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Kampf im Reich der Mitte Geschenke sollen chinesische Fachkräfte binden

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Anspruchsvolle Neulinge

Leuchtturmprojekt - Bauvorhaben wie die Schnellbahn Peking–Shanghai reizen heimische Fachkräfte Quelle: dpa

Neben Einkommen und Jobsicherheit punkten sie auch mit Zusatzleistungen. Denn Geld allein reicht nicht mehr aus, um vielversprechende Talente oder erfahrene Fachkräfte zu überzeugen. Die erwarten neben einer Kranken- und Rentenversicherung verstärkt Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Obendrauf kommen oft Firmenwagen, Familienversicherungen, Schulgeld für die Kinder und Geschäftsreisen außerhalb Chinas. Neben den Karriereperspektiven werden auch weiche Faktoren wie die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend wichtiger.

Viele Mittelständler müssen sich strecken, um bei diesem Wett-Bieten um die besten Kräfte mitzuhalten. Gehaltszuwächse von zehn Prozent pro Jahr sind normal. Seit mehr als zehn Jahren steigen die Löhne und Gehälter stärker als die Produktivität. Eine Gehaltserhöhung von einem Drittel ist üblich, um begehrte Facharbeiter oder Manager abzuwerben.

Übersicht zur Zufriedenheit westlicher Unternehmen mit Neueinstellungen in China (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Dabei ist jeder neue Kollege erst einmal eine Investition, die sich erst nach einigen Jahren auszahlt. „Leute zu gewinnen ist nur die halbe Miete. Weitaus schwieriger ist es, sie auch langfristig an sich zu binden“, sagt Personalexpertin Fargel. Denn pro Jahr wechselt fast jeder fünfte Chinese seinen Job, ergab eine Studie der Beratung Roland Berger. In westlichen Ländern sind es nur fünf Prozent der Arbeitnehmer.

Große Namen bevorzugt

Damit schwer zu verkraftende Abgänge wie die der beiden Techniker selten bleiben, denken sich Unternehmen wie Hawe Extras aus. Allen Zusatzleistungen zum Trotz ist Geld Kriterium Nummer eins: In einem guten Jahr winken einem Mitarbeiter in der Produktion bei Hawe 30 bis 40 Prozent des Jahresgehalts als Bonus – das ist mehr als der chinesische Durchschnitt, doch noch lange nicht spitze. Wer dem Unternehmen zehn Jahre treu bleibt, bekommt fast ein ganzes Jahresgehalt extra.

Maschinenbau macht Kasse in China
Voith Quelle: dpa
Knorr-Bremse Quelle: dpa
Schuler Quelle: dpa
Manz Quelle: PR
Waldrich Siegen Quelle: Screenshot
MAG

Personalchefin Wang, selbst seit 1999 dabei, hat den Bonus schon kassiert. „Wir möchten unsere Mitarbeiter damit für ihre Treue auszeichnen“, sagt sie. Sie schaut schon bei den Bewerbungen genau hin. „Wenn einer in den vergangenen drei Jahren zwei Mal gewechselt hat, habe ich einen schlechten Eindruck“, sagt Wang.

Mithilfe der Boni umgeht Hawe den Druck, jährliche feste Gehaltssteigerungen zu zahlen. Schließlich kann das Geschäft auch mal schlechter laufen. Wang will ihren Mitarbeitern deshalb nicht pauschal 10 bis 15 Prozent Einkommenszuwachs pro Jahr garantieren. Dafür bietet Hawe neben der Kranken- auch eine Lebens- und eine Unfallversicherung.

Viele neue Kollegen schickt das Unternehmen zum Hauptsitz nach München, um dort in der Montage mitzuarbeiten und das Werk kennenzulernen. „Das motiviert gerade Leute aus der Produktion“, sagt Wang. „Die Möglichkeit, ins Ausland zu reisen, ist für sie etwas ganz Besonderes.“

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