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Indus-Chef Jürgen Abromeit Wie man aus Mittelstandsperlen einen Konzern schmiedet

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"Ein Unternehmen hat immer auch eine gesellschaftliche Dimension"

Wie schaffen Sie es, dass die Eigentümer ihr Unternehmen an Indus und nicht an einem klassischen Finanzinvestor verkaufen?

Da hilft uns unser guter Ruf. Daran arbeiten wir. Wir sind noch nicht am Ziel.

Was soll das heißen?

Ein gutes Unternehmen zu sein bedeutet viel mehr, als nur gute Gewinne zu erwirtschaften. Ein Unternehmen hat immer auch eine gesellschaftliche Dimension. Wir werden deshalb vom kommenden Jahr an über ökologische und soziale Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit berichten und unsere Unternehmen in den nächsten Monaten von einem neutralen Gutachter bewerten lassen. Dieses Ökoaudit der Gruppe soll 2016 fertig sein. Indus-Aktionäre, die sensibel für solche Themen sind, müssen wissen, dass Indus weder die Erde noch Menschen oder Ressourcen zerstört.

Drängt Sie dazu der Kapitalmarkt?

Natürlich kommen solche Fragen auch vom Kapitalmarkt. Dort sind das inzwischen wichtige Kriterien. Aber der Kapitalmarkt ist nicht der Ursprung. Viele Unternehmen, gerade auch deutsche Mittelständler, haben sich viel früher mit solchen Fragen befasst. Der Kapitalmarkt hat erst später realisiert, was für ein Irrsinn die reine Fixierung auf Shareholdervalue ist, also auf die bloße Steigerung des Aktienkurses. Auch wir sind für Value, aber eben nicht nur für die Aktionäre.

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS

Das klingt arg nach sozialpartnerschaftlichem Süßholzraspeln ...

... ist es aber nicht. Ein Beispiel: Unsere Unternehmen zahlen ausnahmslos ihre Steuern brav vor Ort, in den Kommunen, in denen sie ansässig sind. Wir haben ganz bewusst keine Ergebnisabführungsverträge mit unseren Beteiligungsunternehmen geschlossen und keine Konstruktionen, über die wir Steuererleichterungen realisieren könnten.

Firmen, die nicht in Ihr Werteschema passen, kaufen Sie nicht?

Wir haben sehr genau überprüft, ob wir solche Firmen im Portfolio haben. Wir sind hier sauber und werden sicher keine Firmen kaufen, die das gefährden. Kinderarbeit, Waffenhersteller, Klimakiller – all so etwas wollen und werden wir nicht haben. Sicherlich verbrauchen unsere Firmen Energie. Aber wir messen und veröffentlichen den Klimagasausstoß und arbeiten ständig an Verbesserungen.

Ist die Energiewende Chance oder Belastung für den Mittelstand?

Sicher gab es vorübergehend Belastungen durch den Strompreis. Aber der ist wieder gesunken, und ich sehe die Energiewende eindeutig als Chance.

Sie haben elf Jahre lang für den Stahlunternehmer und Ex-RWE-Chef Jürgen Großmann gearbeitet, einem Feind der Energiewende. Würden Sie ihm das auch so sagen?

Über Jürgen Großmann, bei dem ich großartige, lehrreiche Jahre hatte, will ich hier nicht sprechen. Allgemein kann ich zu energieintensiven Branchen wie der Stahlindustrie oder den Energiekonzernen sagen: Die haben den Wandel verschlafen und müssen nun mit Notoperationen reagieren. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn sie die Weichen rechtzeitig gestellt hätten.

Sie möchten, dass Ihre Unternehmen künftig bis zu zwei Drittel des Umsatzes im Ausland erzielen. Passt das noch zu Indus?

In Arbeit
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Die Indus Holding bleibt der Inbegriff für soliden deutschen Mittelstand. Wir werden keine ausländischen Unternehmen kaufen. Stellen Sie sich nur einmal vor, wir würden in den USA oder China Unternehmen erwerben. Das würde das ganze Miteinander in der Gruppe, bei den Werten, der Kommunikation und der Bezahlung durcheinanderbringen. Es würde eine andere Indus entstehen, und das wollen wir nicht. Gleichwohl müssen unsere deutschen Firmen teilweise internationaler werden, um sich weltweit zu behaupten.

Sie werben auch um ausländische Investoren. Was hält der Wall-Street-Banker von Ihrem Paket deutscher Mittelständler?

Der deutsche Mittelstand ist inzwischen ein etablierter Begriff an den großen Börsen und gilt mit seiner Innovationskraft und Solidität zunehmend als sexy. Wir bekommen tolle Termine mit Analysten und Investoren. „German Mittelstand“ heißt es anerkennend in London, „Le Mittelstand“ in Paris.

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