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Koenzens Netzauge

Die große Berliner Planlosigkeit

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Das wird nicht funktionieren

Denn, machen wir uns nichts vor, die Bereitschaft der Bürger, nach den ersten 30 Minuten Geld für den Zugang zu bezahlen, wird sehr gering sein. Schließlich gibt es schon vielerorts kostenloses WLAN, zum Beispiel in Cafés und Hotels.

So schön sieht WLAN aus
Zu Hause, im Büro und an öffentlichen Plätzen: WLAN ist überall. Aber wie sehen die Wifi-Strahlen eigentlich aus, haben sich der Tech-Blogger Nickolay Lamm und die Astrobiologin M. Browning Vogel Ph.D von der Nasa gefragt. Also griffen sie sich Bilder der Gegend um die Washingtoner National Mall und legten darüber Muster, wie das drahtlose Internet aussehen könnte. Wifi-Wellen haben eine gewisse Höhe und einen bestimmten Abstand zueinander. Er ist kürzer als bei Radiowellen und länger als bei Mikrowellen, sodass eine einzigartige Übertragung entsteht, die nicht durch andere Signale unterbrochen werden kann. Verschiedene Sub-Kanäle werden hier in verschiedenen Farben dargestellt. Quelle: gigaom.com
Die entstandenen Bilder zeigen eindrucksvoll, wie sich die unterschiedlichen Frequenzen der WLAN-Strahlen in der Öffentlichkeit verhalten. Hier werden die Impulse als bunte Kugeln visualisiert. Die Quelle ist rechts im Bild zu sehen. Jede Farbe steht für einen eigenen Ausschnitt aus dem elektromagnetischen Feld. Wifi-Felder sind meist sphärisch (wie hier) oder ellipsenförmig und erstrecken sich an öffentlichen Orten bis zu 300 Meter. Quelle: gigaom.com
Dieses Bild soll zeigen, dass die Impulse etwa sechs Zoll voneinander entfernt sind. Es wird auch deutlich, warum ein öffentlicher Platz nicht immer gleich gut mit Netz abgedeckt ist. Quelle: gigaom.com
Wifi-Antennen können an Bäumen, Laternenmasten oder auf Gebäuden befestigt werden. Mehrere Antennen können das komplette Gebiet um die National Mall abdecken. Das Internet legt sich hier wie eine Decke auf den Platz. Quelle: gigaom.com
Internetwellen sind überall - das machen uns die Bilder eindrucksvoll klar. Aber allen Berichten über schädliche Wirkungen zum Trotz: Sie sind einfach wunderschön. Quelle: gigaom.com

Oder aus Sicht der Nutzer: 30 Minuten sind kostenlos. Soweit, so gut. Anmelden werden sie sich aber auf jeden Fall müssen. Und das vielleicht jedes Mal neu, schließlich kann es durchaus sein, dass sie es beim Berlin-WLAN mit mehreren Betreibern zu tun bekommen.

Und dann wäre da noch die Qualität. Hotspot ist nämlich nicht gleich Hotspot. Vieles hängt vom Internet-Anschluss ab, an den die Hotspots angeschlossen werden. Und der sollte heute bitteschön möglichst breitbanding sein, also am besten direkt ins Glasfasernetz führen. Dass dies in allen städtischen Gebäuden der Fall ist, darf zumindest bezweifelt werden.

Liebe Berliner, das wird nicht funktionieren. Warum schauen Sie nicht einfach mal in Städte, die nicht mehr planen, sondern bereits ein funktionierendes City-WLAN haben?

Am westlichen Rand der Republik gibt es ein paar schöne Beispiele, wie es anders geht. Sinnvoll – und dennoch ohne finanzielles Risiko für klamme Kommunen.

Oder Aachen. In Kooperation mit einem regionalen Provider hat die Stadt vor wenigen Wochen ein hochmodernes, freies WLAN in Betrieb genommen, das Aachen WiFi. Abgedeckt werden bereits jetzt große Teile der historischen Altstadt. Weitere werden folgen.

Die Kooperation mit dem Provider ist man bewusst eingegangen. Wichtig war der Stadt eine hohe Qualität des neuen „Bürgerdienstes“. Und das wäre nicht in Eigenregie gegangen, allein aus Kostengründen. Soviel war schnell klar.

Touristen und Bürger dürfte es freuen: jeder Zugangspunkt hat einen eigenen Glasfaseranschluss, das Surfen geht rasend schnell. Und kostenlos ist es auch – nicht nur für die ersten 30 Minuten.

In Arbeit
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Auch der Stadt Aachen entstehen keine Kosten. Gemeinsam mit dem Provider wurde ein Konzept zur Refinanzierung entwickelt. Diese erfolgt über Kooperationen mit Sponsoren, Ladengeschäften und Cafébesitzern. Und das funktioniert. Gut sogar.

Ein kleiner Tipp an den Berliner Senat: Schauen Sie sich um. Vielleicht macht es ja Sinn, ein funktionierendes Modell zu kopieren und jemanden ins Boot zu holen, der entsprechende Erfahrung hat? Das hätte auch für den neuen Hauptstadtflughafen ein echt gutes Modell sein können...

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