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Möbelmesse imm cologne Diese Trends prägen das deutsche Wohnen

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Trend 3: Die Küche – ein Ort der Imagepflege

An einem Esstisch, an dem Platz für zehn ist, versammelt sich ein halbes Dutzend Interessierter. Eine Frau um die 40 lässt ihre Finger über das glatte Holz fahren und zieht eine der vielen Linien nach, die sich wie schwarze Adern durch das Holz ziehen.

„Entschuldigen Sie, was sind das für Striche?“, fragt sie einen der Schreiner, die den Stand betreuen.

„Das ist Schimmel. Getrockneter Schimmel“, sagt er. Die Frau guckt ihn etwas ungläubig an. Er lacht und sagt: „Der Tisch ist aus Eisbuche. Sie ist leicht angefault und wurde dann getrocknet.“ Aufgrund des Fäulnisprozesses haben sich die Linien gebildet – der Hingucker kostet 2500 Euro.

In diesen Küchen regiert das Design
Der Küchenhersteller Schüller setzt auf wuchtige Holzschränke aus Alt-Eiche und geradlinige Fronten aus mattem Glas in Indigoblau. Quelle: PR
Küchengeräte und Vorräte verschwinden bei Schüller hinter großen Holz-Türen - die Schränke erinnern damit immer mehr an Wohnwände, als an Küchenregale. Quelle: PR
Diese Küche hat Poggenpohl zusammen mit dem Design-Team von Porsche gebaut. Auftrag: Eine Küche für den Mann. Quelle: PR
Kronleuchter, Glas und gläzende Fronten: SieMatic betont bei diesem Vorführmodell aus dem Showroom in New York auf das Zusammenspiel von verschiedenen Materialien. Quelle: Siematic
Die Amerikaner mögen es klassisch: Weiße Fronten, kleine Griffe und Schränke mit Konturen sind dort noch immer sehr beliebt, sagt SieMatic-Marketingexperte Jörg Overlack. Auch dieses Modell ist Bestandteil des Showrooms in New York. Quelle: Siematic
Auch Deutschlands größter Küchenhersteller Nobilia löst die Trennung zwischen Küche und Wohnzimmer auf: Hier befindet sich der Herd fast direkt neben dem Fernseher. Quelle: PR
Auch Fronten in auffallenden Farben bietet Nobilia an. Quelle: PR

„Die Esstische werden immer größer“, sagt Geismann. „Mittlerweile finden zwölf Personen an einem solchen Tisch platz – obwohl man am Ende maximal zu dritt dort sitzt. Das ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft.“

Auch mit dem Kochen verhält es sich so. „Für die meisten ist Kochen ein Hobby, etwas, das man mit Freunden macht“, sagt Linke. Es dringt nicht vor in den Alltag – da bleiben Fastfood und die Tiefkühlpizza das Mahl der Wahl für die Mehrheit.

„Die tollen Messer und die teuer eingerichtete Küche sollen das genussvolle Leben betonen und den Willen sich gesund zu ernähren“, sagt Linke. Letzten Endes sei es aber nur eine neue Form sich zu präsentieren. „Der kostspielige Wagen ist out. Heute ist der Thermomix ein Statussymbol.“

Die Küche als Ort der Imagepflege – das ist nicht günstig. Der Meininger Arbeitsplatten- und Küchenzubehörbauer präsentiert auf der imm beispielsweise eine Natursteinarbeitsplatte, die in Trapezform an den Seiten abgekantet ist.

So sind deutsche Küchen

Sie dient gleichzeitig als Esstisch für mehrere Personen und hat als Arbeitsplatte zudem einen integrierten Herd. Das ist nicht unbedingt praktisch, aber schick. Mit diesem Designerstück kann man seine Freunde sicherlich beeindrucken – allerdings kostet die Platte alleine um die 5000 Euro und ist damit fast noch preiswert. Die teuersten Küchen, die auf der imm vorgeführt werden, kosten sechsstellige Beträge.

Im Schnitt gibt der Deutsche 7000 Euro bei der Neuanschaffung einer Küche aus. „Wer eine neue Küche kauft, investiert gerne hochwertig“, sagt Geismann. Denn gerade dort, gebe es viele Innovationen.

An dem Stand von Siemens hat sich um einen Kühlschrank herum eine Traube gebildet. In ihrer Mitte steht eine Mitarbeiterin von Siemens. Sie öffnet auf ihrem iPad die App Home Connect, wählt den Kühlschrank an und kann in sein Inneres blicken.

Der ferngesteuerte Backofen

Einsam liegen eine rote und eine gelbe Paprika auf einer der Glasplatten, auf der darüber steht ein Glas Essiggurken, im Getränkebehälter klemmen eine Tüte Orangensaft und eine Tüte Milch. „So können Sie von der Arbeit aus herausfinden, ob Sie noch eine Tüte Milch kaufen müssen“, sagt sie.

Die größten Küchenmöbel-Hersteller

Sie legt das iPad beiseite und zückt ihr iPhone. Auch dort öffnet sie die App. Auf dem Bildschirm ist ein leerer Backofen zu sehen und eine leere Spülmaschine. Über dem Backofen steht „Claudia’s Schwitzkasten“.

„Hier kann ich meinen Backofen und meine Spülmaschine daheim in München betrachten“, sagt sie. „Hätte mein Mann vergessen, den Ofen auszustellen, könnte ich das von hier aus bequem machen.“

In Arbeit
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Die Frau öffnet ihr digitales Kochbuch und wählt ein Lasagne-Rezept an. „Hierüber kann ich Rezepte in den Backofen laden. Ich muss nur noch die vorbereitete Lasagne in den Ofen schieben. Ist sie fertig, schickt mir der Backofen eine Nachricht.“

So könne sie vom Büro aus den Backofen anschmeißen, um pünktlich zur Heimkehr essen zu können. Und selbst wenn sie im Stau stecken bleibt, passiert der Lasagne nichts. Der Ofen misst die Luftfeuchtigkeit und stellt fest, wann sie fertig ist. Dann schaltet er sich ab.

Ob solche Spielereien von der breiten Masse angenommen werden, ist offen. „Die Konsumenten fragen sich dabei natürlich immer, was mit ihren Daten geschieht“, sagt Geismann.

Bis dato dürften sich allerdings nur die wenigsten über solche Geräte Gedanken machen, denn diese Spielereien finden sich aktuell nur im gehobenen Preissegment – ein mit der App Home Connect kompatibler Ofen kostet über 2000 Euro. Wer seine Freunde also damit beeindrucken will, dass er vom Wohnzimmer aus den Ofen anschmeißt, muss tief in die Tasche greifen.

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