Mittelstand: Warum in Ostwestfalen die meisten Weltmarktführer sitzen
Bielefeld beherbergt ungewöhnlich viele Umsatzmilliardäre, Weltmarktführer und Spitzenforscher.
Foto: Pressebild, MontageDie ganze Welt will wissen, wie sich Fabriken fast ohne Menschenhand steuern lassen, weil Maschinen miteinander kommunizieren; also wie die viel beschworene Industrie 4.0 funktioniert. Und die ganze Welt hätte wohl lange nicht gedacht, dass sie dafür ausgerechnet nach Bielefeld schauen wird. Oder nach Paderborn oder Höxter; schon gar nicht nach Lemgo, Herford oder Espelkamp. Und dennoch ist das nun so.
Denn ganz oben rechts in Nordrhein-Westfalen, in Ostwestfalen-Lippe (OWL), residiert der staatlich geförderte Spitzencluster „Intelligente Technische Systeme“. Man könnte auch sagen: dort haben sie ein einmaliges Netzwerk geschaffen, das schon jetzt umsetzt, wie wir im Industrieland Deutschland bald produzieren, arbeiten, ja, Wohlstand schaffen werden. Denn nichts anderes ist der Aufbruch in die Industrie 4.0.
Ausgerechnet Ostwestfalen, also. Oder wohl eher: natürlich Ostwestfalen.
Denn die Operation Zukunft ist nur der weitere Baustein eines Gebildes, das in Deutschlands schon an sich nicht attraktionsarmen Industrielandschaften seinesgleichen sucht: Über OWL liegt ein Netzwerk, das einst aus der Not geboren wurde, die Region aber heute in Sache Unternehmertum und Forschung weit nach vorne gebracht hat.
Die Umsatzkönige
Seit mehr als 20 Jahren arbeiten Unternehmen, Universitäten, Fachhochschulen, Förderungsgesellschaften und Kulturschaffende daran, die Region zum Magneten für Unternehmensgründer und Forscher zu machen.
Das Ergebnis: Da mag die Landeshauptstadt Düsseldorf gut zwei Zugstunden entfernt liegen, die Musterhochschule RWTH Aachen am anderen Ende des Bundeslands sein und der berühmte deutsche Mittelstand eher im baden-württembergischen Ländle vermutet werden: Doch die meisten der besten Unternehmen bundesweit drängen sich in Wirklichkeit in OWL. Nirgendwo sonst in Deutschland machen so viele Unternehmen jährlich einen Milliardenumsatz.
Unter diesen 17 Umsatzkönigen in der zwei Millionen Einwohner zählenden Region finden sich prominente Namen wie Hella (Lippstadt), Benteler (Paderborn), Phoenix Contact (Blomberg), Oetker (Bielefeld), Miele(Gütersloh), Bertelsmann (Gütersloh), Claas (Harsewinkel), Melitta (Minden) oder Gildemeister (jetzt DMG Mori Seiki, Bielefeld).
Bernd Venohr, Münchner Unternehmensberater für den Mittelstand und Herausgeber des „Lexikons der deutschen Weltmarktführer“, sagt: „Diese Dichte gibt es in keiner anderen ländlichen Region Deutschlands noch mal. Selbst international liegen die Unternehmen und der Spitzencluster vorne.“ Es sei beeindruckend, „wie die Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette bis zum Endkunden zusammenarbeiten“.
Etwa wenn beim Projekt „KogniHome“ Miele, Hella, die Universität Bielefeld und die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bei der Suche nach Technik, die Menschen das Wohnen erleichtert, kooperieren. Wie im Brennglas lässt sich hier beobachten, was findige Akteure auch in einer vermeintlich wenig begehrten Region erreichen können, wenn sie Netzwerkeffekte zu nutzen wissen. Und das wissen sie in Ostwestfalen vor allem in vier Punkten:
- Die Region hat schlicht Glück, genau die Unternehmen und Einrichtungen zu beherbergen, deren Fähigkeiten die Welt braucht. Die vernetzte Fabrik verlangt nach Maschinenbau, Automatisierungs- und Elektrotechnik – alles in OWL vorhanden. Deswegen bekommt die Region als Spitzencluster „Intelligente Technische Systeme“, an dem 200 Partner beteiligt sind, vom Bund einmalig 40 Millionen Euro.
- Die Hochschulen in Bielefeld, Paderborn, Detmold, Lemgo oder Höxter kooperieren mit Fraunhofer-Instituten und 153 Unternehmen – das verhindert Forschung im Elfenbeinturm. Alleine die Clusterbetriebe machten 2013 mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz, über 200 Unternehmen entstanden in den Branchen neu. Technik aus OWL verbreitet sich über die mehr als 700 Niederlassungen der Unternehmen weltweit.
