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Mifa Insolvenzverwalter übernimmt das Kommando

Der Machtkampf beim angeschlagenen Fahrradbauer Mifa ist entschieden: Per Gerichtsbeschluss verlieren Großaktionäre, Aufsichtsrat und Vorstand ihren Einfluss.

Mifa: Amtsgericht Halle stoppt Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung Quelle: dpa

Paukenschlag bei Mifa: Noch vor wenigen Tagen hatte das Amtsgericht Halle einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zugestimmt. Nun stoppte das Gericht die Sanierungsversuche des Managements in Eigenregie und ordnete den Start eines Regel-Insolvenzverfahrens an. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervor.

Zugleich übernimmt der Jurist Lucas Flöther als vorläufiger starker Insolvenzverwalter das Kommando bei der Fahrradschmiede aus Sangerhausen. Bisher hatte Flöther als gerichtlich bestellter Sachwalter die Rettungsmaßnahmen des Vorstands zwar beaufsichtigt. Er hatte aber kaum operative Eingriffsmöglichkeiten. Das ändert sich nun – wohl vor allem auf Druck der Gläubiger.

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters" - jetzt steht sie vor dem Aus. Die AZ hat am 5. März 2014 einen Insolvenzantrag gestellt. Sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen und hohe Druckkosten seien der Grund, sagte Herausgeber Johannes Friedmann. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. „Es gab kaum jemals ein gutes Jahr in der Abendzeitung“, seitdem er 1986 die Geschäfte übernommen habe, sagte Friedmann. Man hätte den Schritt „schon viel früher gehen müssen - vor zehn Jahren.“ Ein Investor ist nicht in Sicht. Der Süddeutsche Verlag, an dem die Familie Friedmann mit 18,75 Prozent beteiligt, hat kein Interesse an einer Übernahme. Auch von Dirk Ippen, der den „Münchner Merkur“ und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ verlegt scheint nicht interessiert. AZ-Herausgeber Friedmann sieht auch im Internet einen Grund für die Probleme der Abendzeitung: „Das, was eine typische Boulevardzeitung ausmacht, ist (...) durch das Internet weitgehend bedeutungslos geworden.“ Quelle: dpa
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die "Rheinische Post". Strauss Innovation hatte am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Betroffen sind 1400 Mitarbeiter in 96 Filialen und 59 deutschen Städten. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Versandhändler Neckermann gehörte. Strauss möchte zunächst einen eigenen Insolvenzplan vorlegen, bevor in drei Monaten das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Quelle: dpa
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´: "Es gibt mehrere Interessenten, die sich (...) mit einem Einstieg bei Kaiser befassen. Unser Ziel ist es, bis Jahresmitte eine dauerhafte Fortführungslösung zu realisieren." Kaiser erwirtschaftet rund 90 Millionen Euro Umsatz und lieferte 2012 rund 24 Millionen aus - darunter Airbag- und Antriebs-Komponenten, Bremsscheiben und –trommeln, Gehäuse für ABS, Kupplung, Getriebe, Hinterachsen und Zylinderblöcke. Alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer ist der Gründer Klaus-Peter Kaiser. Von 2000 bis 2008 wuchs Kaiser rasant und verdreifachte nahezu den Umsatz. Nach dem krisenbedingten Einbruch in 2009 hatte der Zulieferer zuletzt wieder an dieses Wachstumstempo anknüpfen können - das reichte allerdings nicht aus, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Quelle: Screenshot
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies: "Am Donnerstag haben wir Insolvenz für unsere Vertriebsgesellschaft angemeldet. Am Freitag erfolgt die Insolvenzanmeldung für die AG. Ob weitere Tochtergesellschaften ebenso den Weg der Insolvenz gehen, wird noch geprüft." Der Geschäftsbetrieb des Online-Händlers mit rund 200 Mitarbeitern werde jedoch weiter gehen. Auf einer Mitarbeiterversammlung wolle der eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen informieren. "Parallel dazu läuft die Investorensuche. Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche", sagte Rockstädt-Mies. Quelle: Presse

Hintergrund des Verfahrenswechsels bei Mifa ist laut Unternehmenskreisen ein handfester Streit zwischen den zentralen Gläubigern und dem Aufsichtsrat um den Einfluss des Gremiums und den dahinter stehenden Großaktionären um den Promi-Investor Carsten Maschmeyer.

Knackpunkt war offenbar, dass der Aufsichtsrat, dem auch der schillernde Manager Utz Claassen angehört, trotz Bedenken zentraler Gläubiger an vertraglich fixierten Zustimmungsvorbehalten festgehalten haben soll, um im Zweifel Vorstandsentscheidungen ablehnen zu können.

Mifa-Gläubigerausschuss fürchtete Vetorecht

Entsprechend befürchteten die Mitglieder des Gläubigerausschusses de facto ein Vetorecht der Großaktionäre bei der Investorensuche und damit eine Gefährdung ihrer Gläubigerinteressen. Schon zuvor war es dem Vernehmen nach zum Streit um die Einsetzung des Handelsexperten Thomas Mayer als Mifa-Vorstandschef gekommen.

Ob Mayer nun weiter im Amt bleibt, gilt als fraglich. Auch einer Aufforderung der Gläubigervertreter, die Eigenverwaltung freiwillig aufzugeben, sei das Management nicht nachgekommen, heißt es intern.

Stattdessen ist nun das Gericht Claassen & Co in die Parade gefahren, hat die Eigenverwaltung gekippt und  die Kontrolle über das Verfahren primär beim Gläubigerausschuss und dem vorläufigen Verwalter Flöther angesiedelt. Unter den Gläubigern wird die Entscheidung begrüßt, zumal Flöther zu den profiliertesten und meistbestellten Insolvenzverwaltern des Landes zählt. Seine Kanzlei taucht regelmäßig im Verwalter-Ranking der WirtschaftsWoche auf. Unter anderem war Flöther bereits bei Großverfahren wie der Insolvenz des Solarmodulherstellers Sovello und der Pleite der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG im Einsatz.

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Ursprünglich sollte Mifa über einen Schuldenverzicht der Anleihegläubiger saniert werden. Die Aktienbesitzer hätten zudem zustimmen sollen, dass sie in Folge einer Kapitalerhöhung künftig nur noch ein Prozent des Unternehmens besitzen. Neuer Großaktionär wäre der indische Weltmarktführer Hero Cycles geworden, der 15 Millionen Euro investieren sollte.

Als Hero Cycles sich überraschend zurückzog, tauchte der Verdacht auf, die vermeintlichen Retter hätten andere Ziele verfolgt. So soll ein von Mifa-Aktionären in Auftrag gegebenes Gutachten dem indischen Fahrradanbieter Industriespionage vorwerfen. Demnach hätten sich die Inder im Zuge ihres geplanten Einstiegs bei der Mifa Know-how abgeguckt, das sie nun in einer neuen Produktionsstätte in ihrer Heimat einsetzen könnten.

Das Management von Hero Cycles weist das zurück. „Solche Vorwürfe werden vor Gericht keinen Bestand haben“, sagte Finanzchef Rohit Maheshwari.

Flöther hat bereits angekündigt, mögliche Schadenersatzansprüche zu prüfen. Dabei gehe es sowohl um die Spionagevorwürfe als auch um mögliche Ansprüche gegen frühere Manager von Mifa. Zunächst dürfte allerdings die Investorensuche im Vordergrund stehen.

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