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Kampf gegen Korruption Diese Fehler machen Mittelständler

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Offenheit ist eine der wirksamsten Vorsorgemaßnahmen

Oft ist die Versuchung für kleinere Unternehmen sogar besonders groß. Das gilt zum Beispiel für Preisabsprachen: „Die sind für kleine Unternehmen, die auch sehr spezielle Produkte anbieten, viel einfacher. Da kennt man jeden Wettbewerber noch persönlich“, sagt Berater Degitz.

Bestechliches Deutschland: Durch Korruption verursachte Schäden. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Das erkannten auch drei Schornsteinfeger in Nordrhein-Westfalen: Als 2013 die feste Zuordnung von Kehrbezirken für Schornsteinfeger aufgehoben wurde, verabredeten die drei Konkurrenten einfach einen Ehrenkodex. Trotz Liberalisierung versprachen sie sich gegenseitig, nicht im Kehrbezirk des anderen zu arbeiten. Am Landeskartellamt jedoch ging diese Absprache nicht vorbei. 20.000 Euro Strafe verhängte die Behörde gegen die Schornsteinfeger.

4. "Hinweisgeber sind Nestbeschmutzer"

Mittelständische Unternehmer sind oft starke Persönlichkeiten. Das ist gut so, birgt aber auch eine Gefahr: Sie regieren autoritär und entscheiden alle wichtige Fragen selbst. Diskussionen oder gar Widerspruch sind unerwünscht. Ein solcher Führungsstil setzt sich auf den Ebenen unter ihnen fort.

Dabei ist ein offenes Klima eine der wirksamsten Vorsorgemaßnahmen gegen unredliches Verhalten. Die meisten Hinweise auf Fehlverhalten stammen von den eigenen Mitarbeitern. Doch in vielen Unternehmen müssen Angestellte Angst vor negativen Folgen haben, wenn sie Missstände bei ihren Vorgesetzten anzeigen. Das gilt vor allem für Mittelständler, bei denen die persönlichen Beziehungen zum Unternehmen oft sehr eng sind. Statt für ihre Courage belohnt zu werden, gelten Hinweisgeber als Nestbeschmutzer. Klare Ansagen und konsequentes Vorgehen gegen Fehlverhalten sind deshalb unabdingbar.

Dafür muss der Chef selbst ein gutes Vorbild abgeben. Wenn er es selbst mit den Regeln nicht so genau nimmt, sind Verstöße zwangsläufig die Folge. So verkündete Eginhard Vietz, mittlerweile verstorbener Inhaber des Rohrleitungsbauers Vietz, öffentlich in einem Zeitungsinterview, dass er regelmäßig besteche. „Weil es nun einmal Länder gibt, in denen es nicht anders geht. In Algerien, Ägypten oder Nigeria kommen Sie ohne solche Zahlungen einfach nicht durch“, sagte Vietz. Die Aussage kostete ihn 50.000 Euro Strafe, wonach die Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen einstellte.

Schwierig ist es auch, wenn Chefs zu viel Druck machen und kaum erzielbare Resultate einfordern. Wenn das Ziel wichtiger als der Weg ist, greifen Mitarbeiter schnell zu fragwürdigen Mitteln. Das gilt besonders in Krisenzeiten: In einer Umfrage der Unternehmensberatung EY gab immerhin jeder fünfte deutsche Manager an, dass er auch bestechen und Geschenke spendieren würde, um sein Unternehmen vor einem Abschwung zu bewahren.

5. "Compliance kostet zu viel"

Wer an Korruption denkt, denkt immer noch an Siemens. Vor zehn Jahren deckten Staatsanwälte ein umfassendes System von Schmiergeldzahlungen bei den Münchnern auf, das den Konzern insgesamt fast drei Milliarden Euro kostete. Als Lehre daraus baute der Konzern ein umfassendes Kontrollsystem auf. Zwischenzeitlich arbeiteten in der Compliance-Abteilung rund 600 Mitarbeiter. „Wir haben fast unser eigenes FBI“, sagte Siemens-Vorstand Peter Solmssen damals.

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