotels bauen. Ist das irre – oder eine gute Idee?
Michael Lidl: Eine gute Idee. Ich sehe langfristig nach wie vor einen steigenden Hotelübernachtungsmarkt. Die Leute haben einen Drang zu reisen, wollen wieder raus. Ich bezweifle, dass die Leute in Zukunft mehr zu Hause übernachten, als sie es vor Corona taten.

Bei den Geschäftsreisen sind aber viele Unternehmen noch zurückhaltend.
Zwei Drittel der Geschäftsreisen laufen sowieso ohne Übernachtung ab. Diese Reisen werden durch Video-Konferenzen ersetzt. Allerdings: Durch das mobile Arbeiten werden sich Arbeit- und Wohnort entkoppeln. Wenn Mitarbeiter dann mal zum Standort müssen, gehen sie ins Hotel. Das wird zu mehr Hotelübernachtungen führen. Auch das Privat- und Berufsleben wird sich vermischen. Die Menschen werden etwa bei Geschäftsreise-Trip nach Istanbul noch ein paar Tage im Hotel dranhängen und es mit einem privaten Wochenendtrip verbinden.

Quelle: PR

Zurück zu Motel One. Wie bewerten sie das Krisenmanagement während der Coronapandemie?
Motel-One-Gründer Dieter Müller gilt in Sachen Finanzplanung als einer der konservativeren Unternehmer in der Branche. Wettbewerber wie Premier Inn oder Niu sind zuletzt viel schneller gewachsen. Die Liquiditätsreserven, die die Müllers angehäuft haben, hätten andere Unternehmer für Geldverbrennung gehalten.

In der Coronakrise kam das dem Unternehmen zugute.
Genau. Die Eigentümer von Hotelketten wie Niu, Ninetynine oder Vienna House mussten umfangreiche Notkredite aufnehmen oder Unternehmensteile verkaufen, um an Geld zu kommen. Motel One hat in der Krise bewiesen, dass sie Lieblinge ihrer Investoren sind.

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Standort erkennen

    Motel One will vor allem im Ausland wachsen. Doch dort kennt man das Unternehmen kaum. Ein Nachteil?
    Motel One lebt in Deutschland davon, dass jeder sie kennt. Der Marktvorteil ist in Deutschland sogar so hoch, dass Immobilienentwickler mit Motel One als Mieter höhere Immobilienwerte realisieren können und deshalb zum Teil sogar leicht niedrigere Mieten akzeptieren. Motel One profitiert also hierzulande von ihrem hervorragenden Ruf. Es wird viele Jahre dauern, bis Motel One sich in Städten wie New York in dieser Form etabliert hat.

    Motel One ist quasi ein Familienunternehmen. Wo sehen Sie in der Unternehmensführung Unterschiede zu den Konkurrenten?
    Premier Inn beispielsweise hat den Markteintritt in Deutschland für zehn Jahre durchgeplant. Motel One geht da viel pragmatischer vor. Beispiel Markteintritt Großbritannien: Sie eröffneten ihr erstes Hotel in Edinburgh, ohne einen strikten Plan zu haben wie viel Hotels in Großbritannien noch folgen müssen. Die machen einfach mal, passen dann an, lernen dazu. Motel One ist ein typischer Mittelständler.

    Wie sind die Aussichten für die gesamte Branche?
    Die nächsten zwei Jahre werden noch mal richtig taff. Bis die letzten 20 Prozent der Nachfrage wiederkommen, bis bei Messen oder Touristen-Events wie das Oktoberfest wieder die hohen Zimmerpreisen erzielt werden können, wird noch einige Zeit vergehen. Auch steigende Personal-, Waren- und Energiekosten sowie inflationsbedingte Mietsteigerungen stellen die Hotels vor große Herausforderungen. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass die Nachfrage zurückkommt und dass der Hotelmarkt - nach überwundener Krise – noch viele Boom-Jahre vor sich haben wird.

    Mehr zum Thema: Die ausführliche Recherche zur Hotelkette Motel One lesen Sie hier.

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