- Die Lage weit ab vom Schuss beschleunigte die Kompromissfähigkeit aller Beteiligten, weil nur gemeinsame Anstrengungen statt Nickligkeiten unter Konkurrenten die Region dauerhaft auch für auswärtige Fachkräfte interessant machen.
- Marketingexperten und Politiker arbeiten seit mehr als einem Jahrzehnt daran, OWL zu einer internationalen Marke zu machen. Und sie sind nicht zurückhaltend darin, allerlei anzupreisen – selbst die Geburtenrate ist höher als im Bundesdurchschnitt. Vor allem dieses Miteinander hat die Region vorangebracht: Da kann der Forscher mit dem Unternehmer, der Unternehmer mit dem Verbandsfunktionär, und in Berlin wacht ein findiger Abgeordneter darüber, dass all das politisch wohlwollend begleitet wird:
Platz 30: Ensinger
Die 1966 gegründete Ensinger GmbH verarbeitet Kunststoffe zu Halbzeugen, Fertigteilen, Profilen oder Compounds. Neben dem Hauptsitz im baden-württembergischen Nufringen fertigt Ensinger an zwei weiteren Standorten in Deutschland. Das Familienunternehmen hat außerdem 14 Fabriken in aller Welt, darunter fünf in den USA und eine in China sowie zahlreiche Vertriebsniederlassungen – bis hin nach Indien.
Branche: Kunststoffe
Mitarbeiter 2012: 2181
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 100,00/350,20
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,35 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 876,2
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 29: Sennheiser electronic
Die Firma Sennheiser ist vor allem Audio-Fans ein Begriff. Der Mittelständler aus Wedemark-Wennebostel ist vor allem für seine Mikrofone und Kopfhörer bekannt. Im Profi-Bereich bietet das 1945 gegründete Unternehmen Broadcast-Technik, Luftfahrtkommunikationssysteme und Headsets für Callcenter an.
Branche: Audiotechnik
Mitarbeiter 2012: 2100
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 229,10/584,40
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 9,82 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 906,3
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 28: Adva Optical Networking
Der Glasfaser-Spezialist Adva Optical Networking wurde erst 1994 als kleines Start-up im thüringischen Meiningen und in München gegründet. Die Glasfaser-Übertragungstechnik von Adva wird weltweit von mehr als 10.000 Unternehmen eingesetzt. Produziert wird am Unternehmenssitz in Meiningen, die Verwaltung sitzt im bayerischen Martinsried.
Branche: Telekommunikation
Mitarbeiter 2012: 1378
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 88,06/330,10
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,13 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 907,3
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: ScreenshotPlatz 27: Schottel
Die Schottel Gruppe mit Sitz im rheinland-pfälzischen Spay am Rhein entwickelt, konstruiert, produziert und vertreibt steuerbare Schiffsantriebs- und Manövriersysteme sowie komplette Antriebsanlagen.
Branche: Schiffsmaschinenbau/Antriebstechnik
Mitarbeiter 2012: 1100
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 80,00/313,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,625 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 911,6.
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PRPlatz 26: Pfeiffer Vacuum Technology
1890 in Wetzlar gegründet, entwickelte sich Pfeiffer schnell zum führenden Unternehmen für Vakuumtechnik. Die 1958 erfundene Turbopumpe macht noch heute in ihrer weiterentwickelten Form 40 Prozent des Konzernumsatzes aus. Der Maschinenbauer ist im TecDax gelistet.
Branche: Vakuumlösungen
Mitarbeiter 2012: 2270
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 150,90/461,30
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,82 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 948,9
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: WirtschaftsWochePlatz 25: igus
Die 1964 in Köln gegründete Igus GmbH ist ein Spezialist für Spitzguss-Kunststoffteile. Alle Produkte, wie etwa Kunststoffgleitlager oder flexible Spezialleitungen werden in diesem Verfahren hergestellt. Igus ist der weltweit größte Hersteller von Energiekettensystemen mit Spezialleitungen, Steckern und Zubehör.
Branche: Kunststoff-Energieketten
Mitarbeiter 2012: 2175
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 117,00/399,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,05 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 961,7
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 24: Hansgrohe
Hansgrohe stellt Armaturen, Brausen, Thermostate, Abläufe und Badzubehör her. Das 1901 in Schiltach im Schwarzwald gegründete Unternehmen darf nicht mit der Firma Grohe, die ebenfalls Armaturen herstellt und von Hans Grohes Sohn Friedrich gegründet wurde, verwechselt werden. Die Familie des jüngsten Sohns des Firmengründers hält heute noch 32 Prozent des Unternehmens, 68 Prozent gehören der amerikanischen Masco Corporation.
Branche: Armaturen
Mitarbeiter 2012: 2178
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 360,50/805,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,37 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 992,6
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: REUTERSPlatz 23: Emka Beschlagteile
Die Emka Beschlagteile GmbH stellt Komponenten für industrielle Schränke und Gehäuse her. Heute fertigt das 1932 in Velbert bei Düsseldorf gegründete Unternehmen weltweit an acht Standorten.
