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Mittelstand Ein Kies-Unternehmer mit grüner Agenda

Ein See in einer ehemaligen Kiesgrube in Bayern. Quelle: imago images

Wie ein norddeutscher Baustoffproduzent seine CO2-Spur minimiert und damit im Streit um den Kiesabbau Pluspunkte sammelt.

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Mit Kiesabbau Freunde zu gewinnen, ist in Deutschland nahezu unmöglich. Wo immer ein Unternehmen Abbau-Pläne vorlegt, ist Widerstand von Umweltschützern und Anwohnern garantiert: Demonstrationen, hitzige Bürgerversammlungen, juristische Klagen – das volle Anti-Programm. Jan-Henrik Meyer findet das durchaus nachvollziehbar: „Ein Abbau über 30 Jahre ist ja ein erheblicher und folgenreicher Eingriff in die Natur und in die Landschaft. Und nachher rollen die Lkw Tag und Nacht.“ Meyer sagt, er könne „die Anwohner verstehen“ – und auch die Landwirte, die Anbauflächen verlieren und sich um steigende Pachtpreise sorgen.

Meyer ist aber kein Aktivist aus der Umwelt- und Klimaszene, sondern ein Profiteur des Kiesabbaus. Gemeinsam mit seinem Vater führt der 30-Jährige die Heinrich Meyer GmbH, in deren Chefetage der Kfz-Mechatronik-Meister und Betriebswirt 2017 aufrückte. 80 Mitarbeiter, 50 Lkw, sechs Standorte, über elf Millionen Euro Jahresumsatz – ein Unternehmen, das im deutschen Wirtschaftsleben nur anonym als „Mittelstand“ Erwähnung findet, im regionalen Umfeld rund um das nordrhein-westfälische Petershagen aber zu den wirtschaftlich relevanten Größen zählt.

Elf Jahre brauchten die Kies-Unternehmer aus dem Weserbergland, bis sie im Frühjahr 2017 im Petershäger Ortsteil Ilse mit der Kies-Förderung beginnen konnten. Natürlich nur unter Auflagen: So darf nur werktags gebaggert werden – nicht vor sechs und nicht nach 18 Uhr. 30 Jahre später soll aus der Kiesgrube ein See werden, der zum Teil dem Angeln und Baden und anderem Freizeitspaß dient. Ab dem Jahr 2047 also. Gegner der Kiesgrube müssten schon sehr langfristig denken, um sich von diesen Plänen beschwichtigen zu lassen. Und Seen gibt es in der sand- und kiesreichen Gegend ohnehin schon genug.

Meyer jr. hat die Debatten aus nächster Nähe miterlebt. Er sorgt sich ums Klima wie andere Bürger auch in den Zeiten der Erderwärmung, steht aus Sicht der Kritiker aber stets auf der anderen Seite. Damit will er sich nicht abfinden.

Zusätzlich beginnt er vor zwei Jahren darüber nachzudenken, wie das Unternehmen seine wachsenden Energiekosten in den Griff kriegen kann. Eine erste Idee – eine Windkraftanlage zu errichten – verwerfen Sohn und Vater. Zum einen hätte ein Windrad einen hohen Anteil seiner Energie dann gewonnen, wenn die Maschinen des Kieswerks sie kaum brauchen, nämlich im Winter und nachts. Und zusätzlichen Gegenwind hätte der Riesenpropeller bei den Petershagenern vermutlich auch ausgelöst.

Die zweite Idee – einen Solarpark zu bauen – realisiert das Unternehmen schließlich. Stolz steht Meyer jr. deshalb heute neben einer 1,5 Hektar großen Anlage von Solarmodulen, die die Maschinen in der 30 Hektar großen Ilse-Grube seit einigen Wochen mit Energie versorgt. Solaranlagen bei der Nachnutzung von Kiesgruben – also nach deren Ausbeutung – gibt es zwar häufiger. Sonnenenergie aber zur Versorgung eines über drei Jahrzehnte laufenden Abbaubetriebs zu nutzen, damit zählt das Unternehmen aus dem Norden Nordrhein-Westfalens strategisch und technisch zu den Vorreitern der Branche.

Der Jungunternehmer treibt die Idee seit 2017 lang voran. Widerstände aus Bevölkerung und Politik gibt es kaum. Nur zwei Jahre dauern Planung und Bau. 650.000 Euro investiert das Unternehmen in Technik und Errichtung des Solarparks. Meyer vertraut dabei auf die Erfahrung von F&S Solar aus Euskirchen bei Köln – ein Unternehmen, das international auch weit größere Solarkraftwerke plant und baut, etwa den Solarpark Montecristi in der Dominikanischen Republik mit 200 Hektar Fläche.

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Im Oktober 2019 geht Meyers Anlage termingerecht ans Netz. Nun zeigt sich, dass die Planung auch betriebswirtschaftlich aufgeht. Von den 700.000 Kilowattstunden Strom, die der Kiesabbau in Ilse verbraucht, liefern die Solarmodule die Hälfte. Weitere 400.000 Kilowattstunden produzieren sie außerhalb der Betriebszeiten für das Stromnetz. Dank Einsparung und Einspeisevergütung wird Meyer die Investition in gut sieben Jahren wieder raus haben. Der junge Unternehmer wundert sich, „warum das vorher noch keiner in der Branche gemacht hat.“ Man brauche nur genug Fläche – und die habe jedes Kieswerk, aber eben auch manch anderer Betrieb.

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