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LKW-Raub So jagen Diebesbanden auf Autobahnen nach Beute

Auf deutschen Autobahnen räumen berufsmäßige Banden ganze Lkw-Anhänger leer und brechen Container auf. Frachtdiebstahl wird mehr und mehr zum Problem. Und den Spediteuren bleibt oft nur die Selbsthilfe.

Räuber überfallen LKWs auf Autobahnen Quelle: Getty Images

Der Lkw fährt Tempo 100, trotzdem hält das Auto hinter ihm nur wenige Zentimeter Abstand. Unmöglich, dass der Fahrer die Verfolger noch in seinen Seitenspiegeln sehen kann. Dann öffnet das Auto das Verdeck, eine schwarze Gestalt klettert heraus. Sie kriecht über die Windschutzscheibe Richtung Lkw, öffnet die Hecktüren, während die Autos mit gleichbleibender Geschwindigkeit die Autobahn entlangrauschen.

Das Video könnte aus dem Actionfilm „The Fast and the Furious“ stammen, wäre die Aufnahme nicht grauweiß und verschwommen. Tatsächlich soll die rumänische Polizei den riskanten Stunt mit einer Nachtsichtkamera gefilmt haben.

In Deutschland verbreitete sich das Video schnell, als sich vor zwei Jahren in Nordrhein-Westfalen entlang der Autobahn A 1 ähnliche Überfälle häuften. Mehr als 50 Mal versuchten die Täter, bei voller Fahrt in die Lastwagen einzudringen. Sie erbeuteten Handys, Laptops und andere Elektronikartikel im Gesamtwert von über 250 000 Euro.

Deutschland ist Logistik-Weltmeister
Platz zehn: JapanDie Weltbank hat rund 6000 Logistikunternehmen rund um den Globus befragt, wie ihre Erfahrungen mit der Zollabfertigung, der Nachverfolgung von Paketen und der Pünktlichkeit von Dienstleistern in verschiedenen Ländern sind. Die Unternehmen konnten in den Kategorien Zollabfertigung, Handels- und Transportinfrastruktur, Lieferungen, Zufriedenheit mit regionalen Logistikunternehmen, Pünktlichkeit und Transparenz Punkte von eins bis fünf vergeben. Daraus ergibt sich der Logistics Performance Index (LPI).Japan liegt mit einem LPI von durchschnittlich 3,91 auf Rang zehn. Am höchsten ist die Einzelwertung Japans in der Kategorie Pünktlichkeit mit 4,24 von fünf möglichen Punkten. Quelle: AP
Platz neun: USAMit nur 0,01 Punkten mehr ziehen die USA im Logistik-Ranking an Japan vorbei: 3,92 Punkte vergaben die befragten Logistiker an Amerika. Die höchste Punktzahl gab es für die Qualität der Handels- und Transportinfrastruktur (4,18 Punkte), am schlechtesten bewertet wurde das Arrangieren von Lieferungen zu arrangieren (3,45 Punkte). Quelle: REUTERS
Platz acht: LuxemburgAn Luxemburg gingen je 3,82 Punkte für die Effizienz der Zollabfertigung und das problemlose Arrangieren von Lieferungen, 3,91 Punkte für die Qualität der Infrastruktur an sich, 3,78 Punkte für die Qualität der regionalen Logistikdienstleister, 3,68 Punkte für die Nachverfolgung von Sendungen und 4,71 Punkte für die Pünktlichkeit. Insgesamt erreicht Luxemburg 3,95 von fünf Punkten. Quelle: dpa
Platz sieben: NorwegenNorwegen tat sich insbesondere bei der Qualität der Zollabfertigung mit 4,21 Punkten hervor. Insgesamt ergatterte Norwegen mit 3,96 Punkten Platz sieben - im Jahr 2012 belegte das skandinavische Land noch Rang 22. Quelle: AP
Platz sechs: SchwedenAuch Schwedens Logistik kann sich sehen lassen. Bestnoten gab es für die Pünktlichkeit (4,26 Punkte). Insgesamt erzielte Schweden eine LPI von 3,96 Punkten. Quelle: AP
Platz fünf: Singapur Singapur hat sich gegenüber dem Logistik-Ranking der Weltbank aus dem Jahre 2012 verschlechtert. Vor zwei Jahren belegte Singapur noch Platz eins, heute reicht es mit einem LPI von vier von fünf möglichen Punkten nur noch für Platz fünf. Die beste Wertung bekam Singapur mit 4,28 Punkten übrigens für die Qualität der Handels- und Transportinfrastruktur. Quelle: dpa
Patz vier: GroßbritannienInsgesamt gingen 4,01 Punkte an das Vereinigte Königreich. Im einzelnen bekam England folgende Punkte: Qualität der Zollabfertigung: 3,94 Qualität der allgemeinen Infrastruktur: 4,16 Qualität von Logistikdiensten: 4,03 Sendungsnachverfolgung: 4,08 Pünktlichkeit: 4,33 Quelle: REUTERS

Professionelle Räuber

So spektakulär die Raubangriffe bei voller Fahrt auch wirken, so dilettantisch sind sie letztlich auch. Der Großteil der Diebe auf Deutschlands Autobahnen und Rastplätzen arbeitet stiller, effizienter – und in viel größeren Dimensionen. Oft völlig unbemerkt von Fahrern und Polizei, räumen berufsmäßige Banden Lkw-Anhänger leer und brechen Container auf. Sie betäuben die Männer in der Fahrerkabine, indem sie Gas durch die Lüftung in das Fahrzeug leiten. Sie fälschen Dokumente, stehlen Daten oder schleusen sich in die Transportfirmen ein – in großem Stil.

„Deutschland hat in den vergangenen Jahren einen Spitzenplatz beim Thema Frachtdiebstahl eingenommen“, sagt Thorsten Neumann, Vorsitzender der Transported Asset Protection Association (Tapa). Die Organisation mit Sitz im niederländischen Amstelveen will Ladungsdiebstähle verhindern. Deshalb trägt sie Daten über das Ausmaß der Frachtkriminalität zusammen.

Die Zahlen sind beängstigend. In Deutschland zählte Tapa im vergangenen Jahr 285 Fälle, knapp 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei dürfte die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegen.

Das Beispiel Frachtdiebstahl zeigt damit viele der Probleme auf, mit denen Mittelständler in Deutschland beim Thema Wirtschaftskriminalität konfrontiert sind. Die Banden arbeiten sehr effektiv – im Gegensatz zu deutschen Ermittlern und vielen Mittelständlern, die sich nur unzureichend gegen die Angriffe schützen.

Diebstähle von Lkw-Ladungen in Deutschland (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wie viel Schaden die Langfinger anrichten, lässt sich aktuell nur schwer schätzen. Die letzte Studie der EU stammt aus dem Jahr 2007, neuere Zahlen gibt es nicht. Demnach summierte sich der Schaden durch Frachtdiebstahl in Deutschland damals auf 1,5 Milliarden Euro, europaweit waren es sogar 8,5 Milliarden Euro. Auch die Polizei hat keinen genauen Überblick. „Transportkriminalität wird in Deutschland nicht einmal zentral erfasst“, sagt Tapa-Chef Neumann.

Dabei reicht die wirtschaftliche Dimension weit über ein paar geklaute Handys hinaus. Immer wieder entwenden die Banden auch Ersatzteile und Rohstoffe. Damit gefährden sie die eng getakteten Lieferketten des produzierenden Gewerbes. Die fehlenden Elektromotoren oder Kupferkabel legen schnell Fließbänder oder ganze Fabriken still.

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