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Prämien, Versicherungen, Immobilien Wie Mittelständler Mitarbeiter in China binden

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Auf der Suche nach Spezialisten

Die Arbeitsproduktivität kann allerdings mit diesen Gehaltszuwächsen oft nicht mithalten: Während die Gehälter zwischen 1999 und 2010 um 258 Prozent stiegen, legte die Produktivität in dieser Zeit nur um 167 Prozent zu.

Wegen der chronischen Knappheit an qualifiziertem Personal müssen deutsche Unternehmen in China ungewöhnlich viel Aufwand bei der Rekrutierung betreiben. Schon ab einem relativ niedrigen Qualifikationsniveau der gesuchten Mitarbeiter arbeiten viele Personalabteilungen darum notgedrungen mit Headhuntern zusammen.

Übersicht über die fünf größten Absatzmärkte der deutschen Maschinenbauer (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

„Wir müssen hier Spezialisten aktiv suchen – in Europa geschieht das eigentlich erst auf den höheren Führungsebenen“, sagt Joachim Wehrle von der Personalberatung wpb in Shanghai. Auch Stihl und Delo beschäftigen in China Headhunter. Darüber hinaus präsentiert sich Stihl auf Jobbörsen und bei den Hochschulen, um den Nachwuchs direkt auf dem Campus zu rekrutieren.

Mit dem erfolgreichen Rekrutieren ist es allerdings in der Regel noch nicht getan. Einmal gefunden, müssen die Unternehmen die Neulinge in aufwendigen Schulungen aus- und weiterbilden, manchmal sogar am Stammsitz in Deutschland. Bei Delo etwa bekommen Neueinsteiger eine zwei- bis dreimonatige Schulung in der Zentrale in Bayern.

Kaum Chancen auf erfolgreiche Klagen

Um die fachlichen Defizite bei den jungen, meist ehrgeizigen und fleißigen Chinesen auszugleichen, hat die deutsche Wirtschaft unter Federführung der AHK in Shanghai vor Kurzem damit begonnen, in China das duale Ausbildungssystem einzuführen, vor allem für handwerkliche Berufe wie Mechatroniker. Beim theoretischen Teil arbeiten die Deutschen eng mit den Hochschulen zusammen. Den praktischen Teil erledigen die beteiligten deutschen Betriebe.

Die kostet die Ausbildung eines chinesischen Lehrlings im Schnitt rund 250 Euro im Monat. Der Auszubildende muss sich verpflichten, nach dem Abschluss mindestens zwei Jahre in dem Betrieb zu arbeiten. Geht er früher, muss er die Ausbildungskosten zurückzahlen.

In der Praxis verhindert das allerdings nicht, dass hin und wieder doch ein Absolvent vorzeitig ausscheidet, wenn etwa bei der Konkurrenz ein höheres Gehalt winkt. Das unterentwickelte Rechtssystem kommt den jungen Leuten dabei entgegen: Auch wenn es in den vergangenen Jahren einige Verbesserungen gegeben hat, stehen die Chancen deutscher Unternehmen, die gegen Chinesen klagen, vor Gericht oft schlecht.

Gewaltiger Ansturm auf Ausbildungsstellen

Gerade haben die ersten 50 chinesischen Azubis ihre deutsche Lehre abgeschlossen. So hat Stihl sechs Leute zum Industriemechaniker ausgebildet. In der Größenordnung soll es auch in Zukunft weitergehen. Die Hälfte der Ausbildungsplätze bietet das Unternehmen vielversprechenden jungen Leuten an, die heute schon bei Stihl arbeiten.

Der Ansturm im ersten Jahrgang war gewaltig: Für die drei Plätze haben sich 30 Mitarbeiter beworben. Die übrigen Lehrstellen besetzt Stihl mit geeigneten Schülern, die mindestens die mittlere Reife sowie den bestandenen Aufnahmetest für die Fachhochschule in Jinan bei Qingdao mitbringen müssen.

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