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Mittelstand und Digitalisierung „Der Mittelstand kann gegen Amazon bestehen“

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„Größe allein ist kein Erfolgsrezept“

Sind große oder kleine Unternehmen besser?
Großunternehmen können scheitern, wenn sie nicht mehr führbar sind und ihre Chefs die Mitarbeiter nicht mehr motivieren können. Das weltgrößte Unternehmen ist die US-Supermarktkette Walmart mit 2,3 Millionen Mitarbeitern weltweit. Walmart funktioniert trotz seiner Größe nur, weil die einzelnen Supermärkte in den unterschiedlichen Ländern dezentral geführt werden, die Filialen also vieles selbst entscheiden können.

Die innovativsten deutschen Mittelständler

Anders gefragt: Sind mittelständische Unternehmen zu klein, um im Wettbewerb mit Konzernen zu bestehen?
Größe allein ist kein Erfolgsrezept. Bei der Entscheidung, was ein Unternehmen selbst macht und was es bestellt, zählen Kontrolle und Effizienz. Die bekannte Schreibwarenmarke Faber-Castell etwa betreibt eine eigene Holzplantage in Brasilien, 100 Quadratkilometer groß, ein Riesenaufwand für einen Rohstoff, den man sich eigentlich auch leicht von Spezialisten liefern lassen könnte. Das hat Faber-Castell lange Zeit auch getan. Doch das Unternehmen lernte, dass es sehr wichtig ist, die Qualität des Holzes selbst kontrollieren zu können. Nur so lassen sich die jährlich rund zwei Milliarden Bleistifte in gleichbleibender Qualität herstellen. Und der Spülmaschinenhersteller Miele etwa fertigt seine Steuerungen selber, statt sie beim Standardzulieferer Diehl zu kaufen. Deshalb sind Mieles Geräte eben anders als die der Konkurrenz.

Großkonzerne dagegen zwingen mit ihrer Marktmacht kleine Zulieferer, Rohstoffe oder Teile stets in der gewünschten Qualität zur Verfügung zu stellen. So kann Kontrolle auch funktionieren.
Die Konzerne bewegen sich damit auf dünnem Eis. Am Konflikt zwischen Volkswagen und seinem Zulieferer Prevent haben wir erst kürzlich gesehen, dass die vermeintlich totale Kontrolle ein Trugschluss ist. Die Kleinen merken sehr schnell, wenn die großen Markenhersteller von ihnen abhängig werden und drehen den Spieß zuweilen geschickt um. Dann wird Outsourcing plötzlich teuer.

Das war das Vorabend-Event in Schwäbisch Hall
Veranstaltungsort war, wie im letzten Jahr, die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Konnten die CEOs damals "Op Art, Kinetik, Licht" bewundern, waren beim geselligen Abend-Event 2017 "Wasser, Wolken, Wind" zu betrachten: Die Sammlung Würth präsentierte ihre Werke zum Thema "Elementar- und Wetterphänomene". Über 200 Gemälde, Druckgraphiken, Collagen, Zeichnungen, Fotografien, Videoarbeiten, Installationen und Skulpturen namhafter internationaler Künstler wurden ausgestellt. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Kunst regt zu Diskussionen an: Robert Friedmann (Würth, links) und Thomas Fischer (Aufsichtsratsvorsitzender Mann+Hummel) im Gespräch. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Thomas Fischer Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Das Vorabendevent war gut besucht. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Der stellvertretende Chefredakteur der WirtschaftsWoche Oliver Stock (l) begrüßt Martin Kind, Geschäftsführer der gleichnamigen Hörgeräte-Kette und Geschäftsführer von Hannover 96. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
Begrüßung durch Dr. Walter Döring, den ehemaligen baden-württembergischen Wirtschaftsminister... Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche
...und Inhaber der Akademie Deutscher Weltmarktführer. Quelle: Sebastian Muth für WirtschaftsWoche

Machen die Digitalisierung und das Internet Mittelständler platt?
Sicher gibt es viele Opfer der Digitalisierung und des Internets, momentan vor allem der lokale Einzelhandel. Trotzdem entstehen dank der neuen Technologien auch immer wieder neue kleinere Anbieter. In der Nähe meines Heimatorts in der Eifel gibt es einen Möbelmarkt, auf den ersten Blick ein wahrscheinliches Opfer des Internets. Der Chef jedoch hat die Not zur Tugend gemacht und sich eine Webseite mit dem einschlägigen Namen moebelguenstiger.net gesichert. Heute macht er 50 Millionen Euro Umsatz, früher waren es fünf.

Nicht jeder Mittelständler kann zu einem zweiten Amazon werden.
Nein, aber der Mittelstand kann gegen Amazon bestehen. Neben der Dominanz der großen Plattformen gibt es immer noch Raum für kleinere Anbieter. Der Matratzenhändler Casper hat sich in einem von großen Handelsketten dominierten Markt nach oben gearbeitet, weil er den Kunden den lästigen Transport abgenommen hat. Die Matratzen sind so gebaut, dass sie gerade noch in das größte Standardpaket der großen Paketdienste wie UPS hineinpassen. Die Internetbestellung wird direkt vom Hersteller nach Hause geliefert, ohne dass es ein teures Filialnetz braucht.

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