WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Koenzens Netzauge

Die große Berliner Planlosigkeit

Die Hauptstadt plant ihren nächsten großen Coup: ein stadtweites WLAN für Bürger und Touristen. Doch damit ist vermutlich das nächste Prestigeprojekt zum Scheitern verurteilt.

So gehen Sie im Hotel sicher online
Schlechter SchutzDas kostenlose WLAN im Hotel, aber auch im Café oder im Flughafen, mag verführerisch sein. Doch solche Verbindungen sind oft schlecht konfiguriert und lassen sich leicht ausspionieren. Seriöse Hotspots nutzen die aktuell übliche WPA2-Verschlüsselung. Ungeschützte Verbindungen oder mit veralteter WEP-Verschlüsselung sollten nur im Notfall und für unsensible Daten genutzt werden. Quelle: dpa
Vorsicht ist besser als NachsichtLaptops, Notebooks und Tablets sollten vor dem Hotelbesuch mit den neuesten Virenscannern und Firewalls ausgestattet werden. Quelle: REUTERS
Auf neueste Browser setzenAußer auf Anti-Viren-Programm sollte man auch auf die neuesten Browsern setzen: Je neuer und aktualisierter der Browser ist, desto höher sind seine Sicherheitsstandards. Quelle: obs
Vorsicht vor „bösen Zwillingen“Wer sich ins Hotel-WLAN einloggt, sollte darauf achten, sich ins richtige System einzuloggen. Denn Hacker versuchen mit sogenannten „evil twins“, Nutzer zu täuschen - durch Netzwerke, die den Hotelnamen tragen und Websites, die den Hotelseiten ähneln. Im Zweifel helfen die Rezeptionisten weiter, welches Netzwerk das Richtige ist. Quelle: REUTERS
Verbindung sobald wie möglich trennenWeniger ist mehr: Wenn man die Verbindung nicht braucht, sollte man sich so schnell wie möglich trennen. Das spart Akkuleistung und schützt vor Online-Kriminalität. Denn je weniger man mit einem fremden Netzwerk verbunden ist, desto unwahrscheinlicher ist es, ausspioniert zu werden. Quelle: dpa
Auf Einkäufe und Online-Shopping verzichtenWer in fremden Netzwerken unterwegs ist, sollte Zugriffe auf sein Bankkonto vermeiden. Das heißt: Weder Online-Shopping noch Online-Banking. Wer nicht um einen Einkauf herum kommt, sollte darauf achten, dass die Website über eine HTTPS-verbindung geschützt ist. Anstatt dem üblichen „http“ zu Beginn einer Internetadresse, steht dann „https“. Quelle: dpa
Auf VPN-Verbindungen setzenManche Arbeitgeber verwenden sogenannte „Virtual Private Networks“ (VPN). Das ermöglicht es, Mitarbeitern von außerhalb über den Unternehmensserver ins Internet zu gehen. Da VPN-Verbindungen mit Datenverschlüsselungstechnologien arbeiten, um ihre Unternehmensdaten zu schützen, ist man auch selbst sicherer im Web unterwegs. In China lassen sich über VPNs auch offiziell gesperrte Seiten, wie Facebook ansteuern. Quelle: dpa

Es ist ja weithin bekannt, dass die Berliner eine etwas andere Herangehensweise an so manches Großprojekt haben als andere. Schließlich ist der neue Hauptstadtflughafen schon lange kein Prestigeprojekt mehr, sondern eher peinlich. Und auch beim Hauptstadtbahnhof gab es seinerzeit so einige Turbulenzen.

Auch beim neusten großen Coup läuft die Hauptstadt Gefahr, grandios zu scheitern. Ab 2015 soll es in der Stadt deutlich mehr WLAN-Hotspots geben. Ein stadtweites Drahtlosnetz für mobiles Breitband-Surfen soll entstehen.

Attraktiver möchte man damit werden. Für Touristen ebenso wie für die eigenen Bürger, die man gerne mehr in der Stadt und in den Läden sehen möchte. Und damit es auch gut genutzt wird, sollen zumindest die ersten 30 Minuten kostenlos sein.

Das ist längst überfällig, könnte man jetzt sagen. Schließlich sind freie WLANs in den Städten der Welt längst Standard. Nur eben nicht in Deutschland, doch hier macht man sich bereit zur Aufholjagd.

Gut gemeint, schlecht gemacht – so einfach lässt sich das im Fall Berlin jedoch leider zusammen fassen. Denn was die Berliner als großen Plan für ein City-Netz vorstellen, ist ein planloses Unterfangen, das mehr Fragen als Aha-Effekte mit sich bringt.

Für den Zeitraum von zwei Jahren möchte man Standorte in öffentlichen Gebäuden kostenlos für das City-WLAN zur Verfügung stellen. Mietfrei - und selbst den Strom möchte der Senat tragen. Das war’s dann schon mit den “Plänen”.

Das WLAN selbst betreiben? Möchte man nicht. Ein echtes Konzept mit einem festen Partner? Gibt es nicht. Zusagen für die Zeit danach? Sucht man vergeblich. Eine Vergütung? Nicht angedacht. Klare Vorstellungen zur Netzqualität, zu Sicherheitskonzepten? Fehlanzeige.

Stattdessen ist jetzt jeder willige Betreiber eingeladen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Einzige Vorgabe: die ersten 30 Minuten müssen kostenlos sein. Danach? Unklar.

Fakten rund um LTE

Spielen wir das gedanklich doch einfach mal durch: Berlin sucht also nach Betreibern, die keine Planungssicherheit erhalten (nach zwei Jahren ist ja vielleicht Schluss), deren Infrastruktur in fremden Gebäuden stehen wird (zu denen sie ja vermutlich nicht einfach Zugang bekommen – zumal es am Ende ja auch mehrere Betreiber werden könnten, schließlich gibt es unterschiedlich attraktive Standorte), die für die Festnetz-Anbindung ihrer Hotspots (vermutlich) von städtischen Internet-Zugängen abhängig sein werden (oder sollen in den städtischen Gebäuden extra neue Anschlüsse gelegt werden?)  und die – bis auf die Vergünstigungen in Sachen Strom und Mietfreiheit – auch keine echten finanziellen Anreize haben.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%