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Nachhaltige Wirtschaft „Größe ist nicht das Entscheidende – wir setzen Kontrapunkte“

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Die schwarze Branchenliste

Haben Sie auch schon Unternehmen abgelehnt?
Ja, das kommt immer wieder vor. Wir können ja zum Beispiel keinen Flughafen aufnehmen, der zwar rund um die Landebahnen ein biodiverses Gelände angelegt hat, aber im Kerngeschäft nicht nachhaltig ist. Das muss passen. Unser Verband fordert ja die Kerosinsteuer. Wie soll man das mit einem Flughafen als Mitglied vertreten? Da wollen wir clean bleiben und unsere Forderungen zuspitzen können. Es gibt außerdem eine Blacklist von Branchen, die wir nicht aufnehmen.

Wer steht auf der Blacklist drauf ?
Das sind die Hersteller von Waffen, Atomkraft, fossilen Brennstoffen, Agrogentechnik, Tabak und die Glücksspielindustrie. Ebenfalls ausgeschlossen sind Unternehmen, die ihrer Steuerpflicht am Residenzort nicht nachkommen. Das ist für uns ein No-Go, da geht verantwortungsbewussten Mittelständlern die Hutschnur hoch.

Mittlerweile schreibt sich nahezu jedes Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Wie verbreitet ist das Greenwashing, also die Taktik, Nachhaltigkeit nur als Feigenblatt zu betreiben?
Das ist nach wie vor ein echtes Problem, weil manche Unternehmen mit viel Geld grünen Wind machen, aber nichts dahinter ist. Gleichzeitig ist der Druck auf die Unternehmen größer geworden, denn junge Leute der Generation Greta schauen genauer hinter die Fassade und informieren sich besser zu Produkten. Gerade die Markenfirmen fürchten Shitstorms und Imageschäden. Es gibt heute mehr Unternehmen, die das Thema ernst nehmen.

Sie haben unlängst erklärt, die Unternehmen Ihres Verbandes stecken die Coronakrise besser weg als der Durchschnitt. Geht es Ihren Reiseunternehmen und Gastrobetrieben wirklich besser als den anderen ?
Natürlich gibt es Branchen, die einfach hart getroffen sind wie der Reise-, Gastro- oder Eventbereich. Die Unternehmen leiden sehr, an der Stelle rettet auch das nachhaltige Profil nicht.
Wir sehen aber, dass nachhaltige Unternehmen ihre Risiken insgesamt breiter absichern. Sie haben über den Gewinn hinaus einen breiteren Fokus. Wer vorher schon im Kontext von Nachhaltigkeit über Homeoffice nachgedacht hat, kann sich jetzt schneller anpassen. Hinzukommt, dass in der Krise stärker nachhaltige Produkte nachgefragt werden.

Postwachstumsökonomen argumentieren, grünes Wachstum sei eine Illusion. Um wirklich nachhaltig zu sein, müssten wir unser Wirtschaftsvolumen auf ein Fünftel reduzieren – durch Nullwachstum und Konsumverzicht. Was sagen Sie dazu?
Wir plädieren dafür, genauer hinzuschauen: Klimaneutrale Geschäftsmodelle müssen wachsen, die anderen sollen schrumpfen. Es ist also gut, wenn die GLS Bank wächst und die Deutsche Bank schrumpft. Wir schätzen zudem kreative Ideen, die einen Beitrag zur Suffizienz leisten: Der Outdoorhersteller Vaude, eines unserer Mitglieder, vermietet jetzt Zelte und Rucksäcke, auch wenn er dadurch womöglich weniger verkauft. Da müssen wir hin. Viele Mittelständler denken ja längst jenseits des Wachstumsdogmas, sie denken viel ganzheitlicher. Diesen Geist brauchen wir.

Sie treten für eine Wirtschaft ein, die deutlich stärker dezentralisiert ist...
Ja, das ist nachhaltiger. Wir fordern konkret, dass es bei öffentlichen Ausschreibungen eine Quote für kleine und mittelständische Unternehmen gibt. Und wir fordern, dass sie bei Konsultationen auf EU-Ebene, etwa wenn es um Handelsabkommen wie TTIP geht, stärker zu Wort kommen. Der Mittelstand muss in solchen Verhandlungen vertreten sein, bisher wird da nur Politik für die großen Konzerne gemacht.

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Wo sehen Sie Ihren Verband in fünf Jahren ?
In fünf Jahren haben wir uns auf 1000 Mitglieder vergrößert. Ich wünsche mir, dass wir dann vom Bundeswirtschaftsminister zu runden Tischen eingeladen werden, wenn es um Mittelstandsthemen geht. Und ich hoffe, dass dann immer mehr Unternehmen Klimaschutz und Nachhaltigkeit als Lust sehen statt als Last.

Mehr zum Thema: Unter dem Titel „Shifting the Trillions“ gibt der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung 31 Ratschläge für eine grüne Transformation der Wirtschaft.

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