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Koenzens Netzauge

BND-Pläne - wie im falschen Film

Ausgerechnet der Bundesnachrichtendienst kopiert die fragwürdigen Methoden der NSA. Damit unterwandert der deutsche Auslandsgeheimdienst das Vertrauen der Nutzer - und schadet der Wirtschaft unseres Landes.

Was diese über Sie wissen könnten
Schild "Bundesnachrichtendienst" Quelle: AP
Schilder US. Cyber Command, National Security Agency, Central Security Service Quelle: dpa
Ein Mann mit Fotoapparat Quelle: Fotolia
Kabel Quelle: dpa
Eine Frau telefoniert mit einem Telefon Quelle: obs
Ein E-Mail-Symbol Quelle: dpa
Bildcollage zum Thema Telekommunikation Quelle: dpa

Vieles wurde uns in den letzten Monaten zugemutet. Vor gerade einmal eineinhalb Jahren begann unsere bis dahin so heile Internet-Welt massiv zu bröckeln. Was vorher für Viele Verheißung und maximale Freiheit bedeutete, was Revolutionen etwa in Nordafrika begünstigte und eine ganz neue Art der weltweiten Kommunikation ermöglichte, wurde peu à peu zur gigantischen Überwachungsinfrastruktur des US-Geheimdienstes NSA und seiner britischen Freunde.

Irgendwann, so dachte man, müsste doch Schluss sein damit, müsste doch alles ans Tageslicht gekommen sein. Und, vor allem, irgendwann müssten doch Politiker, Staaten und Geheimdienste vielleicht ein kleines bisschen dazu gelernt haben und etwas genauer zwischen dem vermeintlichen Überwachungsnutzen „Sicherheit“ und dem Schutz unserer Rechte und unseres Eigentums abwägen.

Falsch gedacht! Ausgerechnet der deutsche Auslandsgeheimdienst BND macht sich nun offenbar daran, die fragwürdigen Methoden des großen Bruders in den USA zu kopieren. Und das in einer Weise, die mich gleich mehrfach erschreckt.

Laut Presseberichten plant der BND den gezielten Ankauf von Wissen über Schwachstellen in IT-Systemen, um über diese Zugang zu geschützten Rechnern und geschützter Kommunikation zu erhalten. Der Fachbegriff dafür heißt „Zero Day Exploits“, dahinter verbergen sich ganze Kästen mit Werkzeugen, die Schwachstellen in IT-System finden und nutzen, bevor diese dem Hersteller bekannt sind und geschlossen werden können.

Neue Überwachungsinfrastruktur

Im konkreten Fall geht es um Schwachstellen in Systemen, die die sogenannte SSL-Verschlüsselung nutzen, wie sie heutzutage jeder für seine E-Mails verwenden kann. Doch was passiert, wenn BND & Co. diese Exploits kaufen, um die Verschlüsselung zu unterwandern?

Die Antwort ist ebenso einfach wie besorgniserregend: Sie schaffen damit nicht nur eine neue Überwachungsinfrastruktur. Sie fördern auf diese Weise auch Kriminelle und gefährden die Sicherheit jedes einzelnen Internet-Users, die Sicherheit unserer Wirtschaft und unseres Landes!

FAQs: So werden die Deutschen überwacht

Eine ganze Schattenwirtschaft lebt heute vom Verkauf solcher IT-Schwachstellen. Dazu zählen kriminelle Hacker, die im Verborgenen agieren, aber auch ganze Unternehmen, die ihr Wissen offen am Markt anbieten. Der Ankauf von Exploits durch Geheimdienste treibt den Preis in die Höhe, macht das Geschäft noch attraktiver und lädt geradezu zum Nachmachen ein.

Und wer sollte dann mit seinem Wissen noch die sogenannten Ankaufprogramme der großen IT-Hersteller vorziehen, die Belohnungen für redliche Sucher ausloben, die Sicherheitslücken finden und diese gegen Bezahlung melden? Die Zahl dieser Zeitgenossen wird dadurch immer weniger, so einfach ist die Antwort.

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