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Kapital und Netzwerke Private Equity viel besser als ihr Ruf

Kontrollverlust, Sparzwang, Zerschlagung: Viele Mittelständler fürchten die Finanzierung durch Finanzinvestoren. Dabei bieten sie neben frischem Kapital auch Wissen und Netzwerke.

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Size matters - Eyevis-Chef Nagel leitet den Hersteller von Großbildsystemen Quelle: PR

Die Sicht eines Piloten aus dem Cockpit, perfekt imitiert auf einer gebogenen 180-Grad-Leinwand. Michael Nagel steht vor dem Flugsimulator-Bildschirm im Ausstellungsraum der Reutlinger Zentrale von Eyevis. In der Hand hält er eine 3-D-Brille für angehende Flugkapitäne. Auch er ist schon eine virtuelle Boeing 747 geflogen – und nicht abgestürzt.

Nagel leitet seit fünf Monaten das Technologieunternehmen, das Großbildsysteme entwickelt. Einer der Flugsimulatoren steht im Institut für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig. Die Monitorwand im Studio des ZDF-Morgenmagazins, die Überwachungsleinwand, die für mehr Sicherheit bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi sorgen soll – alles Großbildsysteme aus der schwäbischen Provinz.

Seit der Gründung von Eyevis vor fast 20 Jahren ist der Bedarf an den individuellen, hochkomplexen Lösungen stetig gewachsen. Der Umsatz stieg allein in den vergangenen drei Jahren um insgesamt mehr als 50 Prozent auf 40 Millionen Euro.

Kapital- und Know-how-Mangel

Eyevis liefert zwar in die ganze Welt, hat aber nur wenig Standorte im Ausland. Es mangelte an Kapital und Know-how. Bis vor neun Monaten das Telefon von Eyevis-Gründer Michael Schuster klingelte. Am anderen Ende der Leitung war Marco Brockhaus, Inhaber des gleichnamigen Frankfurter Private-Equity-Hauses. Fünf Monate später waren die beiden Partner, Brockhaus übernahm die Mehrheitsanteile, Schuster bleibt als Berater an Bord. Eyevis ist eine Ausnahme, denn bislang pflegten Mittelständler und Beteiligungsgesellschaften, vulgo Heuschrecken, kein inniges Verhältnis zueinander.

Die 20 innovativsten Mittelständler
Sear GmbH Quelle: Screenshot
Telegärtner Karl Gärtner GmbHDas Technologieunternehmen ist ein Unternehmensverbund mit Sitz in Steinenbronn. Das 1945 gegründete Unternehmen beschäftigt mehr als 450 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf Vor- und Endprodukte für die Tele- und Datenkommunikation. Quelle: Screenshot
Jöst GnbH & Co.KGDie Jöst GmbH & Co. KG ist ein inhabergeführtes Unternehmen, das auf dem Gebiet der Schwingungstechnik tätig ist. Hauptsitz der Gruppe ist seit 1990 Dülmen-Buldern im westlichen Münsterland. Quelle: Screenshot
MAJA-Maschinenfabrik Hermann Schill GmbH & Co. KGDer Firma Maja hat bei der Herstellung von Eismaschinen für die Fleischindustrie und den Handel, das Thema der Hygiene aufgegriffen und verbessert, heißt es in einer Mitteilung von Munich Strategy. Durch Änderungen bei der Maschinenkonstruktion lassen sich alle wasserführenden Teile dadurch ausbauen und täglich oder bei Bedarf auch öfter reinigen. Sitz des Unternehmens ist Kehl-Goldscheuer an der französischen Grenze. Quelle: Screenshot
IBAK Helmut Hunger1945 wurde das Unternehmen aus der Technologiebranche als Ingenieurbüro gegründet. Heute ist es Hersteller und Vertreiber von Kanalisationssystemen mit rund 250 Mitarbeitern an den Standorten Kiel und den Zweigstellen in Krefeld, Georgsmarienhütte/Osnabrück und Illerrieden/Ulm. In diesem Jahr wurde zum 66. Geburtstag des Unternehmens eine neue Kundenhalle in Kiel-Wellingdorf eingeweiht Quelle: Screenshot
Galileo Lebensmittel GmbH & Co. KGDas Unternehmen wurde 1993 gegründet und stellt Tiefkühlkost her. Spezialisiert ist es auf Pizzen, Wraps und Crostinis - kurz gesagt auf Produkte der italienischen Küche. Sitz der Gesellschaft ist Trierweiler. Quelle: Screenshot
TECE GmbHAuf Platz 14 des Rankings liegt die Gesellschaft TECE, die Haustechnik-Lösungen national und international fertigt und vertreibt. Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1955 und ist inhabergeführt. Sitz der TECE GmbH ist Emsdetten in Nordrhein-Westfalen. Quelle: Screenshot

Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) lehnten vor zwei Jahren noch 80 Prozent der befragten Mittelständler eine Kapitalspritze durch Private-Equity-Firmen (PE) ab. Mehr als die Hälfte der Unternehmer rätselte, wie eine solche Beteiligung überhaupt funktioniert. Ihre nicht völlig aus der Luft gegriffene Sorge: Das sind Vielfraße, die sich in Unternehmen nur einkaufen, um sie zu zerschlagen und die Teile mit Gewinn weiterzuverkaufen. Alles schon da gewesen. Der andere Grund liegt in der Persönlichkeit vieler mittelständischer Chefs. „Viele sind es gewohnt, alleine zu entscheiden“, sagt Ulrich Störk, Private-Equity-Experte bei PwC.

Doch beide Seiten lernen dazu: „ Mittelständler wollen immer öfter mit einer Beteiligungsgesellschaft zusammenarbeiten. Die Unabhängigkeit von Bankkrediten und die rechtzeitige Lösung von Nachfolgefragen stehen oben auf der Agenda“, sagt Andreas Schober, Chef der Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz.

Passendes Pendant gesucht

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
Konsum Quelle: dpa
Investitionen Quelle: dpa
Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Zugleich versprechen immer mehr PE-Gesellschaften „nachhaltiges Wirtschaften“ und „langfristige Wertschöpfung“. Kein Wunder, denn die ganz großen Übernahme-Deals sind seit der Finanzkrise selten und Mittelständler attraktiver geworden.

Doch wie findet sich, was sich bislang kaum suchte? Mittelständler können sich bei ihrer Bank oder bei spezialisierten Beratern nach dem richtigen Beteiligungspartner erkundigen. Erste Wahl bleibt der Branchenfunk: Wer hat einen guten Ruf?

Zugleich gehen Investoren wie Brockhaus Private Equity auf die Pirsch nach Technologie- und Innovationsführern im deutschen Mittelstand. Auf Eyevis stieß Brockhaus über das Ausstellerverzeichnis der Hannover-Messe. Interessant sind auch Betriebe mit ungeklärter Nachfolge.

Das traf auf Eyevis zu. Nicht nur bei der Internationalisierung haperte es. Der Gründer fand auch keinen passenden Nachfolger. Als die Frankfurter den Mehrheitsanteil von Eyevis übernahmen, brachten sie deshalb gleich Personal mit: Der neue Geschäftsführer Michael Nagel hatte zuvor mit verschiedenen PE-Häusern zusammengearbeitet. Philipp Pejic, der bei der Beratung KPMG den PE-Bereich leitet, hält das für akzeptabel: „Beteiligungsgesellschaften verfügen häufig über eigene Industrieexperten und Berater für Spezialthemen wie Finanzierung oder Prozessverbesserungen.“

In Arbeit
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Auch einen Beirat führte Brockhaus ein. Der Vorsitzende Egon Minar arbeitete zuvor bei Sony und dem Navihersteller Navigon. Von diesem Wissen profitiert nun der schwäbische Mittelständler – bei dem nun Brockhaus das Sagen hat.

Eyevis und Brockhaus sind jetzt seit vier Monaten vereint, beider Mitgiften ergänzen sich: Das Qualitätssiegel made in Germany und frisches Kapital, Know-how und Kontakte. Jetzt nimmt Eyevis Osteuropa und Lateinamerika ins Visier.

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