Liftbetreiber zufrieden Wie die Skiliftbetreiber auf die Saison zurückblicken

Bergbahnbetreiber blicken zufrieden auf die Skisaison Quelle: dpa

Die Liftbetreiber sorgten sich zum Start der Skisaison um die Gäste – Schuld waren strenge Pandemieauflagen. Zum Saisonende ist davon nicht mehr viel zu hören; zu gut lief das Geschäft auf den deutschen Pisten.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Es liegt in der Natur eines Verbands, ordentlich auf den Tisch zu hauen, wenn den Mitgliedsunternehmen etwas sauer aufstößt. Das hat der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) zum Start der Skisaison Ende November getan. Verbandsvorstand Matthias Stauch sprach von einem „Schlag in die Magengrube“, als die Auflage 2G-Plus für Freizeiteinrichtungen bekannt gemacht wurde. Die Regelung sei unwirtschaftlich für die Branche und daher der „Todesstoß“, der „Existenzen vernichten würde“.

Schließlich fiel die Skisaison im Vorjahr komplett ins Wasser, und der Betrieb 2019/2020 musste wegen des Lockdowns mehrere Wochen früher schließen als sonst. Gerade kleineren Bergbahnbetreibern, die nur Schlepplifte für Skifahrer unterhalten, brach damit das gesamte Geschäft weg. Größere Anbieter haben noch das Sommergeschäft als Ausgleich, wenn sie Touristen in Gondeln auf die vielen Aussichtspunkte der Gipfel bugsieren.

Mit 2G konnten sich die Liftbetreiber wiederum anfreunden. Den Status können Anbieter auf den Saisonkarten mit einem Ablaufdatum versehen hinterlegen, damit fällt viel Kontrollaufwand weg. Die Skibranche könnte Menschen gar motivieren, sich immunisieren zu lassen. „Unsere Gäste sagen: 'Mei, wenn wir Skifahren dürfen, kommen wir halt doch noch zum Impfen'“, sagte Stauch, der zudem Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn ist, Ende November bei einer Pressekonferenz.



Zum Glück der Seilbahnbetreiber kassierte die Politik die Entscheidung nach kurzer Zeit wieder und Anfang Dezember waren in den meisten Bundesländern nur Impfzertifikat oder Genesenennachweis nötig, um die Pisten hinabwedeln zu dürfen. Das sorgt nun zum Saisonende für gute Stimmung. „Die meisten Seilbahnunternehmen sind sehr zufrieden, der Besucherandrang war hoch“, sagt Stauch auf Nachfrage der WirtschaftsWoche. Noch sind manche Pisten geöffnet, offizielle Zahlen könne man daher erst Ende April veröffentlichen. Aber nach Verbandsangaben hat die Branche mit Blick auf die Gästezahlen mindestens das Vor-Corona-Niveau erreicht.

„Das kannst du keinem Gast erklären“

Die Brauneck-Bergbahn liegt für Münchner günstig gelegen in den bayerischen Voralpen. Die Betreiberin, die Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH, nennt die vergangene Saison im Vergleich zum Vor-Corona-Betrieb gut, zugleich sei sie wegen der Kontrollpflichten anstrengend gewesen. Viele Sonnentage und „perfekte Pisten“ hätten für Besucherscharen gesorgt, die Gäste seien trotz der Pandemiemaßnahmen geduldig gewesen . „Wir sind sehr zufrieden“, heißt es von der Betreiberin von 18 Liften und Bahnen.

Lesen sie auch: Kitzbühel: Das größte Skispektakel kämpft gegen die Pandemie

„Dinge, die nicht so schön waren, vergisst man schnell“, sagt hingegen Jörn Homburg von den Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen. Zwar ist auch er zufrieden mit der Saison, man habe die geplanten Gästezahlen erreicht. Homburg kritisiert unter anderem die Abstandsregeln. Die Nebelhornbahn in den Allgäuer Alpen beispielsweise dürfe in den Zehnerkabinen zu drei Viertel ausgelastet sein – also acht statt zehn Personen. Die große Kabine mit 28 Sitzen wiederum dürfe nur zu einem Viertel voll sein und damit sieben Personen befördern. „Das kannst du keinem Gast erklären.“

Schwerer als andere hatten es die Betreiber in Sachsen. Die Landesregierung hatte die Skigebiete zur Pandemiebekämpfung bis Mitte Januar dichtgemacht. René Lötzsch ist Chef der Fichtelberg Schwebebahn in Oberwiesenthal. „Wir haben 80 Skitage verloren, weil Sachsen eine Vorreiterrolle spielen wollte“, sagt er. Weihnachten, Silvester und die erste Januarwoche bringen ihm normalerweise ein Drittel der Umsätze ein. Als er dann endlich öffnen durfte, sei der Ansturm groß gewesen 135.000 Gäste zählte Lötzsch am Fichtelberg, dem höchsten Berg Sachsens, bislang. Über das Wochenende fielen nochmal 20 Zentimeter Neuschnee, berichtet er, dennoch ist die Saison für ihn gelaufen – zu wenig Gäste kämen noch in den letzten Wochen. „Es schmerzt im Herz, den Skibetrieb einzustellen. Aber wir können nichts drauflegen, das müssten wir allerdings erfahrungsgemäß.“ Dank Preiserhöhungen sieht die Kasse bei ihm zwar „nicht schlecht“ aus. Eine geplante neue Liftanlage hat er dennoch zurückgestellt.

Arbeitskräfte fehlen, Energie ist teuer

Mit 2G-Plus hätte die Skisaison nicht funktioniert, ist Verbandssprecher Stauch jedenfalls überzeugt. Viele Betreiber hätten dann lieber die Lifte außer Betrieb gelassen. Zu groß sei der Kontrollaufwand. Die Hygienevorschriften nennt der Verband einen „enormen Kraftakt“. Und dann kommen die branchenübergreifenden Schwierigkeiten dazu: Arbeitskräfte fehlen, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien krankheitsbedingt ausgefallen. Und es gab es keine Gäste aus Übersee und weniger aus der Schweiz und Österreich.

Digitalsparte Was hat Siemens nur mit Digital Industries vor?

Digital Industries ist Siemens' wichtigste Sparte. Ihr Chef Cedrik Neike, ein Hoffnungsträger des Konzerns, verpasst ihr eine Techkultur nach US-Vorbild. Kann die rasante Transformation gut gehen?

Gesetzliche Krankenkasse Wie komme ich in die Krankenversicherung der Rentner?

Die Beiträge in der Krankenversicherung der Rentner sind häufig sehr niedrig. Doch manchmal ist die Aufnahme dort schwierig. Der WiWo Coach gibt Tipps.

Hörmann So trickreich umschifft der Garagenkonzern die Russland-Sanktionen

Die Familie Hörmann ist Europas Marktführer bei Garagentoren. Nach Kriegsbeginn hat sie ihr Geschäft in Russland und Belarus ausgeweitet. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.

 Weitere Plus-Artikel lesen Sie hier

Was vom Gästeboom in den Portemonnaies der Bergbahnen bleibt, könne man aktuell noch nicht sagen. Denn ein weiteres Thema belastet die Branche wie viele andere: Die Energiepreise. Die Kosten dafür hätten sich für manche Unternehmen bereits verdoppelt. An die Gäste, sagt Homburg von den Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen, könne man das jedenfalls nicht Eins-zu-Eins weiterreichen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%