Branche: Verschlusstechnik
Mitarbeiter 2012: 1400
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 42,99/230,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 18,26 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1000,5
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 22: Bitzer
Bitzer aus dem schwäbischen Sindelfingen ist ein Spezialist für Klima- und Kältetechnik. Das Unternehmen ist mit über 40 Tochtergesellschaften international aufgestellt und fertigt unter anderem in Deutschland, Portugal, Südafrika, Australien, China und den USA Verdichter, Druckbehälter und Verflüssigungssätze.
Branche: Kältemaschinen
Mitarbeiter 2012: 3046
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 231,58/639,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,67 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1120,5
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 21: Pöschl Tabak
Pöschl gehört zu den weltweit größten Produzenten von Schnupftabak – in Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 95 Prozent, weltweit noch von 50 Prozent. Pöschl Tabak hat seinen Sitz in Geisenhausen bei Landshut und befindet sich noch immer im Besitz der Familien Pöschl und Engels. Neben Schnupftabak stellt Pöschl auch Feinschnitt- und Pfeifentabak her.
Branche: Tabakwaren
Mitarbeiter 2012: 800
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 109,60/416,01
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,27 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1163,0
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: WirtschaftsWochePlatz 20: Mapal Dr. Kress
Mapal Dr. Kress zählt zu den international führenden Anbietern von Präzisionswerkzeugen für die Metallbearbeitung. Bei der Feinbearbeitung mit spanabhebenden Werkzeugen sieht sich das Unternehmen aus Aalen als weltweiten Technologieführer. Zu Mapal gehören noch zahlreiche weitere Unternehmen, die allesamt auf besondere Werkzeuge spezialisiert sind.
Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 4157
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 120,00/440,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,88 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1173,3
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 19: Maschinenfabrik Reinhausen
Die MR Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, so der vollständige Name, fertigt Komponenten für Transformatoren. Bei der Produktion der sogenannten Laststufenschaltern zählt das 1868 im Regensburger Stadtteil Reinhausen gegründete Unternehmen zu den Weltmarktführern.
Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 2850
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 218,00/630,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,20 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1190,6
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 18: Viega
Die Viega GmbH & Co. KG stellt unter anderem Sanitär- und Heizungssysteme, Rohrleitungssysteme und Entwässerungstechnik her. Bei der Pressverbindungstechnik sieht sich das Unternehmen selbst als Weltmarktführer. Neben dem Stammhaus in Attendorn fertigt das Familienunternehmen in vier deutschen Zweigwerken in Deutschland und einem in den USA.
Branche: Heizung, Sanitär
Mitarbeiter 2012: 3500
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 395,00/915,36
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,77 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1205,9
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 17: Manz
1987 im baden-württembergischen Reutlingen gegründet, begann die Manz Automation AG mit der automatisierten Produktion von kristallinen Solarzellen. Inzwischen firmiert das Unternehmen nur noch als Manz AG und hat neben den Solarzellen noch die Bereiche Displays (LCD, LED, OLED und Touchscreens) und Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut.
Branche: Display- und Solarindustrie
Mitarbeiter 2012: 2000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 24,00/184,11
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 22,60 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1228,2
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 16: Norma Group
Die Norma Group ist auf Verbindungstechnik spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt rund 35.000 Verbindungssysteme für industrielle Anwendungen. Die Kunden kommen unter anderem aus der Öl- und Gasbranche, der Autoindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie Infrastruktur und Bewässerung.
Branche: Verbindungstechnik
Mitarbeiter 2012: 4485
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 197,60/604,60
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,83 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1245,3
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 15: Schenck Process
Die Schenck Process GmbH entstand aus der 1881 gegründeten Darmstädter Eisengießerei und Waagenfabrik von Carl Schenk. Heute gilt das Unternehmen als einer der Weltmarktführer im Bereich der Mess- und Verfahrenstechnik. Die Schenck Process GmbH beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3.400 Mitarbeiter an weltweit 33 Standorten.
Branche: Mess- und Regeltechnik
Mitarbeiter 2012: 3400
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 240,00/680,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,98 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1246,7
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 14: KWS Saat
Das niedersächsische Pflanzenzüchtungs- und Biotechnologie-Unternehmen KWS Saat AG züchtet seit über 150 Jahren landwirtschaftliche Nutzpflanzen. Das Unternehmen ist in mehr als 70 Ländern präsent.
Branche: Saatgut
Mitarbeiter 2012: 3851
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 433,70/986,30
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,56 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1256,7
Bildquelle: KWS SAAT AG
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 13: Rimowa
Koffer aus Aluminium und Polycarbonat sind die Spezialität der Rimowa GmbH (kurz für „Richard Morszeck Warenzeichen“). Der Hersteller aus Köln ist bereits seit 1898 im Geschäft. Heute vertreibt Rimowa seine Koffer in 65 Ländern.
