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Mittelstand Der Zauber der Pampa-Formel

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China

Das gilt bisweilen auch für China. Unternehmen in China siedeln häufig dort, wo der Gründer ein Netzwerk hat. Verbindungen zum Bürgermeister oder der Provinzregierung helfen, Genehmigungen zu bekommen. Staatliche Förderungen werden eher an Bekanntschaften aus der Schulzeit, dem Studium und innerhalb der Familie vergeben.

So sitzt die Handelsplattform Alibaba von Gründer Jack Ma in der Heimatstadt Hangzhou. Das Unternehmen betreibt mit 400 Millionen Nutzern den größten Bezahldienst der Welt. Gründer von Tencent Ma Huateng hat in Shenzhen studiert, wo das Unternehmen heute sitzt. Die firmeneigene App WeChat hat über 840 Millionen Nutzer weltweit.

Ein Magnet für neugegründete Unternehmen und expandierenden Firmen sind Sonderwirtschaftszonen. Unter dem Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping bildeten sie die Basis für die wirtschaftliche Öffnung des Landes in den Achtzigerjahren. Bis heute sind die Zonen Versuchslabor für Wirtschaftsreformen aus Peking sowie für Lokalregierungen, die damit die regionale Wirtschaft ankurbeln wollen. Sie werben vor allem mit weniger Bürokratie, günstigen Grundstücken und Steuerbefreiungen.

Die erste und wohl erfolgreichste Sonderwirtschaftszone des Landes ist Shenzhen. Sie wurde vor knapp 40 Jahren in dem damals noch kleinen Fischerdorf nördlich von Hongkong gegründet. Heute leben rund 12 Millionen Menschen in der Metropole. Viele Geräte Made in China stammen hierher. Shenzhen gilt als die Hardware-Hauptstadt der Welt und hat mittlerweile das höchste Pro-Kopf-Einkommen des Landes. Die Stadt zieht durch ihre Nähe zu den Fabriken nicht nur Hersteller aus der ganzen Welt an, sondern auch Gründer und Unternehmer. In Shenzhen sitzen neben dem Riesen Tencent auch Dajiang Innovations, der Marktführer für Drohnen mit einem Marktanteil von 70 Prozent, und der Telekommunikationsausrüster Huawei.

Der Standort verleiht einem Unternehmen in China Gesicht. Je teurer der Standort, desto wichtiger die Firma. Ein großzügiges Büro hilft, neue Investoren zu gewinnen und Geldgeber zu beeindrucken. Die Unternehmen ziehen ab einer gewissen Größe häufig in die namenhaften Metropolen. Die Mietpreise in Shanghai, Shenzhen und Peking steigen aber seit Jahren jährlich um bis zu über 100 Prozent pro Jahr. Die Mitarbeiter wiederum brauchen teils mehrere Stunden, um durch den dichten Verkehr bis ins Stadtzentrum zu pendeln. Die Lebenshaltungskosten sind sehr viel höher und die Luft schlechter als auf dem Land. Deshalb verlegen zwar viele Unternehmen ihren Hauptsitz dorthin, bleiben aber mit ihrer Produktion auf der grünen Wiese.

2006 hat China ein neues Viertel für die Firmenzentralen in Peking gegründet. 57 der 500 größten Unternehmen weltweit zogen damals mit ihrer chinesischen Vertretung in den Zhongguancun Science and Technology Park im Nordwesten der Stadt. Dort drängen sich heute Start-ups und Accelerators zwischen den Klingelschildern der IT-Riesen wie Sina, Youku Tudou und Google. Heute nennt man den Stadtteil kurz das chinesische Silicon Valley.

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