Ledvance, Hauck & Aufhäuser, KraussMaffei Wie geht es den Mittelständlern, die von Chinesen geschluckt wurden?

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„Kaum einer stört sich an arabischen Staatsfonds“

Herr Stieler, deutsche Politiker sorgen sich angesichts der Vielzahl an Unternehmen, die zuletzt von Chinesen übernommen wurden, dass der chinesische Staat hierzulande zu viel Einfluss bekommt. Brauchen wir ein Gesetz, das uns davor schützt?
Stieler: Ein solches Gesetz gibt es schon. Danach kann der Staat eingreifen, wenn die Sicherheit der Bundesrepublik bedroht ist, etwa, wenn Rüstungsunternehmen an ausländische Unternehmen verkauft werden sollen. Grundsätzliche Ablehnung finde ich aber eher unangebracht. Schauen Sie mal auf die börsennotierten Firmen. Kaum einer stört sich daran, dass viele ausländische Investoren, etwa Staatsfonds aus dem arabischen Raum, Anteile an den größten deutschen Unternehmen halten. Es hat für diese Unternehmen ja auch keine Nachteile.

Nicht nur das Bundeswirtschaftsministerium, auch Teile der Bevölkerung fürchten einen Ausverkauf des Technologiestandorts Deutschland an China.
Hansen: Chinesische Unternehmen und Fonds investieren in Deutschland doch nur einen Bruchteil dessen, was beispielsweise Amerikaner oder Franzosen hier investieren. Wir müssen lernen, auf allen Ebenen mit den Chinesen zusammenzuarbeiten. Die Zeiten, in denen wir in China nur Fabriken bauen, um dort billig zu produzieren, sind vorbei.

Die chinesische Regierung hat einen Plan mit dem Namen Made in China 2025. Dort steht, in welchen Hochtechnologiebranchen Unternehmen im Westen gekauft werden sollen. Die Sorge vor einem Ausverkauf der deutschen Wirtschaft ist doch begründet.
Stieler: China hat zuallererst ein großes Interesse daran, sein Verhältnis zu Deutschland positiv zu gestalten. Ich erwarte deshalb, dass die Chinesen auf die Bedenken, die in Deutschland in den vergangenen Monaten laut geworden sind, reagieren werden. Dazu kommt, dass es in Deutschland meines Wissens nach kein Beispiel dafür gibt, wo in letzter Zeit die Übernahme durch einen chinesischen Investor für das Unternehmen nachteilig war. Überall wurden Mitarbeiter eingestellt, so auch bei uns. Wir werden im kommenden Jahr über 20 Prozent mehr investieren als 2016.

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Was glauben Sie denn, wie die Chinesen auf die Kritik reagieren werden?
Stieler: Sie werden ihr eigenes Land für Investoren aus dem Ausland weiter Zug um Zug öffnen. Davon bin ich überzeugt. Die chinesische Regierung hat meines Erachtens erkannt, dass sie die Wirtschaft ihres Landes nur weiterentwickeln kann, wenn sie mit anderen Ländern kooperiert.

China entwickelt, anders als der Westen, neue Technologien nicht in mühsamer Arbeit selbst, sondern kauft sie sich einfach bei uns. Ein bestechendes Konzept, oder?
Stieler: Es reicht nicht, Technologien zu kaufen. Um diese in einen Geschäftserfolg zu übersetzen, braucht es erfahrene Manager und Mitarbeiter. Daher ist eine gute Kooperation mit den Managern der übernommenen Unternehmen entscheidend. Dabei muss der Eigentümer zuhören, wenn das Unternehmen erklärt, wie das Geschäft funktioniert. Das ist übrigens eine Art von Demut, die man im Westen selten findet.

Wie äußert sich die Demut konkret?
Stieler: Unsere chinesischen Eigentümer haben nicht den Anspruch, besser zu wissen, wie wir erfolgreich sind. Sie wollen von uns lernen, und zwar nicht nur bei der Technologie. Sie wollen von uns wissen, wie man ein internationales Unternehmen organisiert und wie man gegenüber Kunden auftritt, um weltweit erfolgreich zu sein.

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