Branche: Koffer
Mitarbeiter 2012: 1300
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 25,00/206,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 22,54 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1266,0
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 12: Sick
Das 1946 gegründete Unternehmen Sick zählt zu den führenden Herstellern von Sensoren und Sensorlösungen für industrielle Anwendungen.
Branche: Sensortechnik
Mitarbeiter 2012: 6302
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 420,40/971,31
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 8,73 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1272,8
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 11: Rosenberger
Seit mehr als einem halben Jahrhundert entwickelt Rosenberger Verbindungslösungen in der Hochfrequenz- und Fiber-Optik-Technologie.
Branche: Hochfrequenztechnik
Mitarbeiter 2012: 5000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 126,50/483,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 14,34 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1361,2
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: ScreenshotPlatz 10: Brückner Technology Holding
Die Brückner-Gruppe aus Siegen gehört zu den führenden Unternehmen im Maschinen und Anlagenbau.
Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 1676
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 225,20/682,40
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,72 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1385,4
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: ScreenshotPlatz 9: Sirona Dental Systems
Sirona stellt Behandlungs- und Diagnosegeräten für Zahnarztpraxen, zahntechnische Laboratorien und Kliniken her. Das Unternehmen entstand 1997 aus der Dentalsparte der Siemens AG.
Branche: Dentalindustrie
Mitarbeiter 2012: 2979
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 284,00/814,56
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,11 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1521,7
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 8: Realtime Technology
Die 1999 gegründete Realtime Technology AG ist ein auf industrielle 3D-Visualisierung spezialisierter Software-Anbieter.
Branche: IT / Software
Mitarbeiter 2012: 689
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,35/73,70
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 36,22 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1547,7
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: ScreenshotPlatz 7: JF Hillebrand Group
Die Spedition J. F. Hillebrand ist der weltweit größte Wein- und Getränkespediteur. Das 1844 gegründete Unternehmen mit Sitz in Mainz transportiert in 83 Ländern weltweit.
Branche: Logistik
Mitarbeiter 2012: 2000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 335,24/934,70
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,8 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1671,4
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: ScreenshotPlatz 6: Beckhoff Automation
Die Beckhoff Automation GmbH & Co. KG ist ein führender Hersteller von Automatisierungstechnik. Das Unternehmen mit Sitz in Verl realisiert offene Automatisierungssysteme auf der Grundlage PC-basierter Steuerungstechnik. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzplus von rund 18 Prozent in zehn Jahren ist Beckhoff Automation aus Westfalen der erfolgreichste Aufsteiger unter den wachstumsstärksten Weltmarktführern im deutschen Mittelstand.
Branche: Automatisierungstechnik
Mitarbeiter 2012: 2200
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 78,00/408,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,955 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1712,0
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PRPlatz 5: Beumer Maschinenfabrik
Die Beumer Maschinenfabrik wurde 1935 als Maschinenfabrik für die Produktion von Förderanlagen gegründet. Erste Aufträge kamen aus der westfälischen Zement- und Kalkindustrie und vom Bergbau des Ruhrgebietes. Heute ist das Unternehmen weltweit tätig und kommt nach eigenen Angaben auf einen Auslandsanteil von mehr als 85 Prozent.
Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter 2012: 3700
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 104,04/511,70
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,27 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1996,3
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 4: Big Dutchman
Big Dutchman aus dem niedersächsischen Vechta vertreibt Fütterungsanlagen und Stalleinrichtungen für die Haltung von Geflügel und Schweinen.
Branche: Agrartechnik
Mitarbeiter 2012: 2432
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 250,00/858,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,12 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2083,9
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 3: Mobotix
Die Mobotix AG aus Rheinland-Pfalz entwickelt und vertreibt netzwerkbasierte Videoüberwachungsanlagen. Das Unternehmen zählt dabei zu den führenden Anbietern weltweit.
Branche: Sicherheitskameras
Mitarbeiter 2012: 336
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,00/81,60
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 39,14 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2137,9
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: WirtschaftsWochePlatz 2: Lürssen
Die Lürssen Werft GmbH & Co. KG ist eine deutsche Schiffswerft aus Bremen. Mit einem jährlichen durchschnittlichen Umsatzplus von mehr als zwölf Prozent in zehn Jahren ist der Bremer Schiffbauer Lürssen der am zweitschnellsten wachsende Weltmarktführer im deutschen Mittelstand.
Branche: Schiffbau
Mitarbeiter 2012: 1400
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 300,00/984,90
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 12,6 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2248,5
Bildquelle: Klaus Jordan
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: PressePlatz 1: Hirschvogel Holding
Mit einem jährlichen durchschnittlichen Umsatzplus von rund 16 Prozent in zehn Jahren ist der Automobilzulieferer Hirschvogel aus dem bayerischen Denklingen Deutschlands wachstumsstärkster mittelständischer Weltmarktführer.
