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Produktionsplus erwartet Maschinenbauer trotzen der Eurokrise

Geht es nach den Maschinenbauern, wird 2012 ein gutes Jahr. Die Auftragsbücher der Werkzeugmaschinenbauer sind gut gefüllt - schwierig bleibt dagegen das Geschäft der Druckmaschinenhersteller.

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Dank prall gefüllten Auftragsbüchern herrscht bei den Maschinenbauern trotz Wirtschaftskrise Optimismus. Quelle: dapd

In den Führungsetagen von Trumpf herrscht gute Laune. Vor wenigen Tagen konnte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller den höchsten Umsatz in der Geschichte des größten Werkzeugmaschinenbauers  Deutschlands melden. Um 15 Prozent stiegen die Verkäufe im Geschäftsjahr 2011/12 auf 2,33 Milliarden Euro. Schon im Vorjahr hatte Trumpf  um 50 Prozent zugelegt. Auch beim Auftragseingang legte das Familienunternehmen aus Ditzingen bei Stuttgart zu. Leibinger-Kammüller geht davon aus, dass Trumpf auch im kommenden Jahr weiter wachsen wird. „Fragen Sie mich nicht, in welcher genauen Höhe“, sagt die Trumpf-Vorfrau und verweist auf die fast wöchentlich wechselnden Auftragseingänge. Seit Jahresanfang sei die Verunsicherung der Kunden über die Konjunktur in China oder die Eurokrise verstärkt zu spüren.

Optimismus herrscht auch bei Gildemeister. Der Produzent von Bearbeitungsmaschinen und Energietechnik  mit einem Umsatz von 1.688 Millionen Euro im vergangen Jahr legte beim Auftragseingang in den Monaten April bis Juni sogar noch mal um 11 Prozent zu. Der Auftragsbestand des Bielefelder Unternehmens betrug damit zum Ende Juni 1.080 Millionen Euro, vierzig Prozent mehr als zum Vorjahreszeitraum. Gildemeister-Vormann Rüdiger Kapitza erwartet für  dieses Jahr einen Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro, ebenso hoch wie im Rekordjahr 2008. Doch auch Kapitza sieht die Konjunktur durch die Euro-Schuldenkrise belastet.

Deutschlands größte Werkzeug-Maschinenbauer
Platz 10: Niles-Simmons Quelle: dpa.
9. IndexDie Index-Gruppe gehört gemeinsam mit dem Tochterunternehmen Traub zu den führenden Herstellern von CNC-Drehmaschinen. Firmensitz ist Esslingen in Baden-Württemberg. Das Unternehmen blickt wie viele schwäbische Maschinenbauer auf eine lange Tradition zurück. Hermann Hahn legte 1914 den Grundstein und begann mit der Produktion von Revolverdrehautomaten. Heute zählen zu den Hauptabnehmern von Index-Drehmaschinen die Automobil- und Automobilzulieferindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und Elektronikindustrie sowie Hersteller in der Fluidtechnik und dem Armaturenbau. Die Index-Gruppe setzte im Jahr 2012 432 Millionen Euro um (Vorjahr: 450 Millionen) und beschäftigte 2.100 Mitarbeiter. Quelle: Pressebild
Platz 9: Emag Quelle: pr
Platz 7: Körber - Schleifring-GruppeSchleifring gehört zum weltweit tätigen Körber-Konzern, der 30 internationale Technologieunternehmen unter seinem Dach vereint. Die Abnehmer der Schleifmaschinen stammen aus den Branchen Automobilindustrie und Zulieferer, Werkzeugindustrie, Kraftwerkturbinenbau, Werkzeug- und Formenbau, Medizintechnik, Maschinenbau, Uhrenhersteller sowie der Turbinenindustrie. Zu den größten Abnehmermärkten gehören, nebst Westeuropa, Asien (inklusive China) sowie Amerika. 2012 setzte die Schleifring-Gruppe 530 Millionen Euro (Vorjahr: 470 Millionen Euro) und beschäftigte 2200 Mitarbeiter. Quelle: Presse
Platz 5: Heller Quelle: Pressebild
Platz 5: GrobDas Unternehmen Grob mit Stammwerk in bayerischen Mindelheim produziert in Sao Paulo, Brasilien, im amerikanischen Bluffton/Ohio und im neugebauten Werk in Dalian in China. Eigene Service- und Vertriebsniederlassungen unterhalten die Mindelheimer unter anderem in Beijing, Shanghai und Mexiko. Seit Firmengründung im Jahr 1926 ist Grob im Familienbesitz und wird heute in dritter Generation geführt. Weltweit beschäftigt der Maschinenbauer rund 4.000 Mitarbeiter. 2012/2013 erwirtschaftete das Unternehmen 650 Millionen Euro (Vorjahr: 600 Millionen Euro). Quelle: Pressebild
Platz 6: MAG Europe Quelle: pr

Volle Auftragsbücher sorgen für positive Erwartungen

Die Lage bei Trumpf und Gildemeister ist bezeichnend für die Situation im deutschen Maschinenbau. „Wir hatten im ersten Halbjahr ein Plus von 25 Prozent bei den Bestellungen, aber seit drei Monaten verlangsamt sich das Wachstum“, sagt Björn Kemper, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Herstellers von Schweiß- und Blechbearbeitungsanlagen sowie Energietechnik. Auch für das kommende Jahr erwartet der Familienunternehmer mit etwa 300 Mitarbeitern, dass es weiter aufwärts geht.

