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Hotelportal Warum Trivago Start-ups Starthilfe gibt

13 Jahren jung ist Trivago und berät schon selbst junge Gründer. Den Austausch betreibt das Hotelsuchportal aber nicht nur aus Selbstlosigkeit.

Trivago: Warum das Hotelportal Start-ups Starthilfe gibt Quelle: Trivago

Düsseldorf„Ihr habt eine geniale Idee für die Hotel-Tech-Branche und seid auf der Suche nach Support?“ Das Hotelvergleichsportal (Slogan: Hotel? Trivago) hatte für Donnerstag pfiffige Gründer nach Düsseldorf geladen. Ein halbes Dutzend durfte zum Pitch in der Zentrale antreten.

Das Event im Rahmen der Düsseldorfer Start-up-Woche fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Schließlich geht es um Technologien, die Trivago möglicherweise einen entscheidenden Vorsprung im harten Wettbewerb bringen können.

Obwohl selbst dreizehn Jahre jung - quasi noch mitten in der Pubertät – gibt das Hotelsuchportal bereits Nachhilfe im Gründen. Trivago gilt längst nicht mehr als Start-up – sondern als „Grown-up“: Mit 1400 Mitarbeitern und einer Milliarde Euro Umsatz ist das an der Nasdaq gelistete Portal schon ein Großunternehmen.

Trivago will seine Erfahrungen mit jungen Gründern teilen – und gleichzeitig von deren frischen Ideen profitieren. Der Austausch ist also nicht uneigennützig.Die drei Gewinner-Start-ups vom Donnerstag bekommen ein kostenloses Coaching. Überzeugt eine Idee, kann sich Trivago auch eine gemeinsame Zukunft vorstellen – in Form einer langfristigen strategischen und finanziellen Unterstützung.

„Das Niveau war sehr hoch“, sagt Elie Matta, Head of Corporate Development von Trivago. „Wir sind ständig in Gesprächen mit einem Haufen Start-ups. Dabei schauen wir nicht nach einem großen Übernahmeziel, sondern nach Technologie, die zur Vision von Trivago passt. Dann greifen wir auch ganz schnell zu.“

Gerade hat Trivago die Partnerschaft mit der Innovationsplattform Plug and Play im Silicon Valley bekannt gegeben. 2006 gegründet hat Plug and Play bisher mehr als 6000 Start-ups auf die Beine geholfen und mit 220 Unternehmen zusammengebracht.

Zu den Erfolgsstories zählen Dropbox, PayPal und Soundhound. „Für ein effektives Ökosystem, das auf Open Innovation basiert, brauchen wir zukunftsgerichtete Unternehmen wie Trivago, die mit Start-ups zusammenarbeiten“, sagt Saeed Amidi, Gründer und CEO von Plug and Play.

Trivago sucht bei Plug and Play die Kooperation mit Start-ups rund um die Themen Reise und Gast, um sein eigenes Portal zu verbessern. „Der Austausch mit Start-ups kann helfen, Technologiechancen von strategischer Bedeutung zu entdecken, Innovation zu beschleunigen und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern“, glaubt Trivago-Managerin Matta.

„Grown-ups wie Zalando oder Trivago haben mittlerweile eine feste IT-Infrastruktur, eine große Organisation und somit verlängerte Entscheidungswege. Das geht zu Lasten von Agilität und Innovation“, beobachtet Philipp Depiereux, Gründer der Digitalberatung Etventure, die heute zu EY gehört.

Vor dem Hintergrund könne man nicht mehr einfach und schnell mal etwas ganz anderes machen. „Und die Firmen sind auch nicht unbedingt gewillt, ihr eigenes Geschäftsmodell zu hinterfragen - denn es funktioniert ja“, so Depiereux.

Einen wesentlichen Vorteil hätten Grown-ups aber im Vergleich zu Traditionskonzernen: Die eigene Start-up-Zeit liege noch nicht so lange zurück, daher gebe es eine größere Offenheit für neue Technologien. Auch der kulturelle Unterschied sei nicht so eklatant wie zwischen einem Start-up und einem Dax-Unternehmen. „Insofern sind Kooperationen mit Start-ups einfacher und auch eine Integration eher möglich als im Konzern“, konstatiert der Etventure-Chef.

Wie viele Konzerne investiert Trivago nicht nur in ausgewählte Start-ups, sondern kauft so manches gleich ganz, wenn es passt. So wie die Rheinfabrik, Base7Booking oder zuletzt Tripl.