Branche: Automobilzulieferer
Mitarbeiter 2012: 4000
Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 179,90/780,00
durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 15,80 Prozent
Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2601,9
Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer
Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWocheProf. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier, Vizepräsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, 600 Publikationen, jede Menge Ehrungen, lebte die digitale Vernetzung schon, als der Rest der Republik nicht mal ahnte, wie diese das eigene Leben umkrempeln werde. Seit den Neunzigerjahren forscht der Seniorprofessor am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn an der Vernetzung von Maschinen. So wurde er zum forschenden Aushängeschild der ostwestfälisch-lippischen Zukunftsambitionen.
Dafür braucht es die Energie eines Duracell-Hasen: Gausemeier soll renommierte Forscher an die verschiedenen Hochschulen in OWL locken und fähige Doktoranden an die Region binden. Er soll Unternehmen für Praktikumsplätze, duale Studiengänge und Fördergelder gewinnen, aber das nicht, ohne die erfolgreiche Akquise staatlicher Fördertöpfe zu vernachlässigen. Und nicht zu vergessen: Gausemeier muss Politiker als Unterstützer in der Region, in Berlin und in Brüssel gewinnen und selbst die Forschung des Clusters nach außen verkaufen.
Lehrlingsmangel
Manche Branchen sind schlimmer von Nachwuchssorgen betroffen, als andere. Zum Beispiel die oberfränkischen Polstermöbelbauer: Lehrlinge finden sie nur noch schwer. Ihre Branche gilt als altmodisch, die Region als gebeutelt vom Bevölkerungsschwund. Erste Ideen funktionieren nur zaghaft. Sogar eine Party haben die Unternehmen schon geschmissen. Um junge Menschen in möglichst lockerer Atmosphäre für ein eher nüchtern-sachliches Thema zu interessieren - nämlich für eine Ausbildung in der oberfränkischen Polstermöbelbranche. Jedes zweite in Deutschland produzierte Polstermöbelstück kommt nach Verbandsangaben aus Oberfranken.
Nur: Azubis finden die Betriebe nur noch schwer. Was zum Beispiel daran liegt, dass landläufig viele Menschen überrascht sind, dass überhaupt noch in großem Stil Möbel in Deutschland hergestellt werden - und nicht im Ausland. „Klar fragen sich die jungen Menschen, ob sie nicht auf ein totes Gleis setzen“, räumt Imaan Bukhari, Geschäftsführer des Unternehmens FM Munzer Polstermöbel in Weidhausen (Landkreis Coburg/Bayern), ein.
Seit einigen Jahren suchen die Betriebe deshalb intensiv den Schulterschluss mit den Schulen, laden Klassen in ihre Produktionsstätten ein zum „Polster Day“. Erfolg? Bukhari sagt, man müsse das eher langfristig sehen. In einem nächsten Schritt wolle man die Berater der Arbeitsagenturen mit der Branche vertraut machen. Denn junge Menschen würden die Polstermöbelindustrie oft nicht einmal kennen. Gehe es so weiter, steuere die Branche auf einen dramatischen Fachkräftemangel zu. In seinem Unternehmen würde Bukhari jedes Jahr zwei Polsterer und eine Näherin zur Ausbildung einstellen - wenn er geeignete Bewerber fände. Zuwanderung sei eine mögliche Lösung, sagt er. Sonst sei das Label „Made in Germany“ in Gefahr, weil die geeigneten Mitarbeiter fehlen.
Foto: dpaÜbernahmegarantie
Eine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt.
Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können.
Foto: APZielgruppengerechte Ansprache
Mit der eigens geschaffenen Internet-Plattform „Go textile“ wendet sich die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie an junge Menschen. Mit Aufforderungen wie „Komm in die Puschen!“ werden die unterschiedlichen Ausbildungsberufe möglichst jugendgerecht vorgestellt und Unternehmen porträtiert. Derzeit sehe die Lage gut aus, sagt Hartmut Spiesecke, Sprecher des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie. Aber: „Die Unternehmen müssen sich bemühen.“ Vor allem kleinere Firmen, die nicht sehr bekannt seien, müssten auf sich aufmerksam machen. Dabei sei die Textilbranche in Deutschland inzwischen sehr technisch geprägt, biete also klassische Industriearbeitsplätze wie etwa Anlagenführer - und nicht wie in der Vergangenheit Jobs für Modenäherinnen.
