Mittelstand Mit Freelancern gegen den Fachkräftemangel

Weil Fachkräfte fehlen, entgehen dem deutschen Mittelstand Milliarden. Freiberufler könnten so manche Lücken stopfen. Warum die Unternehmen trotzdem nur vereinzelt mit Freelancern zusammenarbeiten.

Freelancer statt Fachkräftemangel im Mittelstand Quelle: Getty Images, Montage

„Mittelstand beklagt fehlende Bildung der Azubis“, „Nachwuchswerbung: Mittelstand hat es schwer“ oder „Jeder vierte Mittelständler hat Probleme mit einer geeigneten Nachfolge“. Schlagzeilen wie diese zeichnen ein klares Bild: Egal ob Auszubildender, Fachkraft oder künftiger Chef, Deutschlands Mittelständler sorgen sich ums Personal.

Zwei Entwicklungen machen Unternehmen zu schaffen: die Digitalisierung und der Fachkräftemangel. Dabei beißt sich die Katze in den Schwanz: Denn nicht nur, dass der Programmierer in Rente geht und einfach niemand nachrückt – es entstehen auch im Minutentakt neue Anforderungen. Universitäten und Fachhochschulen kommen mit dem Ausbilden kaum noch hinterher.

Die zehn besten deutschen Mittelständler

Während große Unternehmen mit attraktiven Karrieremöglichkeiten und großen Werbeetats im Rennen um die besten Köpfe bessere Chancen haben, bekommt der Mittelstand den Mangel besonders zu spüren. Das zeigt das aktuelle Mittelstandsbarometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Freiberufler wenig verbreitet

Mehr als die Hälfte sieht die Entwicklung des eigenen Betriebs bedroht, weil zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Laut EY entstehen dadurch Umsatzeinbußen von 36,5 Milliarden Euro pro Jahr, weil Aufträge nicht fristgerecht erledigt oder erst gar nicht angenommen werden können.

Eine Möglichkeit, Fachkräfteengpässe und Planungsunsicherheiten zu umgehen, kann der Einsatz von Freiberuflern sein. Doch viele Unternehmen zieren sich: Laut einer Umfrage des Personaldienstleister Hays und dem Marktanalyseunternehmen PAC unter 225 Fachbereichsleitern in mittleren und großen deutschen Unternehmen setzen nur zehn Prozent externe Mitarbeiter ein, die sie bei sich verändernden Bedingungen ganz einfach wieder loswerden könnten. 16 Prozent sagen sogar, dass der Einsatz von Freelancern ihnen zwar helfen könnte, ihre Probleme zu lösen - beauftragt habe man aber trotzdem keine.

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS
Platz 23: Emka BeschlagteileDie Emka Beschlagteile GmbH stellt Komponenten für industrielle Schränke und Gehäuse her. Heute fertigt das 1932 in Velbert bei Düsseldorf gegründete Unternehmen weltweit an acht Standorten. Branche: Verschlusstechnik Mitarbeiter 2012: 1400 Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 42,99/230,00 durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 18,26 Prozent Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1000,5 Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer Quelle: Presse
In der Produktion von Bitzer Quelle: Presse
Das Firmengelände von Pöschl Tabak. Quelle: Pöschl Tabak GmbH & Co. KG Geisenhausen
Messestand von Mapal. Quelle: Presse
Prüfung eines Stufenschalters im Test Center Regensburg. Quelle: Presse
Viega führt das wirtschaftliche und sichere System „Geopress K“ in den Markt ein. Quelle: Presse
Vakuumbeschichtung. Das Bild zeigt die Carrier in geöffnetem, beladenem Zustand. Quelle: Presse
Granulate werden der Fluidproduktion direkt zugeführt. Quelle: Presse
Der MechaTron® LQ S von Schenck Process Quelle: Presse
Wintergerste Quelle: Presse
Koffer Quelle: Presse
Standort der SICK AG in Waldkirch Quelle: Presse
Screenshot der Internetseite von Rosenberger Quelle: Screenshot

Michael Moser kennt die Gründe für die Zurückhaltung. „Der Mittelstand kennt die Beschäftigungsform des Freiberuflers weniger“, sagt der Geschäftsführer der auf IT- und Engineering-Freelancer spezialisierten Personalagentur Gulp. „Große Unternehmen arbeiten hingegen seit Jahren mit Freelancern zusammen.“ Laut Moser arbeitet nur rund jeder fünfte Freiberufler für kleine Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern. „Dieser Wert schwankt immer ein wenig, die Tendenz ist aber steigend.“ Zum Vergleich: Die Hälfte der Freelancer arbeitet bei größeren Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern. Die Kleinen haben Nachholbedarf.

Je größer ein Unternehmen ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass es Freelancer einsetzt. „Wir beschäftigen Freiberufler, wenn interne Kapazitäten so ausgelastet sind, dass wir Aufträge oder Zuarbeiten extern vergeben“, sagt Frank Jordan aus der Personalabteilung von Phoenix Contact aus Blomberg. „Teilweise holen wir uns damit auch Experten-Know-how an Bord.“ Zudem sei in der Weiterbildung die Besetzung der Referentenplätze mit Externen eine gewohnte Praxis.

Wo der Mittelstand sein Geld anlegt

Mit seinen weltweit 14.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro gehört der Automatisierungsspezialist zu den größeren mittelständischen Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit Freelancern ist hier keine Seltenheit – aber nicht in jedem Bereich. „Wir beschäftigen Freiberufler im IT- und Web-Umfeld, im Bereich Werbung und Gestaltung sowie im Bereich Recht“, sagt Personaler Jordan. „Finanzen, Entwicklung und Vertrieb sind Bereiche mit hoher Vertraulichkeit, deswegen werden hier keine Freelancer eingesetzt.“

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