Die Rheinfabrik etwa baute Apps für Unternehmen. Sehr schnell konnten die Düsseldorfer Gründer Mercedes, die Telekom oder Borussia Dortmund als Kunden gewinnen. Zwei Jahre nach der Gründung kaufte Trivago das Start-up Ende 2014. Co-Gründer Andreas Kwiatkowski wechselte von der Rheinfabrik als Head of Mobile Product für zwei Jahre zu Trivago.

Auch Tripl-Mitgründer Henrik Kleinwächter ging zu Trivago und brachte seine Technologie mit. Das Hotelportal hatte im September 2017 das Hamburger Reise-Start-up und dessen Know-how übernommen. Das Besondere: Mithilfe künstlicher Intelligenz und Big Data können über Social Media, Blogs, Bewertungswebseiten und Wetterdiensten maßgeschneiderte Reisevorschläge gemacht werden.

„Tripls Personalisierungs-Technologie ist einzigartig. Sie bringt uns einen Schritt näher daran, jeden Reisenden im für ihn idealen Hotel unterzubringen“, meint Trivago-Chef Rolf Schrömgens. Auch Tripl-Mitgründer Kleinwächter sieht unter dem Dach von Trivago Vorteile: „Trivago hat extrem viele Nutzer, da kann unser Algorithmus seine Wirkung erst richtig entfalten.“

Tatsache ist: Start-ups profitieren zunächst von den Vorteilen, wie sie etablierte Unternehmen mitbringen: Kapital, Kunden oder ein erprobtes Geschäftsmodell am Markt - plus der kulturellen Offenheit, die ein Grown-up mitbringt, sagt Depiereux von Etventure.

Gründer müssten sich aber bewusst machen, dass ein Grown-up meist als Stratege hereinkomme und seltener als Investor. „Ein großer Exit, von dem viele Gründer träumen, ist dann vorbei.“ Selbst wenn der Gründer weiterhin eine Beteiligung halte, könne er im Prinzip nur noch an den Gesellschafter verkaufen, konstatiert Depiereux. Der habe aber kein Interesse daran, dass die Bewertung des Unternehmens steige.

2016 stieg Trivago als Mehrheitsinvestor bei der Schweizer Firma Base7Booking ein. Vor allem interessierte deren cloudbasiertes Management-System für Hotels. Dieses wurde später in Trivagos System integriert.

2017 übernahm Trivago Base7Booking komplett, die Firma wird eigenständig innerhalb von Trivago weitergeführt – nun in Düsseldorf und Palma de Mallorca. Base7Booking macht inzwischen Geschäfte mit Hoteliers in 45 Ländern.

Seit dem Herbst 2017 unterstützt Trivago auch die neu gegründete Code University in Berlin jährlich mit einem sechsstelligen Betrag. Die Düsseldorfer helfen, möglichst praxisnahe Projekte für die 88 handverlesenen Studenten zu konzipieren. Die Dozenten wiederum treffen sich regelmäßig mit Tech-Experten von Trivago, um über die Probleme der Praxis auf dem Laufenden zu bleiben.

Thomas Bachem, Gründer der Code University, weiß: „Ein guter Abschluss in Informatik bedeutet leider recht selten, dass gute Software-Entwickler in den Berufsalltag starten.“ Auch Trivago sucht laufend kreative Entwickler.

Peter Vinnemeier, Chief Technical Officer von Trivago, sagt: „Studierenden nutzt bloßes Lehrbuchwissen heute nichts mehr. Und Unternehmen brauchen Praktiker.“ Diese Brücke schlage die Code University.

Auch privat investieren die Trivago-Gründer in Start-ups. Über ihre Investmentfirma Monkfish Equity investieren sie seit Jahren in diverse Start-ups wie Delivery Hero, Hello Fresh oder Moebel24. Die Gründer bieten Tech-Start-ups jeweils Investments zwischen 50.000 und 500.000 Euro an.

„Wir investieren und werden Euch nicht zum Rapport rufen“, versichern die Trivago-Gründer auf ihrer Homepage. „Stattdessen werden wir auf Eure Bedürfnisse hören und mit unserer Erfahrung helfen.“

Auch als Einzelperson ist etwa Trivago-Chef Schrömgens als Business Angel und Investor aktiv. So hat er unter anderem in das Meinungstool Opinary, das Versicherungs-Start-up Coya und in Masterplan.com investiert, das E-Learning zur Digitalisierung anbietet.

Seit Jahren engagiert sich Trivago-Chef Schrömgens auch bei der Entrepreneurs‘ Organization und gibt Gründern Ratschläge aus der Praxis. Seine Kernbotschaft lautet früher wie heute: „Macht Fehler, sage ich meinen Leuten, versenkt auch mal Kohle, probiert Sachen aus!“

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