Vor allem wenn Unternehmen einen bekannten Namen hätten und für gute Arbeitsbedingungen stünden, hätten sie keine Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, betont Manfred Menningen, Experte für die Textilindustrie bei der IG Metall. In Ostdeutschland gebe es sogar eine tariflich fixierte Übernahmegarantie nach der Ausbildung. „Da es auch unser Ziel ist, die Branche attraktiv für junge Menschen zu machen, haben wir uns in den letzten Jahren dafür eingesetzt, dass die Ausbildungsvergütungen überproportional erhöht wurden“, sagt Menningen. Die Textilindustrie sei nach wie vor eine „spannende Branche“.
Foto: dpa/dpawebEin Schiff, ein Team, ein Ziel, viele Möglichkeiten
Ein Abenteuer auf dem Schiff kann zum Karrierestart werden: Vertreter der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers verbringen drei Tage mit potenziellen Mitarbeitern, meistens jungen Studenten, auf einem Segelschiff. Bei den "Big Sail Adventures" begegnen sich die zukünftigen Kollegen in unterschiedlichen Situationen und lernen einander viel besser kennen, als bei einem normalen Vorstellungsgespräch. Die Studenten nehmen dabei an unterschiedlichen Workshops teil und können in persönlichen Gesprächen viel über das Unternehmen, den Alltag dort und die Arbeitsatmosphäre erfahren. Die Angestellten können neben fachlicher auch soziale Kompetenzen wie die Teamfähigkeit der potenziellen Bewerber bei der Arbeit überprüfen.
Foto: WirtschaftsWocheSpeed-Dating in luftiger Höhe
Viele Betriebe fahren mit ihren bestehenden Teams in Hochseil- oder Klettergärten, um Teamfähigkeit und Vertrauen ihrer Mitarbeiter zu stärken. Andere organisieren Bewerbungsgespräche in luftiger Höhe. Beim Speed-Dating im Hochseil-Garten müssen potenzielle Mitarbeiter und Personaler erst einmal kletternd zueinander finden und sich dann auf den einzelnen Zwischenplattformen je fünf Minuten einander vorstellen.
Foto: dpaInnovation Challenge
Verrückte Ideen für zukünftige Produkte sind gut, wenn die Erfinder auch ein Unternehmen finden, dass sich von der Idee überzeugen lässt. Andersherum gibt es jedoch auch Unternehmen, die verrückte Erfinder zu sich einladen. Sie organisieren Wettbewerbe, bei denen potenzielle Bewerber ihre Projekte für fiktive Produkte präsentieren können. Die Besten bekommen einen Preis - und einen Job beim Veranstalter des Wettbewerbs. So knüpfen junge Fachleute Kontakte zu den Firmen und Unternehmen gewinnen junge Talente für sich.
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Das Krimidinner als unterhaltsamere Variante des Restaurantbesuchs ist bekannt. Doch es gibt auch Unternehmen, die Spezialisten zum "IT-Krimidinner" einladen. Dabei geht es weniger um die Jagd auf den fiktiven Mörder, sondern um die Jagd nach kreativen Fachkräften. Dabei wird das Drei-Gänge-Menü zum Bewerbungsgespräch. Um den Mordfall zu lösen, müssen die Teilnehmer auf ihr IT-Fachwissen zurückgreifen und so ihr Können anwenden und unter Beweis stellen.
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Auch Erwachsene mögen Spiele. Deswegen versuchen manche Personaler mit Geocaching, also einer GPS-Schnitzeljagd, Bewerber anzulocken. Die Beantwortung fachspezifischer Fragen führt zu neuen Koordinaten. Die Gewinner der Jagd lernen den Vorstand des Unternehmens kennen. Aber nicht beim klassischen Bewerbungsgespräch, sondern ungezwungen bei einer Party. Kontakte knüpfen und begeistern ist schließlich das Ziel.
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Kreativität ist das A und O
Um passende Kandidaten für Kinderbetreuung, Sport und Entertainment oder Tanz und Choreographie zu finden, organisieren Hotelketten unterschiedliche Castings in Theatern oder Sportparks. Diese sollen den Teilnehmern eine Club-Atmosphäre vermitteln. Dabei erhalten die Kandidaten Aufgaben zur Improvisation. Sie sollten beispielsweise eine dreiminütige Entertainment-Aktion, eine Choreographie, einen Sketch oder eine Gesangseinlage vorbereiten.
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Ganz schön viel für einen Gausemeier. Doch der umtriebige Gelehrte sagt: „Unsere Wissenschaftler in OWL sind motiviert, weil sie entscheidende Impulse für Innovationen setzen können, die sich am Markt durchsetzen und unternehmerischen Erfolg bringen.“ Das sei entschieden spannender, als an brillanten Ideen zu arbeiten, die in Bibliotheken verstauben.
