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Oetker-Familie „Ich bin sehr froh, dass der Streit jetzt beendet ist“

Quelle: imago images

Nach jahrelangem Konflikt wurde der Oetker-Konzern im November aufgespalten. Aus Sicht von Unternehmerlegende Arend Oetker ist das die beste Lösung. Sein Familienzweig hat eine Trennung von Oetker schon hinter sich.

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Der Scheidungskrieg zog sich über Jahrzehnte hin, doch nun ist die Trennung besiegelt: Im November haben die Eigentümer des Oetker-Konzerns das Bielefelder Traditionskonglomerat in zwei Teile zerlegt. Die drei jüngeren Oetker-Erben übernehmen über eine neue Holding acht Unternehmen aus der bisherigen Oetker-Gruppe mit einem Umsatz von zuletzt rund zwei Milliarden Euro. Dazu gehört das Geschäft mit Sekt und Wein mit so bekannten Marken wie „Henkell“ und „Freixenet“. Auch die Martin Braun Backmittel, die Chemische Fabrik Budenheim, einige Häuser aus der Hotelsparte sowie die Kunstsammlung August Oetker gehen an sie. Die übrigen Gesellschafterstämme behalten das klassische Pizza- und Nahrungsmittelgeschäft, die Konditorei Coppenrath & Wiese und die Radeberger Gruppe mit dem jüngst übernommenen Getränke-Lieferdienst Flaschenpost. Dazu kommen noch einige Hotels.

Spaltung statt Einheit, Trennung statt Gemeinschaft - kann das gutgehen? Ja, das kann es, ist Arend Oetker überzeugt. „Ich bin sehr froh, dass der Streit jetzt beendet ist“, sagt der Unternehmer im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“ mit Beat Balzli. Oetker habe schon seit längerem versucht, seinen Bielefelder Verwandten, ins Gewissen zu reden, den Konzern aufzuteilen. Aber vergeblich, es war „irgendwie verharzt“, sagt er. 

Dabei hat der weitverzweigte Oetker-Clan mit Aufspaltungen in der Vergangenheit keine schlechten Erfahrungen gemacht – wie Arend Oetkers eigenes Beispiel zeigt.

Er gehörte zu den „ärmeren Oetkers“, wie es früher gelegentlich hieß, wenn über den Familienzweig seiner Mutter Ursula Oetker gesprochen wurde. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Arend Oetker und seine Familie sind am Saatguthersteller KWS Saat beteiligt, gebieten über die Marmelade-Ikone Schwartauer Werke, den Schweizer Babynahrungs- und Konfitüre-Hersteller Hero und eine Ostseefährlinie. Oetker sammelt Kunst, besitzt Pferde und spendet Millionenbeträge.  

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    Allerdings lief es nicht immer so gut. Ende der 1950er-Jahre trat Oetker-Patriarch Rudolf-August Oetker – intern meist RAO genannt – im Zuge einer Erbschaftlösung eine Reihe von Unternehmensbeteiligungen an seine ältere Schwester Ursula ab. Darunter die Schwartauer Werke, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg zum Oetker-Reich gehörten. Die Firma bei Lübeck war aus einer chemischen Fabrik hervorgegangen und produzierte neben Bohnerwachs auch Kunsthonig und Preiselbeer-Kompott, schreibt Oetker-Biograph Rüdiger Jungbluth. Erst später konzentrierten sich die Schwartauer Werke auf das Geschäft mit Marmelade. 

    Zu den Unternehmen, die damals aus dem Bielefelder Oetker-Verbund herausgelöst wurden, gehörten auch der Safthersteller Altländer Gold und das Nähmaschinenwerk Kochs Adler.  Im Vergleich zum Back- und Puddingpulverimperium der Dynastie fiel das Erbe dennoch überschaubar aus. „Mein Onkel hat mehr geerbt als meine Mutter“, bilanziert denn auch Arend Oetker. Er selbst habe das aber immer so akzeptiert. Wer genügsamer ist, werde letztlich gewinnen, ist der 82-Jährige überzeugt. Zumal Motivation und Ansporn durch die derlei Ungleichbehandlung eher noch wachsen. 

