WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Mittelstand Maschinenbauer tricksen Chinesen aus

Seite 4/4

Kleben statt Schrauben

Dieter Manz Quelle: Martin Wagenhahn für WirtschaftsWoche

Deutsche Unternehmen machen oft die Erfahrung, dass chinesische Partner oder Wettbewerber illegal abkupfern. Dagegen wehren sich gerade die tapferen Tüftler des Maschinenbauers Manz aus Reutlingen in Baden-Württemberg mit ein paar einfachen, aber wirksamen Tricks.

Manz liefert unter anderem Anlagen an Hersteller von Solarzellen. Die sensiblen Geräte können Glasplatten von der Fläche eines Garagentors sicher greifen, selbst wenn diese nur Bruchteile von Millimetern dünn sind. Die erstaunliche Fähigkeit ist durch eine Vielzahl von Patenten geschützt. Trotzdem musste Manz sich Kniffe gegen Kopierer einfallen lassen.

Patentanmeldungen in China
Chinesische Flagge Quelle: dpa
Sony-Gebäude Quelle: dpa
Amerikanische Flagge Quelle: dpa
Kia-Logo Quelle: Reuters
Ein Schild mit der Aufschrift "Patent" liegt auf mehreren Brokkoli Quelle: dpa
Produktionsband der Firma Heineken Quelle: Reuters
Eiffelturm

So kleben die Schwaben Bauteile immer häufiger zusammen, statt sie zu schrauben. Potenziellen Plagiatoren fällt es dann nicht mehr so leicht, die Geräte auf der Suche nach technischen Details zu zerlegen. Ersatz für defekte Teile gibt es meist nur noch, wenn die Kunden Geräte an den Hersteller zurückgeben. Auf diese Weise will Manz verhindern, dass Baugruppen in dunklen Kanälen versickern.

„Komplett abstellen lässt sich der Nachbau unserer Produkte aber nicht“, sagt Unternehmensgründer Dieter Manz. Seine Ingenieure bringen daher in immer kürzeren Abständen modernere Geräte auf den Markt, um die Plagiatoren alt aussehen zu lassen. Vom chinesischen Markt abschrecken lässt sich Manz deswegen nicht. Im Werk in Suzhou nahe der Industrie- und Finanzmetropole Shanghai bauen derzeit 400 Mitarbeiter Maschinen für die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanelen zusammen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Sensibler Bau von Prototypen bleibt in Deutschland

Im Mai eröffnet Manz dort rechtzeitig zum Start der internationalen Solarmesse SNEC zusätzliche Fertigungshallen mit 16 000 Quadratmeter Fläche, sodass die Zahl der Mitarbeiter auf 700 steigen wird. Der Standort soll dann in Serienfertigung durchschnittlich zehn Maschinen pro Woche ausstoßen, wobei der sensible Bau von Prototypen in Deutschland bleibt.

Dem Druck chinesischer Konkurrenten weicht Manz auch aus, indem das Unternehmen Abnehmer in neuen Märkten sucht. „Unsere Kunden stammen längst nicht mehr allein aus der Solarindustrie“, sagt Vorstandschef Manz. So kommen seine Maschinen auch bei der Fertigung von Monitoren für TV-Geräte und Computer sowie von berührungsempfindlichen Bildschirmen für Smartphones und Flachrechner zum Einsatz. Zu so viel Flexibilität sind chinesische Hersteller nicht in der Lage – noch nicht.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%