Gausemeier muss man also nicht zum Jagen tragen, er sieht auch sich selbst am Ziel, wenn alles läuft: „Meine Leidenschaft ist das Entwerfen kühner Strategien, Menschen dafür zu gewinnen und eine Vision auch zu realisieren. Der Spitzencluster ist sozusagen mein anspruchsvollstes Strategieprojekt.“
Erst diese Spitzenforschung in Verbindung mit rund 200 Partnern vor Ort macht die Region einzigartig – viele Weltmarktführer allein gibt es auch in Schwäbisch Hall, 15 andere Spitzencluster bundesweit. Globalisierung, demografischer Wandel und Resourcenknappheit fordern die Innovationskraft von Unternehmen in der ganzen Republik heraus.
2017 läuft die millionenschwere Förderung vom Bund an das OWL Spitzencluster aus. Die Sorge ist erlaubt: Fällt die Region dann zurück ins Mittelmaß? Gausemeier gibt sich optimistisch: „Vernetzte intelligente technische Systeme sind das Megathema unserer Zeit, das auch im Ausland höchste Beachtung findet.“ Soll heißen: Wer in OWL spielt, spielt vorne.
Aachen, Karlsruhe, Darmstadt, München – angesichts solcher Alternativen sehen karriereorientierte Ingenieur- und Informatikstudenten Verl oder Gütersloh eher nicht so weit vorne. Genau das ist eines der größten Probleme der Region: Nicht nur, dass sie vermeintlich fern von Top-Unis und Partyzonen liegt, erschwert den Kampf um kundige Köpfe. Zugleich rangeln in der dünn besiedelten Region besonders viele Unternehmen um wissensdurstigen Nachwuchs. Sie setzen deshalb auf die naheliegende Lösung: Die Betriebe verzahnen Theorie und Praxis, indem sie mit den Hochschulen vor Ort eng kooperieren. Für eher anwendungsorientierte als grundlagenforschende Ingenieure ist das ein wirkungsvoller Köder.
Das weiß der Unternehmer und Physiker Hans Beckhoff nur zu gut. Er nutzt die Vernetzung nicht nur fürs eigene Unternehmen mit 2800 Mitarbeitern weltweit und rund 510 Millionen Euro Umsatz. Er investiert auch seine freie Zeit, um das Thema gemeinsam mit Miele-Chef Eduard Sailer als stellvertretende Vorsitzende des Clusterboards voranzutreiben. Dass auch der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, Reinhold Festge, samt Firma in Oelde nahezu um die Ecke residiert, schadet dabei nicht.
Beckhoffs Verler Unternehmen Beckhoff Automation, Spezialist für Industrie 4.0, forciert und finanziert duale Studiengänge. 90 sogenannte Beckhoff-Studierende bekommen eine Ingenieurausbildung in Mechatronik/Automatisierung und Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Bielefeld. Während der 3,5 Jahre Studienzeit zahlt Beckhoff den Lohn für Azubis der Metall- und Elektroindustrie. Eine kommode Lage für die jungen Leute: Ihr Studium ist finanziert, der Anschlussjob so gut wie sicher. Das bieten Aachen, Karlsruhe oder Darmstadt nicht.
Der Physiker Beckhoff, der Tochter und Sohn schon ins Unternehmen holt, sagt: „Die Absolventen sind stärker als andere Studenten auf unsere Fachgebiete orientiert. Ihre Identifikation mit dem Unternehmen ist höher, sie bleiben länger.“ Weiterer Vorteil: „Unsere Kunden haben damit auf viele Jahre denselben Ansprechpartner.“ Rund ein Drittel seines Personalbedarfs deckt Beckhoff so.
Alles gut also? Beckhoff sieht noch Arbeit für sich: „Für die Weiterbildung unserer Mitarbeiter haben wir kein so ausgefeiltes System. Bisher reagieren wir auf individuellen Bedarf. Eigentlich könnten wir das besser machen.“
Steffen Kampeter und OWL – das darf man getrost eine politische Win-win-Situation nennen. Kampeter ist nicht nur der CDU-Vorsitzende von OWL, sondern auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Ein Strippenzieher vor dem Herrn ist der Westfale noch dazu.
So funktioniert das Geschäft auf Gegenseitigkeit in OWL: Mit dem Rückenwind aus einem Wahlbezirk voller finanzstarker und krisenfester Weltmarktführer konnte Kampeter in Berlin prima Karriere machen. Zugleich können sich die Unternehmer der Region sicher sein, dass Kampeter ihre Anliegen an höheren Stellen platziert, als es ein Hinterbänkler aus dem Bundestag je könnte. Diese Art politischen Netzwerkens kann man naserümpfend beäugen; effektiv ist sie allemal.