    Nach den Wirtschaftswunderjahren hatten die Beteiligungen des Ursula-Zweigs mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Der junge Arend Oetker, der damals gerade Studium und Dissertation beendet hatte, wollte eigentlich für einige Jahre ins Ausland gehen. Stattdessen kümmerte er sich mit voller Kraft um die Beteiligungen. „Ich musste retten, was zu retten war“, beschrieb er die Lage später einmal gegenüber der „WirtschaftsWoche“. 

    Mit 28 Jahren startete er seine Karriere als Sanierer. Er verkaufte den Saftproduzenten Altländer Gold und steuerte bei Kochs Adler um. Das Unternehmen konzentrierte sich auf die Produktion von Spezialnähmaschinen, wurde später aber ebenfalls verkauft. Auch für die Schwartauer Werke setzte Arend Oetker auf eine neue Strategie. Nischensparten wie die Bonbonproduktion wurden aufgegeben, das Marmelade-Business stattdessen ausgebaut. Die Schwartauer Werke übernahmen kleinere Nahrungsmittelfirmen, um auch im Pflaumenmus- und Nussnougatsegment mitzuspielen. Der Neuanfang gelang. 

    140 Millionen Gläser Konfitüre und circa 375 Millionen Müsliriegel

    Das Geschäft nahm wieder Fahrt auf und Oetker hatte mehr Zeit für politisches Engagement in Wirtschaftsverbänden – und für den Aufbau seiner Kunstsammlung. Später steuerte er die Sanierung des Stahlkonzerns Otto Wolff, der zum Reich seines damaligen Schwiegervaters, Otto Wolff von Amerongen, gehörte.

    Von Amerongen habe ihn geprägt, ebenso wie sein Onkel, der Oetker-Patriarch Rudolf August Oetker, verrät Arend Oetker im Podcast. Letzterer sei für ihn ein unternehmerisches Vorbild gewesen. RAO habe „nie alle Eier in einen Korb“ gelegt, sondern den Oetker-Konzern stark diversifiziert. Ähnlich hielt es der Neffe mit seinen Beteiligungen. 

    Als es beim Stahlkonzern Otto Wolff wieder lief, wurde die Unternehmensgruppe an den Branchenriesen Thyssen Krupp verkauft. Die Familie stieg beim Saatgutproduzenten KWS Saat ein und übernahm den Schweizer Lebensmittelhersteller Hero, eine Art Nationalheiligtum im Nachbarland, wenngleich die Firma einst von zwei Deutschen gegründet wurde.  Auch die Schwartauer Werke sind unter dem Dach der Hero AG noch immer ein Kerninvestment von Arend Oetker und seinen fünf Kindern aus zwei Ehen. Das Unternehmen produziert jedes Jahr rund 140 Millionen Gläser Konfitüre und circa 375 Millionen Müsliriegel.

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    Schon vor Jahren hat Arend Oetker damit begonnen, den Firmen-Fundus sukzessive an seine Kinder zu übertragen. Man sollte zu Lebzeiten vererben, empfiehlt der Unternehmer. Nur so könne man selbst gestalten und gemeinsam mit der Familie überlegen, wie es weitergeht. Aktuell kümmere er sich beispielsweise um den Übergang der Ostsee-Fährlinie an seine Nachkommen. Streit gebe es dabei nicht, sagt Oetker. Denn das Erbe sei gut vorbereitet und alle Beteiligten würden das gleiche bekommen. Seine Kinder seien ohnehin etwas weniger risikofreudig als er selbst, attestiert Oetker dem Nachwuchs. Wohl auch deshalb sieht er die Unternehmensgruppe in guter Hand.     

    Die frisch getrennten Bielefelder Oetker-Abkömmlinge scheinen sich die erfolgreiche Entwicklung im Familienzweig von Arend Oetker inzwischen zum Vorbild zu nehmen. Es ist „nicht das erste Mal, dass sich die Oetker-Gruppe in zwei Gruppen mit den Namen Oetker teilt“, gab Albert Christmann, der Chef des Nahrungsmittelkonzerns vor ein paar Wochen im Mitarbeitermagazin Inside zu Protokoll, und: Beide Unternehmensgruppen hätten sich seither „prächtig entwickelt“.

    Mehr zum Thema: Vom Marmeladenfabrikanten zum Chef eines Mischkonzerns mit Milliarden-Umsatz: Wie Arend Oetker ein Firmen-Imperium formte – und es erfolgreich an die nächste Generation übergab. Jetzt den Podcast anhören.

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