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Michael Otto „Nur wer Fehler zulässt, kann Neues entwickeln“

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Warum sich Otto aus dem Forbes-Ranking streichen ließ

Können Sie gut loslassen?
Ja, und ich finde es auch sehr wichtig. Ich konnte noch nie verstehen, wenn Unternehmer mit 80 Jahren noch alle Fäden in der Hand halten wollen. Es ist viel besser, ein Unternehmen früh und schrittweise abzugeben, um dann zu beobachten, ob es funktioniert. Dann ist man noch vital genug zu korrigieren. Und gleichzeitig gibt es nichts Schöneres, als zu sehen: Es läuft weiter. Außerdem: Wenn der Nachwuchs mit 60 zum ersten Mal Chef wird, wird er sicher kein Vollblutunternehmer mehr werden.

Stimmt es, dass Sie versucht haben, sich aus der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt streichen zu lassen?
Das ist richtig. Da haben die mir geantwortet: Sie sind der Erste, der raus will. Sonst wollen immer alle rein.

Warum wollten Sie raus?
Die Vermögen, die dort genannt werden, basieren auf den Unternehmenswerten. Und gleichzeitig entsteht der Eindruck, wir würden im Keller Dukaten sammeln. Es wird nicht beachtet, dass dieser Reichtum in Unternehmen drinsteckt, die eine volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung haben.

Aber wir haben doch ein Problem: Viele Menschen sehen eine steigende soziale Ungleichheit.
Ich sehe, dass zunehmend eine Entfremdung zwischen Bevölkerung und Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft stattfindet. Das fängt lokal an. Wird beispielsweise ein Verkehrsprojekt vorgestellt und Bürger melden ihre Einsprüche und Kritik an, dann ist es oft so, dass das Projekt einfach verteidigt und hinterher so umgesetzt wird. Das ist keine Partizipation. Die Menschen müssen sich doch wiederfinden in den politischen Prozessen.

Impressionen von Tag 2
Mit einer kleinen Stärkung ging es in den zweiten Tag des Gipfeltreffens der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Für die Frühaufsteher unter den Teilnehmern wurde bereits um 7.30 Uhr eine Jogging-Runde... Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
... gemeinsam mit dem Ultramarathonläufer Jürgen Mennel angeboten. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Es folgte die Begrüßung um 10.00 Uhr. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Ulrich Hamann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesdruckerei GmbH, ... Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
... gibt am zweiten Tag des Gipfeltreffens einen Überblick über ... Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
... "Digitalisierung trifft 250 Jahre Unternehmensgeschichte: Neue Prozesse, neue Produkte, neue Märkte". Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche

International scheinen wir gerade auf dem umgekehrten Weg zu sein. Donald Trump regiert mit präsidialen Dekreten. Wie beurteilen Sie den neuen US-Präsidenten?
Ich bin der Meinung, dass in einem Jahr das große Erwachen kommt. Über Abschottung ist noch keine Volkswirtschaft erfolgreich geworden. Betrachten wir allein die Autozulieferindustrie: Das können die Amerikaner nicht von heute auf morgen aufbauen. Das braucht Jahrzehnte. Es wird vermutlich einige konjunkturelle Strohfeuer geben, durch den Bau von Straßen und Infrastrukturen beispielsweise, doch das ist alles nicht nachhaltig.

Gibt es was, das Sie an Trump bewundern?
Was ihm viele Wähler gebracht hat, ist das Image eines Mannes, der handelt. Viele Menschen haben das Gefühl, die Politiker reden nur. Denn natürlich sind demokratische Prozesse oft langwierig – und zwar völlig zu Recht. Trotzdem erscheint Donald Trump dann als Inbegriff von jemandem, der anpackt, auch wenn häufig die langfristigen Auswirkungen nicht bedacht werden.

Nun werden Menschen aus vorwiegend muslimischen Staaten nicht mehr ins Land gelassen. Denken Sie, die Wirtschaftsführer sollten sich da klar positionieren?
Ja, denn solche spontanen Handlungen sind oft nicht durchdacht. Es sieht für viele so aus, dass Amerika nur einzelne Dinge verändert und ansonsten alles so bleibt. Aber das ist ein schleichender Prozess mit gravierenden Folgen. Die Unternehmen sollten deshalb klar ansprechen, wenn sie Gefahren für die Wirtschaft und damit für den Wohlstand der Gesellschaft sehen.

Auch im Hinblick auf zivile Freiheiten?
Die USA standen einmal für eine offene Gesellschaft, das wird gerade alles konterkariert. Natürlich kann man sagen, in vier Jahren wird alles anders. Doch der Imageschaden wird bleiben.

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