WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Prämien, Versicherungen, Immobilien Wie Mittelständler Mitarbeiter in China binden

Seite 2/4

Schwierige Mitarbeitersuche

Mit einem Handelsvolumen von 140 Milliarden Euro ist Deutschland derzeit Chinas größter Handelspartner in Europa. Deutschlands Unternehmer sind dabei immer noch optimistisch, so eine AHK-Umfrage in China. So erwarten beispielsweise drei Viertel der befragten deutschen Unternehmen, die in China in der Automobilbranche aktiv sind, weiter ein stabiles Geschäft.

Eines des Unternehmen, das vom stetigen Aufstieg Chinas kräftig profitiert, ist auch Delo Industrie Klebstoffe. Das Familienunternehmen mit Sitz in Windach westlich von München stellt mit 420 Mitarbeitern Spezialkleber her, wie sie beispielsweise in Smartphones, Laptops sowie Spielkonsolen, aber auch in der Autoindustrie zum Einsatz kommen. 2013 entschied sich Inhaberin Sabine Herold, eine Tochtergesellschaft in Shanghai zu gründen. Zu schnell war der Absatz in China in den Jahren zuvor gewachsen. Da reichte es aus ihrer Sicht nicht mehr, nur aus Deutschland zu exportieren.

Um das sensible Know-how zu schützen, fertigt Delo seine Klebstoffe zwar immer noch in Deutschland. Doch in Shanghai kümmern sich nunmehr bereits zehn Mitarbeiter um den Vertrieb in China. Das Geschäft dort wächst jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent und trägt mittlerweile fast ein Fünftel zum Jahresumsatz der Bayern von zuletzt fast 60 Millionen Euro bei.

Schlechte Bildung bei Absolventen

Eine erfreuliche Entwicklung, wäre da nicht das Problem mit der Mitarbeitersuche. „Die gestaltet sich schwierig“, sagt Herold. Zwar werde viel über die angeblich riesige Zahl von verfügbaren Fachkräften in China geredet, sagt die Delo-Chefin. „Aber deren technisches Verständnis entspricht oft nicht unseren Anforderungen.“ Aus den Zeugnissen ist dies aber fast nie ersichtlich.

Die Folge: Will Delo in China einen neuen Mitarbeiter einstellen, muss das Management ungewöhnlich viele Bewerbungsgespräche führen. Kann Herold nicht selbst vor Ort sein, lässt sie sich per Videokonferenz zuschalten.

Zwar spuckt das chinesische Bildungssystem mittlerweile jedes Jahr sieben Millionen Universitätsabsolventen aus, viermal so viele wie noch vor zehn Jahren. Das liest sich allerdings auf dem Papier besser, als es in der Realität ist. Der Ausbildungsgrad der Absolventen ist nicht mit dem in Europa zu vergleichen. Nicht nur einmal hat Herold in China erlebt, dass ein Bewerber eine technische Zeichnung mehrfach gedreht hat, weil er nicht so recht wusste, wo oben und unten ist. „Ein guter deutscher Geselle ist einem chinesischen Ingenieur oftmals voraus“, hat die Delo-Chefin festgestellt.

Die Zahl der Hochschulabsolventen in China

Zu viel Auswendiglernen

Ähnliche Erfahrungen hat auch Stihl-Ausbildungsleiter Sturm gemacht. Auf eine Facharbeiterstelle bewerben sich bei ihm zwar in der Regel 100 Kandidaten. Allerdings erfülle dabei fast keiner die erforderlichen Voraussetzungen, berichtet Sturm. Den jungen Hochschulabsolventen fehle es vor allem an der Fähigkeit zur Problemlösung, außerdem hätten sie meist kaum praktische Erfahrung.

Delo-Inhaberin Herold kritisiert den noch immer viel zu hohen Stellenwert des Auswendiglernens in chinesischen Schulen und Hochschulen: Das Verstehen, Kombinieren und kritische Hinterfragen komme darüber zu kurz, „dabei braucht man gerade diese Fähigkeiten für eine Innovationskultur“.

Weil gute Leute aber knapp sind, steigen die Löhne in China trotzdem jedes Jahr quer durch alle Branchen um durchschnittlich zehn Prozent. Bei Stihl in Qingdao verdient ein ungelernter Arbeiter, der neu einsteigt, umgerechnet rund 250 Euro. Vor zehn Jahren wäre es lediglich halb so viel gewesen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%