NFTs für Kunstwerke Diese Kölner Firma entwickelt eine Krypto-Plattform für Künstler

Quelle: PR

Picanova aus Köln produziert Fotoleinwände und Wanddekorationen und steckt hinter der Firma „MeinFoto“. Nun will das Unternehmen auf den Hype rund um NFTs aufspringen – und junge Kunst einmalig machen.

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Ein Name auf der Kaffeetasse, das Urlaubsbild auf dem Kopfkissenbezug oder das Landschaftspanorama auf Acrylglas – bei Fotoplattformen im Internet können sich Kunden ihre Motive überall draufdrucken lassen. Ein Kölner Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren still und heimlich an die Spitze des Marktes gesetzt, ist mittlerweile in 25 Ländern vertreten und macht eigenen Angaben zufolge über 180 Millionen Euro Umsatz. Picanova heißt die Firma, die die meisten Menschen eher durch die Marke „MeinFoto“ kennen dürften – eine dieser Webseiten, bei der man eben alles auf alles drucken kann. Neben dem Privatkundengeschäft bietet sie ihre Dienste auch für große Retailer wie Aldi oder Lidl an, wo sie eigenen Angaben zufolge den Fotoservice übernimmt.

Um sich abzuheben von der Konkurrenz will Picanova nun in eine neue Welt einsteigen: die der NFTs. Die Abkürzung steht für den englischen Begriff „non-fungible token“ und bedeutet soviel wie nicht ersetzbare Wertmarke oder nicht ersetzbares Zertifikat. Menschen können einen solchen NFT im Internet beispielsweise für Kunstwerke, GIFs, Bilder oder Musik erwerben. Ihnen gehört dann das Original wie ihnen sonst ein Monet oder ein Picasso gehört hätte. Kopien oder Poster davon kann dann jeder besitzen, man selbst aber hat das Original gekauft.

Der Unterschied zwischen einem NFT und einem analogen Kunstwerk: Die Kunst findet in den allermeisten Fällen nur digital statt, weshalb ein JPEG im Original eben genau so aussieht wie eine Kopie, anders als bei einem Ölgemälde und dessen Posterkopie. Gespeichert wird ein solcher NFT auf der sogenannten Blockchain, einer Aneinanderreihung von Blöcken, die wie ein großes dezentrales Hauptbuch funktioniert: Jeder angeschlossene Rechner speichert neue Informationen und soll sie so fälschungssicher machen.

In den vergangenen Monaten hat das Thema NFT einen riesigen Hype erlebt und wer früh dabei war als Künstler, der konnte schnell Millionen scheffeln. Beispiel Mike Winkelmann: Der Künstler postete 5000 Tage am Stück ein Foto von sich, die er dann in einem digitalen Werk zusammenfügte. Das Auktionshaus Christie’s verkaufte diese Sammlung für 69 Millionen US-Dollar und machte ihn damit quasi über Nacht reich. Auf den Hype folgte die Ernüchterung: Anfang Mai brach der Markt für NFTs stark ein, was das „Wall Street Journal“ fragen ließ: Ist das das Ende der NFTs?

Ausgerechnet in dieser Marktphase will Felix Habermeyer mit seinem ganz eigenen NFT-Projekt durchstarten. Der Mann ist für die neuen digitalen Projekte bei Picanova zuständig, also alles außerhalb der klassischen „Druckbude“, wie er sagt. Vor etwa vier Monaten kam die Idee auf, sich mit NFTs auseinanderzusetzen, mittlerweile steht ein erstes Projekt, das langfristig auch ein paar Millionen Euro einspielen soll. Gemeinsam mit dem Berliner Start-up „License.rock“ arbeitet das Kölner Unternehmer an einer Plattform, auf der Künstler ihre analoge Kunst per NFT fälschungssicher machen können.

Künstler sollen über die Plattform ihre Kunst verkaufen, beispielsweise große Fotoleinwände oder aber auch kleine Kaffeetassen mit Bildern darauf. Dazu gibt es für den Käufer oder die Käuferin einen QR-Code auf dem physischen Produkt, der dann auf einen NFT verweist und zeigt: Das ist echt. „So können die Fans jederzeit sicher sein, dass das Merchandise echt ist und wenn sie es eines Tages weiterverkaufen wollen, können sie das mit dem NFT auch beweisen“, erklärt Habermeyer von Picanova.

Neben dem Merchandise sieht er auch noch einen Markt für hochwertige Produkte, beispielsweise Acryl-Fotoleinwände für mehrere hundert Euro das Stück. Auch hier kann der Künstler ein Echtheitszertifikat mitliefern, dass die Kunden sich in die digitale Geldbörse legen sollen, um dann beweisen zu können: Das Bild, das ich hier habe, das ist wirklich von Künstler A oder Künstler B.

Angeboten wird alles Technische von Picanova und ihrem Berliner Partner. Das heißt, der Kunde muss sich nur auf der Plattform anmelden und keine Ahnung von digitalen Geldbörsen (Wallets), NFT oder sonstigen technischen Details haben. Auch bezahlt wird, anders als sonst bei NFT, nicht mit Kryptowährungen, sondern ganz normal über Paypal oder Kreditkarte. „Wenn man die Menschen dazu bewegen will, sich mit digitaler Kunst auseinanderzusetzen, dann muss man die Hürden niedrig setzen, sonst hat man gar keine Chance“, sagt Habermeyer.

Über 200 Anmeldungen von Künstlern haben sie für die Plattform bereits, die in wenigen Wochen an den Start gehen soll. Das sei nun nicht spektakulär, aber gut für den Anfang. Langfristig sollen es mehr Künstler und damit auch Kunden werden, die dann vielleicht nicht nur bei einem, sondern gleich mehreren Künstlern einkaufen. Fünf bis zehn Millionen Euro will Habermeyer über Verkaufsprovisionen verdienen, im zweiten Jahren vielleicht auch 10 oder 15 Millionen Euro. „Wenn dann die Künstler ihre Community mitbringen und die wiederum auf der Plattform einkaufen, dann sprechen wir von spannenden Umsatzgrößen“, sagt Habermeyer.

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Langfristig überlegen sie, ob sie auch den Handel unter den Nutzern mit NFT ermöglichen wollen. Dass aber ist regulatorisch kompliziert, weshalb sie das Thema zunächst vertagt hätten. Erstmal muss jetzt die Plattform online gehen und müssen die Leute sich für das Thema begeistern. Einer aktuellen Studie des Krypto-Portals Block Builders zufolge kennen sich nur fünf Prozent der Deutschen sehr gut mit NFTs aus. Das ist ein eher überschaubarer Kundenpool.

Lesen Sie auch: Was haben eigentlich Crypto Punks, die Mona Lisa und Fintech miteinander zu tun?

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