Mittelstandsbericht Deutschland gehen die Führungskräfte aus

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand warnt: Deutschland gehen die Führungspersönlichkeiten und Gründer aus. Sie fordert bessere Rahmenbedingungen von der Politik - doch gerade diese entwickelten sich negativ.

Ein Mitarbeiter montiert einen Zylinderkopf an einem Dieselmotor. Quelle: dpa

Der Mittelstand mit seinen vielen Kleinunternehmen bildet die Basis des deutschen Wohlstands, heißt es. Als „Hidden Champions“ sorgen sie für Innovationen und sichern die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Hinter ihrem Erfolg stehen vielfach Unternehmerpersönlichkeiten, die die Qualität sichern.

Doch gerade diese Persönlichkeiten werden laut dem aktuellen Bericht der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand immer seltener. „Der unternehmerische Nachwuchs wird knapp“, heißt es dort.

Unternehmensgründer seien zumeist zwischen 25 und 45 Jahre alt - aufgrund der alternden und schrumpfenden Bevölkerung werde diese Altersgruppe aber überproportional kleiner. Parallel zu dieser Entwicklung erreichten immer mehr Unternehmer das Ruhestandsalter und suchten Nachfolger für ihren Betrieb – mitunter vergeblich.

Wo der Mittelstand sein Geld anlegt

Besonders angespannt ist die Situation in der Industrie – hier kommt auf fünf Unternehmer, die in den Ruhestand gehen, nur ein potenzieller Nachfolger, analysiert die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand. Die Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Unternehmer in Deutschland bis 2050 um eine Million zurückgehen wird.

Der Entwicklung entgegenwirken

Doch nicht nur die fehlenden Führungskräfte sind ein Problem für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Laut dem Bericht fehlt es hierzulande auch an Gründern. Das liege vor allem an der „sicherheitsorientierten Gesellschaft“ sowie der „fehlenden gesellschaftlichen Wertschätzung des Unternehmertums“. Gerade letztere sei „maßgeblich für die Gründungsdynamik“.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollten Schulen und Hochschulen. aber auch Politik und Medien stärker zur Selbstständigkeit ermuntern und auf die Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen hinarbeiten, fordert die Arbeitsgemeinschaft. Zudem müsse an den Rahmenbedingungen für den deutschen Mittelstand gearbeitet werden. „Wichtigste Voraussetzungen für Investitionen sind verlässliche und verträgliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“, heißt es im Bericht.

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Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand fordert deswegen, dass die Langfristkreditfinanzierung gestärkt wird – aktuell liege die Fokussierung zu stark auf Kapitalmarktfinanzierungen. Außerdem müssten die Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur erhöht werden – dazu zählten auch die Breitbandinfrastruktur und die Energieübertragungsnetze. Desweiteren solle die Politik die bürokratischen Lasten für Unternehmer abbauen.

Sorgenpunkt Erbschaftssteuer

Statt Erleichterungen könnten bald allerdings neue bürokratische Belastungen auf den Mittelstand zukommen. Aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts genießt der Mittelstand in punkto Erbschaftssteuer zu viele Erleichterungen. So könnten Unternehmen Steuern vermeiden oder zumindest einsparen, wenn sie Arbeitsplätze auf fünf Jahre garantierten.

Unternehmen, die weniger als 20 Mitarbeiter haben, müssen nicht nachweisen, dass sie Arbeitsplätze erhalten, um in den Genuss der Steuererleichterungen zu kommen. Das ging den Karlsruher Richtern zu weit – sie forderten die Politik auf, bis zum 30. Juni 2016 nachzubessern.

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