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Olymp vor Problemen „Der Arbeitsmarkt in China steht massiv unter Druck“

Olymp: „Der Arbeitsmarkt in China steht massiv unter Druck“ Quelle: dpa

Hemdenspezialist Olymp sorgt sich um seinen Produktionsstandort in China. Den Fabriken dort gehen die Arbeitskräfte aus. Der Mittelständler braucht dringend eine Alternative – doch die sind rar.

Ein Hammer käme ihm gerade recht. Mark Bezner möchte jetzt unbedingt vorführen, wie stabil die Knöpfe seiner teuersten Hemdenlinie sind. Leider hat er kein Werkzeug zur Hand. Also schnappt er sich spontan das weiße Shirt und hämmert die Manschette kräftig auf die Tischplatte: „Sehen Sie – alles noch ganz!“

Alles andere wäre allerdings auch peinlich. Denn statt 49 Euro wie für das Standardteil verlangt Deutschlands größter Hemdenhersteller bis zu 119 Euro für ein Exemplar seiner neuen Edelmarke Signature. Da müssen es schon mal echte Perlmutt-Knöpfe sein.

Das Experiment scheint aufzugehen. Handel und Kundschaft nehmen Olymp das Upgrade von der Durchschnitts- zur Edelmarke ab: Im zweiten Halbjahr will Bezner bereits doppelt so viele Signature-Hemden an den Mann bringen wie im Vorjahr. Auf Sicht soll die Linie zehn Millionen Euro umsetzen und als Vorzeigeprojekt am besten die ganze Familienfirma mitziehen.

Deutschlands größte Modehändler

Die ist in einem schrumpfenden Markt erneut gewachsen, der Umsatz betrug zuletzt fast 260 Millionen Euro. Dazu kommt Olymp mit der Expansion ins Ausland weiter voran, noch in diesem Jahr eröffnen weitere Shops in Thailand. Mittelfristig traut sich Bezner sogar zu, in den USA an den Start zu gehen.

Doch weitgehend unbeachtet treibt den ehemaligen Leistungssportler, der das 1951 gegründete Unternehmen in dritter Generation führt, eine Sorge um, ein Problem, das gerade viele Textilunternehmen beschäftigt. Im wichtigen Produktionsstandort China werden Arbeitskräfte rar: „Der Arbeitsmarkt in China steht massiv unter Druck. Den Unternehmen fällt es immer schwerer, die Mitarbeiter in der Textilproduktion zu halten“, sagt Bezner, 55, dunkelblauer legerer Anzug, Händedruck wie ein Schraubstock.

Im vergangenen Jahr habe Olymps langjähriger chinesischer Hemdenfertiger noch im Januar 6500 Mitarbeiter unter Vertrag gehabt. Beendet habe er das Jahr mit gerade mal 4500 Kräften, „und es kommen keine jungen nach“, sagt Bezner.

Noch läuft der Nachschub an Hemden. Doch Schulabgänger und junge Näherinnen hätten längst ganz andere Berufsbilder vor Augen und wollten in anderen Industrien arbeiten, sagt der Olymp-Chef. Bei seiner letzten Reise nach China habe ihm der Geschäftsführer seines wichtigsten Zulieferers sein Leid geklagt. „Wir stehen da vor einer Riesenherausforderung“, sagt Bezner.

China als ausgelagerte Werkbank verliert für deutsche Unternehmen aus der Textilbranche zunehmend an Attraktivität. Die Löhne steigen und damit die Produktionskosten. Seit junge Chinesen eine bessere Zukunft in den Hightechindustrien suchen, droht einer der wichtigsten Standortvorteile Chinas wegzubrechen: „Der Arbeitskräftemangel ist ein großes Problem für alle Unternehmen, die hier fertigen lassen“, sagt Thomas Lange, Geschäftsführer des Modeverbands German Fashion, „es wird immer schwieriger, freie Kapazitäten zu finden.“

Der sich abzeichnende Personalmangel wird deutsche Mittelständler dazu zwingen, sich nach alternativen Produktionsstandorten umzuschauen. Olymp ist da Vorreiter. Denn der Hemdenhersteller wächst kräftig und ist darauf angewiesen, Hemden rechtzeitig und in der richtigen Qualität über den Seeweg geliefert zu bekommen.

Noch ist das Land für Modekonzerne der mit Abstand wichtigste Herstellungsstandort. Allein 2016 exportierte das Riesenreich Textilien im Wert von 105 Milliarden Dollar in die Welt – und Deutschland gehört zu den wichtigsten Abnehmern. Alle lassen hier fast alles produzieren, von Adidas bis Olymp, vom Laufshirt bis zum Oberhemd.

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