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Mittelstand Maschinenbauer tricksen Chinesen aus

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Förderungswürdige Branche

SMT-Scharf-Chef Trautwein im Führerstand einer Bergwerkslok Quelle: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche

Laut VDMA-Studie lockert China etwa die strenge Währungskontrolle, um Investitionen in ausländische Märkte anzukurbeln. Die Export Import Bank of China steuert günstige Kredite für Exportfinanzierungen bei. Auch Teile seiner gewaltigen Devisenreserven setzt das Land zu diesem Zweck ein. Dabei erhalten chinesische Unternehmen Subventionen für den Kauf technologieintensiver ausländischer Hersteller.

Der Maschinenbau steht auf der Liste der aus Pekinger Sicht förderungswürdigen Branchen. Die Offensive hat Folgen – betroffen sind vor allem deutsche Hersteller, die bislang gut mit chinesischen Kunden verdient haben. Sie müssen, zu dem Fazit kommt die VDMA-Studie, jetzt Abwehrmaßnahmen gegen Konkurrenten ergreifen, die mitunter gleichzeitig zu ihren besten Abnehmern zählen.

Wartung statt Verkauf

Der Schwermaschinenbauer WaldrichSiegen aus dem Örtchen Burbach im nordrhein-westfälischen Teil des Siegerlands reagiert auf die Bedrohung. Er verändert sein Geschäftsmodell für den chinesischen Markt, um die dortigen Konkurrenten abzuschütteln.

In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen durchschnittlich die Hälfte des Umsatzes mit China-Exporten erzielt. Vor allem die boomenden Stahlwerke des Riesenreichs – wie das staatliche Konglomerat Shanghai Baosteel oder das börsennotierte Unternehmen Wuhan Iron and Steel – sind dankbare Abnehmer der präzisen Großapparate. Die schleifen Stahlwalzen so fein, dass sie sogar dünnste Bleche etwa für Autotüren ausspucken können. Bisher profitierte das Unternehmen wie viele andere deutsche Spezialisten vom industriellen Nachholbedarf Chinas. Mittlerweile gibt es dort aber Konkurrenten, die ebenfalls Schleifmaschinen für Stahlwalzen bauen können.

„Bei Präzision und Zuverlässigkeit ist WaldrichSiegen führend, preislich haben jedoch chinesische Anbieter einen klaren Vorteil“, sagt Geschäftsführer Dietmar Weiß. Die chinesischen Maschinen seien bisweilen um die Hälfte billiger, in den Preiswettbewerb einzutreten ergebe daher keinen Sinn. Weiß hat sich deshalb entschieden, die Strategie in China zu ändern. Statt nur hochwertige neue Maschinen zu verkaufen, will WaldrichSiegen sich auf die Modernisierung älterer Aggregate konzentrieren. „Unsere Kunden arbeiten zum Teil mit Maschinen, die bis zu 25 Jahre alt sind“, sagt Geschäftsführer Weiß. Diese überholen und modernisieren zu lassen komme sie billiger, als neue Maschinen aus chinesischer Fertigung zu kaufen. Zu diesem Zweck baut WaldrichSiegen nun einen Stützpunkt in Jiaxing, in der Nähe der Küstenmetropole Shanghai.

Nicht wehren können sich die Siegerländer allerdings dagegen, dass sich einst treue Kunden des deutschen Maschinenbaus zu Wettbewerbern entwickeln. Die Shanghai-Machine-Tool-Gruppe etwa kauft gern die Fräsmaschinen von WaldrichSiegen. Der größte chinesische Maschinenbauer setzt sie etwa dazu ein, um Walzenschleifmaschinen für Stahlwerke zu bauen.

Damit erhält WaldrichSiegen plötzlich Konkurrenz von seinem Abnehmer. Ähnliches passiert den Siegerländern mit einem alten Bekannten, dem Staatskonzern Beijing No. 1 Machine Tool Plant. Der kaufte 2005 das Schwesterunternehmen WaldrichCoburg und expandiert nun ebenfalls auf dem chinesischen Markt.

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