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Ökoförderung Effizienzförderung anzapfen - Steuern sparen

Mittelständler, die in Energieeffizienz investieren, verschenken häufig Geld. Wie Unternehmen die richtigen Töpfe anzapfen und zudem Steuern sparen können.

Helmut Leibinger Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche

Ein Saunagang ist nichts dagegen: Wer Zement produziert, braucht dafür extreme Temperaturunterschiede. Denn um den Hauptbestandteil – den Zementklinker – zu brennen, sind höllische 1450 Grad Celsius nötig. „Danach wird er auf rund 100 Grad abgekühlt“, erklärt Helmut Leibinger, Leiter der Anlagen- und Verfahrenstechnik bei der südbayrischen Rohrdorfer-Gruppe. Ein energieintensiver Prozess, den der Baustoffhersteller vor knapp einem Jahr komplett umgestellt hat: Dank eines modernen Wärmetransfersystems wird die beim Kühlen entstehende Abwärme nun für andere Teile des Produktionsprozesses genutzt. Leibinger: „Vorher ist die Wärme nutzlos verpufft.“

Die Ökobilanz der Modernisierung kann sich sehen lassen: Dank der neuen Technik spart Rohrdorfer 20 Gigawattstunden Erdgas pro Jahr – das entspricht dem Verbrauch von 870 Einfamilienhäusern – und bläst 4652 Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre. Die Energiekosten sind um 432.260 Euro pro Jahr gesunken. „Die Investition wird sich deshalb in weniger als drei Jahren amortisieren“, sagt Leibinger. Das System habe 1,2 Millionen Euro gekostet, von denen das Bundesumweltministerium im Rahmen eines Förderprogramms 20 Prozent übernommen habe.

Darlehensprogramme für grüne Investitionen

Der Fall zeigt: Investitionen in die Energieeffizienz können sich sehr schnell rechnen. Ob neue Maschinen, grüne Heiztechniken, moderne Beleuchtungssysteme oder eine Fotovoltaikanlage – wer gezielt modernisiert und dafür auch noch staatliche Fördertöpfe anzapft, kann die Kosten binnen weniger Jahre wieder hereinholen und fortan den Anstieg der Energiepreise gelassener sehen.

Gefährliche Strompreisrallye

Dieser nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Laut Bundesverband der Energieabnehmer zahlten Mittelständler im Januar 4,5 Prozent mehr für Strom als ein Jahr zuvor. Deutsche mittelgroße Unternehmen tragen mit 14,5 Cent je Kilowattstunde die mit Abstand höchste Belastung in Europa, wie die Energieberatung ECG mit Sitz im baden-württembergischen Kehl berechnet hat – ein Wettbewerbsnachteil.

Schutz vor der Preisrallye bieten die eigenständige Produktion von Strom und Wärme oder eben Energiesparprogramme. Viele Unternehmen verschenken Geld, weil sie staatliche Fördermöglichkeiten nicht ausschöpfen. Nur 20 Prozent der Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren Fördermittel in Anspruch genommen, ergab eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfung und Beratung Ernst & Young. Gerade kleinen Mittelständlern sei das Antragsverfahren „häufig zu kompliziert“. Im deutschen Mittelstand seien Kenntnisse über Fördermöglichkeiten und Antragsverfahren „sehr schwach ausgeprägt“, bestätigt Britta Seidl-Bowe, Senior-Beraterin bei der Hamburger Beratungsgesellschaft für Finanzwirtschaft und Wirtschaftsförderung Evers & Jung.

Für jeden etwas dabei

Ein unnötiges Versäumnis. Denn aus den zahlreichen Angeboten von Staats- oder Regionalbanken, Ministerien und Kommunen das richtige Programm herauszufiltern ist nicht so kompliziert. So betreibt das Bundeswirtschaftsministerium die Internet- Seite www.foerderdatenbank.de, auf der Unternehmer mit ein paar Klicks eine Liste von Programmen finden, die für ihr Vorhaben und an ihrem Standort zur Verfügung stehen. „Wer in Energieeffizienz investieren will, sollte die Datenbank des Ministeriums nutzen und intensiv nach Fördermöglichkeiten suchen“, rät Marion Sangen-Emden, die als Partnerin bei der Großkanzlei Heuking in Düsseldorf Mittelständler berät. „Die passenden Angebote sind einfacher zu finden, als viele glauben.“

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