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Mittelstand Warum in Ostwestfalen die meisten Weltmarktführer sitzen

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Der Verkäufer, oder wie aus OWL ein Marke wurde

Tue Gutes und rede unermüdlich, unverdrossen, immer und immer wieder mit Unternehmern, Politikern, Bürgern und Journalisten darüber. So lange, bis auch der letzte Wichtige in Stadt, Land, Bund verstanden hat, dass Ostwestfalen mehr ist als Miele, Bertelsmann und Oetker.

So praktiziert es Herbert Weber, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Region OWL, seit fast 20 Jahren werkelt er am Marketing des Netzwerkes. Zu dem nicht nur Unternehmen rund um Industrie 4.0, sondern beispielsweise auch Mode und Möbel gehören. Auch deren Chefs wollen einbezogen werden ins Regionalmarketing, schließlich ist nicht alles, was glänzt, in OWL Automatisierungstechnik.

Das sind Deutschlands wertvollste Städte
Die globale Strategieberatung Simon-Kucher & Partners erstellt seit dem Jahr 2005 ihre Bösenliga. Dafür werden die Börsenwerte der im Dax30, MDax und TecDax notierten Unternehmen erhoben und den Städten der jeweiligen Firmensitze zugeordnet. Je mehr erfolgreiche Dax-Konzerne vor Ort, desto wertvoller die jeweilige Stadt oder Region. Quelle: REUTERS
Im Ranking waren schon immer viele ländlichere Orte vertreten, so auch dieses Jahr. Beispiele sind Bad Homburg (Rang 12) mit Fresenius, Unterföhring (Rang 14) mit Firmen aus der Medienbranche, Herzogenaurach (Rang 15) mit Adidas oder Neubiberg (Rang 20) mit Infineon. Quelle: dpa
Im Gegensatz dazu vermisst man auf den vorderen Rängen einige Großstädte „Große Städte belegen in der Börsenliga nicht immer automatisch einen Spitzenplatz. Um wichtige Börsenunternehmen anzuziehen muss eine Stadt schon mehr bieten, als die reine Größe“, sagt Georg Tacke, CEO von Simon-Kucher. Das wird am Beispiel Berlin deutlich, das gar nicht erst in den Top 20 auftaucht und sich mit Platz 24 zufrieden geben muss. Quelle: dpa
Die Platzierung der Millionenstadt Köln erscheint auch nicht wirklich befriedigend. Immerhin konnte sich Köln um drei Plätze verbessern. Dank des Umzugs des Stammsitzes von Lanxess (ursprünglich in Leverkusen) näher zum Dom befindet sich die Karnevalshochburg aktuell auf dem 16. Rang, im letzten Jahr war sie noch an 19. Stelle. Quelle: dpa
Hannover hat nicht nur dank der Continental AG einen Börsenwert von 51,51 Milliarden Euro. In der niedersächsischen Hauptstadt sind gleihc vier börsennotierte Unternehmen beheimatet. Quelle: dpa
Die Bankenmetropole Frankfurt belegt trotz Deutscher Bank, Commerzbank und Deutscher Börse nur Rang neun. Insgesamt bescheren fünf Konzerne aus Dax, MDax und TecDax der Stadt einen Börsenwert von 64,62 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Ein Schwergewicht, welches in den letzten Jahren immer unter den ersten dreien war, hat in diesem Jahr stark an Boden verloren: SAP, und mit ihm Walldorf. Die IT-Stadt ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Plätze auf Rang acht gerutscht. Quelle: dpa

Weber und seine Mitstreiter haben es aber geschafft, dass der Ausdruck „Spitzencluster OWL“ Deutschlands Ingenieuren ein Begriff ist, auch wenn von denen wohl nur wenige auf Anhieb Detmold, Oelde oder Verl auf der Landkarte fänden. Weber, gebürtiger Osnabrücker, alert und geschmeidig, hat Vision und Mission: „OWL soll eine der wettbewerbstärksten Regionen Europas werden“, sagt er. „Früher wurde hier über diese Idee noch gelächelt.“ Um OWL zur Marke zu machen, bedient sich Weber am Werkzeugkasten guter Wirtschaftsförderer. „Seit vielen Jahren holen wir Unternehmen, Hochschulen und Kulturträger mit dem Argument ins Boot, dass sie höchstselbst profitieren, wenn die Attraktivität der Region steigt.“

Aus dem Wortungetüm Ostwestfalen-Lippe wurde das Markenzeichen „OWL“; die sperrige Clusterbezeichnung „Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe“ verkürzten Marketingprofis aufs englische „it’s OWL“. Das rote Logo ist allgegenwärtig auf Kulturplakaten und den Broschüren der Wirtschaftsförderung. Es hat sich in Klein eingeschlichen auf dem Briefpapier vieler Unternehmen und buhlt in Riesenlettern um Aufmerksamkeit auf Messeständen in Hannover, Finnland, China oder dem Silicon Valley.

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Doch Westfalen auf ihre Heimat einzuschwören steigert noch nicht die nationale oder gar europäische Bekanntheit. Dafür muss Weber die Chefs der heimischen Weltmarkführer ins Boot holen. So wie Peter Köhler, Chef der Detmolder Weidmüller-Gruppe und Vorsitzender des Industrial Affairs Committee des Arbeitgeber-Dachverbands Business Europe. Der warb erst Anfang Juni mit Weber in Brüssel auch für OWL.

Nur eines steht dem PR-Erfolg der Westfalen noch im Weg: der Westfale an sich. Oder wie es Weber ausdrückt: „Die Menschen hier leisten viel, aber reden zu wenig über ihre Erfolge.“ Aber das macht ja er.

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