Kampeter legt politisch korrekt Wert auf die Feststellung: „OWL wurde von einer völlig unabhängigen Jury zum Spitzencluster für Industrie 4.0 gekürt.“ Ergänzt dann aber beinahe bescheiden: „Ich hatte nur politischen Einfluss auf die Vorbereitung der Entscheidung und konnte den Verantwortlichen entscheidende Parameter wie einen hohen Produktionsbezug der Forschung klarmachen.“
Kampeter wirkt nicht nur in der Ferne, er befriedet auch vor Ort: „Ich helfe moderierend dabei, unterschiedliche Unternehmensinteressen zu bündeln.“ Ein Machtwort von Machtmensch Kampeter bringt dann auch mal lokale Konkurrenten auf Spur.
Zufrieden ist der Ehrgeizige aber mit dem heimischen Erfolg noch nicht: „Wir könnten OWL als Marke sogar noch besser positionieren als die Marke NRW.“ Deswegen zieht Strippenzieher Kampeter die Fäden nicht mehr vorwiegend in Berlin, sondern auch gerne in Brüssel. „Die ersten Unternehmen aus OWL haben mich schon angesprochen, was man wie dort aufsetzen könnte“, sagt der Christdemokrat. Alle haben schließlich im Sinn, dass 2017 die staatliche Clusterförderung ausläuft.
Und so lehrt die Rolle des Steffen Kampeters im ostwestfälischen Wirtschaftswunder: Man muss nicht nur wissen, was geht – man muss vor allem wissen, wie man es ins Gespräch bringt, und vor allem, bei wem. Und zu denen muss man dann auch noch Zugang haben. Der Politiker selbst fasst es so zusammen: „Ich kann Hinweise darauf geben, welche EU-Kommissare und Generaldirektoren für welches Thema dann angesprochen werden sollten.“
Vernetzungskünstler Kampeter wechselt nächstes Jahr im Übrigen seine Bühne: Er gibt in der kommenden Woche den Job als Staatssekretär auf, um nach einer Karenzzeit 2016 als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Arbeitgeberverbände in der Hauptstadt aufzutreten. Er übernimmt den wohldotierten Job von Reinhard Göhner. Der kommt aus Bünde, Kreis Herford, Ostwestfalen-Lippe.
Tue Gutes und rede unermüdlich, unverdrossen, immer und immer wieder mit Unternehmern, Politikern, Bürgern und Journalisten darüber. So lange, bis auch der letzte Wichtige in Stadt, Land, Bund verstanden hat, dass Ostwestfalen mehr ist als Miele, Bertelsmann und Oetker.
So praktiziert es Herbert Weber, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Region OWL, seit fast 20 Jahren werkelt er am Marketing des Netzwerkes. Zu dem nicht nur Unternehmen rund um Industrie 4.0, sondern beispielsweise auch Mode und Möbel gehören. Auch deren Chefs wollen einbezogen werden ins Regionalmarketing, schließlich ist nicht alles, was glänzt, in OWL Automatisierungstechnik.
Weber und seine Mitstreiter haben es aber geschafft, dass der Ausdruck „Spitzencluster OWL“ Deutschlands Ingenieuren ein Begriff ist, auch wenn von denen wohl nur wenige auf Anhieb Detmold, Oelde oder Verl auf der Landkarte fänden. Weber, gebürtiger Osnabrücker, alert und geschmeidig, hat Vision und Mission: „OWL soll eine der wettbewerbstärksten Regionen Europas werden“, sagt er. „Früher wurde hier über diese Idee noch gelächelt.“ Um OWL zur Marke zu machen, bedient sich Weber am Werkzeugkasten guter Wirtschaftsförderer. „Seit vielen Jahren holen wir Unternehmen, Hochschulen und Kulturträger mit dem Argument ins Boot, dass sie höchstselbst profitieren, wenn die Attraktivität der Region steigt.“
Aus dem Wortungetüm Ostwestfalen-Lippe wurde das Markenzeichen „OWL“; die sperrige Clusterbezeichnung „Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe“ verkürzten Marketingprofis aufs englische „it’s OWL“. Das rote Logo ist allgegenwärtig auf Kulturplakaten und den Broschüren der Wirtschaftsförderung. Es hat sich in Klein eingeschlichen auf dem Briefpapier vieler Unternehmen und buhlt in Riesenlettern um Aufmerksamkeit auf Messeständen in Hannover, Finnland, China oder dem Silicon Valley.
Doch Westfalen auf ihre Heimat einzuschwören steigert noch nicht die nationale oder gar europäische Bekanntheit. Dafür muss Weber die Chefs der heimischen Weltmarkführer ins Boot holen. So wie Peter Köhler, Chef der Detmolder Weidmüller-Gruppe und Vorsitzender des Industrial Affairs Committee des Arbeitgeber-Dachverbands Business Europe. Der warb erst Anfang Juni mit Weber in Brüssel auch für OWL.
Nur eines steht dem PR-Erfolg der Westfalen noch im Weg: der Westfale an sich. Oder wie es Weber ausdrückt: „Die Menschen hier leisten viel, aber reden zu wenig über ihre Erfolge.“ Aber das macht ja er.