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Krötenwanderung

Vorsicht bei Fake-Registereinträgen

Anke Henrich
Anke Henrich Freie Autorin, Mittelstands-Expertin

Firmengründer sind ein gefundenes Fressen für Betrüger. Mit verschiedensten Abzocke-Varianten wollen sie den Gründern ans Gesparte. Zum Beispiel bei Fake-Handelsregistern mit Bundesadler im Briefkopf.

Nur die Amtsgerichte verschicken Rechnungen für Einträge ins Handelsregister. Quelle: dpa

Jeder, der eine Firma gründet, spürt den heißen Atem der Juristen im Genick: Jetzt bloß keine Fehler machen, zum Beispiel bei der gesetzlich vorgeschriebenen Anmeldung ins Handelsregister beim Amtsgericht. Eigentlich richtet das der eigens beauftragte Notar, ein Restprickel bleibt aber, zum Beispiel wenn es um veröffentlichungspflichtige Änderungen geht.

Doch kaum ist das neue Unternehmen ordnungsgemäß und abschließend registriert, flattern Gründer und Gründerin immer wieder amtlich aussehende Formulare ins Haus. Zum Beispiel meldet sich das „Firmenregister für Industrie, Handwerk und Handel“, nennt als Absender die Gewerbeerfassungs-Zentrale.de und wirbt mit dem Bundesadler. Der Adressat möge auch dort tunlichst sein Gewerbe anmelden und binnen drei Tagen stolze 686,46 Euro auf das Absender-Konto überweisen. Das „Deutsche Handelsregister Zentral-Info“ macht es ebenso, fordert binnen drei Tagen gleich 754,34 Euro. Nichts davon ist nötig, nützlich, geschweige vorgeschrieben.

Die größten Hemmnisse für Unternehmensgründungen

Auch gerne genommen: In einem amtlich anmutenden Schreiben heißt es, ein bereits vorliegender Eintrag des Unternehmens müsse auf einer Internet-Seite noch geändert werden. Inzwischen existieren viele Varianten dieser Abzocke.

Abzocker verursachen 350 Millionen Euro Schaden

Da Firmengründer ohnehin von diversen Stellen eine Flut von Rechnungen erhalten, hoffen die Betrüger, dass auch ihre Forderungen nicht hinterfragt, sondern beglichen werden. Laut des Deutschen Schutzverbandes gegen Wirtschaftskriminalität verursachen sie jährlich ein Schaden von rund 350 Millionen Euro.

Der Bundesgerichtshof hat solch ein betrügerisches Gebaren verboten. Das stört diese Leute aber nicht. Zumal sie nur sehr schwer rückzuverfolgen und zu identifizieren sind.

Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt warnt deshalb: „Die Abrechnung der Bekanntmachungskosten von Eintragungen oder Veränderungen im Handelsregister werden ausschließlich von den Amtsgerichten in Rechnung gestellt. Der elektronische Bundesanzeiger, in dem die Veröffentlichung erfolgt, erstellt selbst keine Rechnungen.“

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Betrugsopfer sollten in jedem Fall einen ungewollt erteilten Auftrag per Einschreiben wegen arglistiger Täuschung anfechten und vorsorglich gleichzeitig die Kündigung erklären, um die Zusendung von Folgerechnungen für einen gegebenenfalls mit Unterzeichnung des Formulars versehentlich erteilten Mehrfachauftrag zu vermeiden und dann abwarten. Bereits bezahlte Geldbeträge sollten unter Fristsetzung zurück gefordert werden. Ein noch nicht ausgeführter Überweisungsauftrag kann über die Hausbank gestoppt werden. Ist bereits bezahlt worden, lohnt es sich auch, mit der Empfängerbank Kontakt aufzunehmen. Dabei ist es empfehlenswert schnell zu reagieren, da unseriöse Adressbuchverlage teilweise täglich die Gelder von ihren Konten abbuchen.

Auch wenn der Irrtum erst zu einem späteren Zeitpunkt entdeckt wird, beispielsweise wenn eine Folgerechnung hereinflattert, kann der Betroffene den Vertrag immer noch anfechten. Das Muster für eine Anfechtungsklage und Verweise auf nützliche Gerichtsurteile hat die IHK online gestellt: siehe hier

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