Mittelstand und Digitalisierung „Der Mittelstand kann gegen Amazon bestehen“

Der legendäre Berater Hermann Simon verlieh vor einem Vierteljahrhundert den deutschen Mittelständlern ihren Nimbus als „Hidden Champions“. Hier erklärt er, was die versteckten Weltmarktführer jetzt tun können, um im digitalen Plattformkapitalismus nicht unter die Räder zu kommen.

Das war der Digital Champions Award 2017
Digital Champions Award Roboter Pepper Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Der Telekomgeschäftsführer Businesskunden Hagen Rickmann eröffnet die Preisverleihung. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche und Jurorin beim DCA, lobt noch einmal alle Einreichungen. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Die Spannung steigt im Atrium der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Laudatorin Eva Jagalla und die Preisträger „Digitales Kundenerlebnis“ von Rödl & Parter Andreas Kienast, Ingo Wolf und Martin Wambach. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Gerrit Schumann, Chief Digital Officer der Verlagsgruppe Handelsblatt, hält die Laudatio auf TAKKT. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Gewinner der Kategorie „Digitale Prozesse und Organisation“ ist TAKKT. Franziskus Josten, Dr. Felix Zimmermann, Peter Bruhn, Dr. Christian Warns. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Laudator Walter Brenner von der Universität St. Gallen. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
In der Kategorie „Digitale Produkte und Dienstleistungen“ gewinnt Endress+Hauser Messtechnik. Anja Krump, Philippe Metzger, Dr. Monika Heisterkamp, Dr. Einar Möller und Alfred Teusel. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Laudator Hagen Rickman mit den Preisträgern in der Kategorie „Digitale Transformation Mittelstand“: Haufe Gruppe. Gerhard Manz, Nicole Packhaeuser und Hille Kück. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Wladimir Klitschko spricht mit Telekom-Geschäftsführer Hagen Rickman und Moderatorin Esther Sedlaczek über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Den Sonderpreis für sein Lebenswerk erhält Dr. Jörg Mittelsten Scheid von Vorwerk. (Gerrit Schumann, Vivica Mittelsten Scheid, Jörg Mittelsten Scheid, Miriam Meckel, Hagen Rickmann) Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Der „Digitalisierungsmacher“ Jörg Mittelsten Scheid wird für sein Lebenswerk bei Vorwerk geehrt. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Die begehrte Trophäe: der Digital Champions Award. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Gruppenbild aller Gewinner und Juroren. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Leider nicht gewonnen, aber trotzdem stolz. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
Der Abend klingt bei Livemusik und Dinner aus. Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Online: Alle reden von der Industrie 4.0. Wäre die vollständige Vernetzung von Angebot und Nachfrage das Ende von Unternehmen und damit das Ende von unternehmerischer Verantwortung und Innovation?
Hermann Simon: Nein, das halte ich für falschen Alarm. Zwar haben Sie Recht, dass die Vernetzung in vielen Fällen Unternehmensgrenzen verschwinden lässt und zu stärkerer Integration führen kann. Zum Beispiel könnten Zwischenhändler wegfallen, weil der Datenfluss vom Kunden direkt an den Hersteller fließt. Der anschwellende Datenstrom entlang der Wertschöpfungskette kann aber in genauso vielen Fällen zu stärkerer Arbeitsteilung führen, wodurch neue Unternehmen entstehen.

Zur Person

Wie das?
Vielleicht stellt ein Konzern dank der nun zur Verfügung stehenden Produktions- und Nachfragedaten fest, dass bestimmte Aufgaben billiger oder besser von einem externen Dienstleister erledigt werden können. An diesen vergibt er dann Aufträge, statt es selber zu machen.

Kommt dadurch eine neue Welle des Outsourcing, also der Ausgliederung von Aufgaben an Zulieferer, verbunden mit der Entlassung von Mitarbeitern?
Ich glaube nicht, dass die Entwicklung nur in eine Richtung geht, eher in beide. Vielleicht kann uns die digitale Transparenz sogar bei der Suche nach der optimalen Größe von Unternehmen helfen. Auf jeden Fall ermöglicht sie ganz neue Formen, Produkte und Preise zu gestalten. Lkw-Reifen des Herstellers Michelin halten 25 Prozent länger als die der Konkurrenz. Auf herkömmlichen Märkten kann Michelin jedoch keine 25-prozentigen Preiszuschläge verlangen. Dank digitaler Datenerfassung profitiert Michelin trotzdem von seiner besseren Qualität: Das Unternehmen rechnet beim Kunden jetzt für die Kilometerleistung jedes Reifen ab, die direkt am Fahrzeug gemessen wird. Dadurch steigt der Umsatz, wenn der Reifen länger hält. Früher war es genau anders herum. Michelin ist vom Reifenlieferanten zum Mobilitätsversorger geworden.

Davon hat ja sogar der Kunde etwas.
Ein ähnliches Beispiel ist der Windradhersteller Enercon. Er verdient nur dann, wenn seine Anlagen tatsächlich Strom erzeugen, was an der Laufleistung jedes einzelnen Windrads gemessen wird. So nimmt der Hersteller dem Kunden einen Teil des Risikos ab. Bleibt es windstill, verdient Enercon weniger. Das Beispiel zeigt, dass Digitalisierung allein noch kein Fortschritt ist. Zusätzlich braucht es eine ausgefeilte Sensorik, also Messtechnik. Ich bin auf einem Bauernhof in der Eifel aufgewachsen, dort wurde der Wasserverbrauch jedes Hofes pauschal pro Kopf der auf dem Hof lebenden Menschen und Kühe gemessen. Wer Wasser sparte, hatte also nichts davon, während Verschwendung nicht durch höhere Kosten bestraft wurde. Das änderte sich erst mit der flächendeckenden Installation von Wasserzählern in den 1950er Jahren.

Macht die Digitalisierung aus Angestellten Einzelunternehmer?
Gut möglich, denn Kosten und Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters lassen sich dank neuer Datentechnik genauestens messen. Trotzdem werden wir noch in Teams oder Abteilungen arbeiten, und nicht nur als Einzelkämpfer. Seltene Spezialisten werden auf diese Weise vielleicht merken, dass sie viel mehr verdienen können, wenn sie sich selbständig machen.

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