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Mittelstand Vertrauen in Banken fehlt

Bestätigt durch die Erfahrungen in der Krise, verabschieden sich immer mehr Unternehmer von den Banken. Die Wut auf das Kreditgewerbe beflügelt die Fantasie bei der Geldbeschaffung.

Ein Kundenberater der Sparkasse und ein Kunde geben sich nach einem Vertragabschluss die Hand Quelle: dpa

Wilfried Mocken will seine Ruhe haben – Ruhe vor Banken, die sich bei der Kreditvergabe zieren, Ruhe auch vor steigenden Zinsen. Deshalb ließ der geschäftsführende Gesellschafter des Fruchtsaftherstellers Valensina in Mönchengladbach und Generalbevollmächtigte des Magenbitterbrenners Underberg in Rheinberg 2011 seine Hausbanken links liegen. Um an Geld zur Finanzierung des Wachstums beider Unternehmen zu kommen, ging er an den Anleihemarkt. Auf diese Weise holte er sich je 50 Millionen Euro direkt von den Anlegern. Mit großem Erfolg: Beide Emissionen waren am ersten Tag fünffach überzeichnet. „Dass wir uns für Anleihen entschieden, haben nicht alle unsere Banken goutiert“, sagt Mocken.

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Zwar geht der rheinische Unternehmer schon länger fremd, wenn es um die Geldbeschaffung geht. So beschaffte er sich 2004 und 2005 zehn Millionen Euro für Valensina und 15 Millionen Euro für Underberg ebenfalls über eine Anleihe. Doch die insgesamt 100 Millionen Euro, mit denen er seine Banken diesmal ausbremste, sind eine neue Qualität. „Ich will nicht alles auf eine Karte setzen“, gibt sich Mocken diplomatisch, „die alternativen Finanzierungen geben uns eine gewisse Unabhängigkeit.“

Der Mittelstand finanziert sich ohne Banken

Mit seiner Absatzbewegung von den Banken befindet sich der rheinische Familienunternehmer in bester Gesellschaft. Die drohende Kreditklemme in der Krise 2008/09 lässt vor allem Mittelstandsanleihen wie für Valensina und Underberg, die es in dieser Form erst seit rund zwei Jahren gibt, boomen. Der Maschinenbauer MAG, der Windkraftkonzern Windreich Nordex, der Lackieranlagenhersteller Dürr bedienen sich des neuen Finanzinstruments. Statt Kredite auszureichen, können Banker schon froh sein, wenn sie als Emissionsberater daran etwas verdienen.

Der Süßigkeitenhersteller Katjes sammelte 2011 per Anleihe 30 Millionen Euro für sein Auslandsgeschäft ein. Die Laufzeit des an der Düsseldorfer Börse gelisteten Papiers endet 2016, Katjes zahlt 7,1 Prozent Zinsen. „Das ist eine gute Möglichkeit, bankenunabhängig zu finanzieren“, sagt Stephan Milde, Mitglied der Geschäftsleitung der Katjes International.

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