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Neuer Investor bei Konditorei Leysieffer Gepanzerte Fahrzeuge, Munitionsentsorgung und jetzt Pralinen

Die Confiserie-Kette Leysieffer konnte sich mit Hilfe eines neuen Investoren aus der Insolvenz befreien, musste aber einige Filialen schließen. Quelle: imago images

2019 meldete das Traditionsunternehmen Leysieffer Insolvenz an. Nun machten die Gläubiger den Weg frei für eine Rettung: ein deutsch-amerikanischer Investor und Autofan will den Pralinenhersteller aus der Krise führen.

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Der Pralinenhersteller Leysieffer bekommt einen neuen Mehrheitsgesellschafter: das Family Office Deel & Winkler aus den USA steigt bei dem Osnabrücker Unternehmen ein. Damit ist die Rettung des angeschlagenen Traditionsunternehmens unter Dach und Fach. Den Weg dafür haben die Gläubiger in der heutigen Gläubigerversammlung beim Amtsgericht Osnabrück freigemacht, in der über den Insolvenzplan abgestimmt wurde. Dem Plan wurde einstimmig zugestimmt.

Hinter dem Investor steht der Unternehmer Frank Winkler, der laut Handelsregister Mehrheitsgesellschafter bei Trasco Bremen ist, ein nach eigenen Angaben „weltweit führender Anbieter kommerzieller Sonderschutzfahrzeuge“. Das Unternehmen ist demnach spezialisiert auf dem „Umbau von SUVs, Limousinen und Luxuslimousinen zu hochsicheren Fahrzeugen“.

Auch beim Sonderanlagenbau Nord, einem Unternehmen, das sich mit Munitionsentsorgung befasst, zählt Winkler zum Gesellschafterkreis. „In einem speziellen Verfahren entschärfen und entsorgen wir Streumunition“, heißt es auf der Firmenhomepage. „Vollautomatisch werden die Sprengkörper demontiert und zerlegt. Der Sprengstoff wird kontrolliert verbrannt.“

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Martin Lucht führt Winkler zudem die Hanseatische Kaffee GmbH in Bremen, die bereits Kaffee unter dem Markennamen Leysieffer vertreibt. Der Einstieg des Investors bei dem Konditoreiunternehmen soll nun unter anderem für „gemeinsame Vertriebssynergien“ sorgen, sagt Jan Leysieffer, der auch weiterhin als geschäftsführender Minderheitsgesellschafter für die Produktion und das Qualitätsmanagement des Unternehmens verantwortlich bleibt.

Das 1909 gegründete Unternehmen hatte im April einen Antrag auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. In der Folge gelang es dem Sanierungsexperten Joachim Walterscheid gemeinsam mit Sachwalter Stefan Meyer von der Kanzlei Pluta, das Unternehmen zu stabilisieren. Vier der bundesweit 16 Leysieffer-Filialen wurden geschlossen. Parallel dazu wurde der Investorenprozess in Gang gesetzt. Insgesamt bleiben 260 Arbeitsplätze bestehen. „Wir konnten 75 Prozent der Arbeitsplätze erhalten, und die Gläubiger erhalten eine überdurchschnittlich hohe Quote“, sagt Walterscheid. Demnach erhalten die unbesicherten Gläubiger eine Befriedigungsquote von 65 Prozent.

Leyensieffer stellt Pralinen, Trüffel, Kuchen, Torten und Schokoladen selbst her und betreibt Confiserien, Bistros und Cafés. „Durch die bundesweite Bedeutung und starke Wahrnehmung der Marke Leysieffer haben wir einen sehr intensiven Investorenwettbewerb erlebt“, sagt Sachwalter Meyer. Fast ein Dutzend Interessenten hätten unverbindliche Angebote abgegeben, hatte er bereits im September gegenüber der WirtschaftsWoche erklärt.

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