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Mittelstand Die Angst vor der Umwandlung

Die europäische Rechtsform (SE) sorgt bei vielen Mittelständlern für Schrecken. Doch einige wenige profitieren von ihr. So zum Beispiel der Spezialschlauchersteller Masterflex.

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Masterflex-Vorstandschef Andreas Bastin:

Düsseldorf BASF hat es getan, die Allianz und jüngst Bertelsmann, dazu eine ganze Reihe von deutschen Mittelständlern: die Umwandlung des Unternehmens in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE). Die Gesellschaftsform nach europäischem Recht hat viele Vorteile, wie das Beispiel des Spezialschlauchanbieters Masterflex zeigt.

Das Unternehmen aus Gelsenkirchen im Ruhrgebiet will die Umfirmierung zu einer SE im September vollziehen und verspricht sich einiges davon: "Wir wollen in Europa und auch anderen Regionen der Welt expandieren", sagt der Vorstandsvorsitzende Andreas Bastin. Mit dem SE-Mantel ließen sich die Kapitalmärkte leichter überzeugen, die dafür notwendigen Investitionen zu finanzieren. Denn nicht alle Firmen sind wie Masterflex eine Aktiengesellschaft. Deutsche Rechtsformen wie die einer GmbH & Co. KG gelten jenseits der Landesgrenzen als kompliziert und undurchschaubar. "Eine SE müssen Sie nicht extra erklären", sagt Bastin.

Doch wer glaubt, Masterflex reite auf einer Welle von Umfirmierungen deutscher Mittelständler, wird enttäuscht: Seit 2004 gibt es die Rechtsform, und nach jüngsten Daten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben sich gerade mal gut 100 deutsche Firmen dafür entschieden, in Europa als Societas Europaea (SE) aufzutreten. Rund 85 Prozent davon sind Mittelständler.

"Das hat sich bislang nicht durchgesetzt", sagt Christian Rödl, Steuerrechtsexperte der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Die Resonanz sei für ihn "enttäuschend". Und das, obwohl viele mittelständische Firmen stark im Ausland unterwegs sind und eine SE "Internationalität und Weltoffenheit signalisiert", wie es Rödl formuliert.

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    Die Gründe für die geringe Akzeptanz der SE sind vielschichtig und haben auch was mit dem Bauchgefühl zu tun, gerade bei Mittelständlern. "Es ist für viele doch etwas Fremdes", sagt Rödl. Die SE sei eine komplexe Rechtsform mit mehreren Ebenen. "In der Anfangsphase ist es nicht einfach, sich zurechtzufinden", gibt Rödl zu. Größere Probleme seien in der Praxis aber bislang nicht aufgetaucht. "Der Bedarf ist anscheinend nicht so groß."

    Für Roland Köstler, Unternehmensrechtsexperte der Hans-Böckler-Stiftung, überwiegen die Vorteile nicht in jedem Fall den Aufwand: "Sie brauchen Berater, es entstehen Kosten, und Sie wissen nicht, ob es sich überhaupt lohnt." Viele Firmen seien mit ihrer Gesellschaftsform zufrieden und könnten auch als AG oder GmbH "problemlos ihre Produkte von hier aus verkaufen". Für Unternehmen mit rein regionalem Wirkungsbereich sei die SE ohnehin nichts.

    Dabei schneidet Deutschland im europäischen Vergleich sogar noch gut ab. Gerade mal 214 Firmen mit mehr als fünf Mitarbeitern haben es binnen acht Jahren innerhalb der EU zu einer SE geschafft; deutsche Unternehmen stellen davon knapp die Hälfte. Doch im Vergleich mit den weit über 6 000 Aktiengesellschaften im Land oder selbst zu den 950 börsennotierten Firmen ist das ein verschwindend geringer Prozentsatz.


    "SE müsste eigentlich viel beliebter sei"

    Das sieht inzwischen auch die EU-Kommission so. Verbesserungen verzögern sich aber. Seit vier Jahren liegt ein Vorschlag für ein vereinfachtes Verfahren auf dem Tisch, das sich an kleinere Firmen richtet. Sie sollen den Status einer European Private Company (SPE) erwerben können, einem europäischen Pendant zur deutschen GmbH. Doch bislang konnten sich die Mitgliedsstaaten nicht zu einer Einigung durchringen.

    Doch schon die jetzige SE "müsste eigentlich viel beliebter sein", sagt Rödl, "gerade für mittelständische Familienunternehmen". So könne der Firmenchef bei diesem Modell, das sich am angelsächsischen Board-Prinzip orientiert, als Verwaltungsratschef eine starke Rechtsposition behalten, die der eines GmbH-Alleingesellschafters entspreche. Auch lässt sich wie bei Bertelsmann der Kapitalmarkt anzapfen, ohne die Macht der Eigentümerfamilie zu schmälern. Der Medienriese firmiert neuerdings als SE & Co. KGaA, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Diese Konstruktion kann der Konzern zum Beispiel für einen Börsengang nutzen. Die Aktionäre werden an den Vermögenswerten beteiligt und verdienen am Firmenerfolg mit. Die Entscheidungen fallen aber in der SE, die vom Bertelsmann-Vorstand gesteuert wird.

    Es gibt noch andere Gründe für die Umfirmierung, über die meist nicht so gern gesprochen wird. "Für Familienunternehmen ist die Gesellschaftsform interessant, weil sie unabhängig von ihrer Größe keine Mitbestimmung fürchten müssen", sagt Köstler. Denn die ist im Gegensatz zu Deutschland in einer SE nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Mitbestimmung wird zwischen Firma und Belegschaft ausgehandelt. Was beschlossen wurde, gilt für die Folgejahre, selbst wenn die Unternehmen so stark wachsen, dass sie als deutsche Kapitalgesellschaften verpflichtet wären, Arbeitnehmervertreter in die Kontrollgremien zu entsenden. Hinzu kommt, dass sich durch die SE der Firmensitz leichter ins Ausland verlagern ließe, weil die Rechtsform anerkannt ist.

    Gewichtige Argumente, nicht aber für Masterflex: Die Zentrale soll in Gelsenkirchen bleiben; mit rund 120 Mitarbeitern in der AG und 485 weltweit ist die Firma ohnehin nicht mitbestimmungspflichtig. Aber neue Märkte will sich der nach eigenen Angaben größte deutsche Spezialschlauchhersteller für den Maschinenbau und die Auto- und Flugzeugindustrie erschließen, vorzugsweise in Asien. "Auch in Südeuropa haben wir noch große weiße Flecken", sagt Vorstandschef Bastin. Irgendwann will die 1987 aus dem Zusammenschluss mehrerer Familienunternehmen gebildete Masterflex zum globalen Marktführer aufsteigen - dann in der Rechtsform einer SE.

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