Tatsächlich strotzt die Branche vor Zufriedenheit. Christian Lindner, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer erklärt die Ruhe der Maschinenbauer trotz der weltweiten konjunkturellen Verwerfungen kurz und knapp: „Wir sind eben selbstbewusster.“  Sicher ist: Die Märkte helfen dabei. Immer wenn  irgendwo ein Markt schwächer ausfalle, stellt Lindner fest, überrasche eine Region mit guten Zahlen. So seien die Zuwächse in den USA doppelt so hoch wie die Rückgänge in China. „Die USA sind die große Überraschung“, sagt Lindner“, niemand hätte das erwartet.“ Aber auch die Asean-Staaten wie die Philippinen, Thailand oder Indonesien hätten im vergangenen Jahr um 24 Prozent zugelegt.

Die meisten Unternehmer und Manager dürften zu dem Maschinenbaugipfel, der am Dienstag in Berlin beginnt, mit nur leicht eingetrübtem Optimismus kommen. Der allgemeinen konjunkturellen Stimmung, die weltweit eher trist und in Deutschland mit einem möglichen Plus für 2012 von nur einem Prozent gedämpft ist, stehen die positiven Erwartungen der meisten Maschinenhersteller entgegen. Immerhin geht der Maschinenbauverband VDMA für dieses wie auch für das kommende Jahr von einem Wachstum von zwei Prozent aus. Die Auftragsbücher sind noch gut gefüllt und reichen für fast ein halbes Jahr. Auch die Umsätze steigen Monat für Monat noch an. Aber die Kurve ist flacher geworden.

Dicke Auftragspolster

Welche Maschinen uns das Leben erleichtern
Sie ist zwar von ihrer Größe her nichts besonderes, dafür soll die Gurkenvollerntemaschine künftig jedes Jahr 40.000 Tonnen Gurken ernten. Am Montag wurde der neue Erntehelfer, der die Kosten für die Gurkenernte drastisch reduzieren soll, im Spreewald vorgestellt. Quelle: dpa
Tunnelbohrmaschine von Herrenknecht Quelle: Pressebild
Antonow AN 225 Quelle: MilborneOne
Roboter vom Typ Titan Quelle: dpa
Bagger 293 Quelle: Elsdorf-blog.de
Emma Maersk Quelle: dpa/picture-alliance
Muldenkipper T282 Quelle: René Engel

Das große Thema auf dem diesjährigen Maschinenbaugipfel ist der Energiesektor. Die Industrie hatte schon früh auf die  Energiewende gesetzt. Jetzt erlebt sie den Einbruch der Solar- und Windtechnik. „Die Bestellungen aus der Branche gehen spürbar zurück“, sagt Rainer Hundsdörfer, Vorsitzender der Geschäftsführung des Ventilatorherstellers ebm-Papst. Hinzu kommt die Frustration über eine Energiepolitik, die die Großverbraucher zunehmend belaste. Und es geht die Angst um, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben, wenn die Energiepreise wegen neuentdeckter Gas- und Ölressourcen wieder sinken. Lindner. „Das würde alle langfristigen Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Energiewende zu Makulatur werden lassen.“

Gut läuft es nach wie vor bei den Herstellern von Chemieanlagen, die von den langen Abwicklungszeiten bei Großprojekten aus den Schwellenländern profitieren und für dieses Jahr mit mehr als zehn Prozent Zuwachs rechnen. Auch das Geschäft mit Bergbaumaschinen blüht wegen des wachsenden Rohstoffhunger der Schwellenländer. Und die Kernbranche des Maschinenbaus, der Werkzeugmaschinenbau, findet für seine Pressen und Bearbeitungsmaschinen genügend Abnehmer. Das Problem: Viele Maschinenbauer leben von der Vergangenheit, von den dicken Auftragspolstern, die sich nach der Krise vor allem wegen der ausgeräumten Lager  aufgebaut hatten oder wegen langer Projektvorläufe.

Maschinenbau macht Kasse in China
Voith Quelle: dpa
Knorr-Bremse Quelle: dpa
Schuler Quelle: dpa
Manz Quelle: PR
Waldrich Siegen Quelle: Screenshot
MAG

Druckmaschinenbauer schwächeln

Schwierig ist das Geschäft dagegen für die Druckmaschinenbauer. In der Traditionsindustrie überlagert die strukturelle Branchenkrise die Konjunktur. Das Internet und die neuen digitalen Drucktechniken, wie sie in den copy shops zu finden sind, machen den klassischen Herstellern wie Heidelberger Druckmaschinen oder Manroland in Offenbach und Augsburg das Leben schwer.

In Arbeit
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Der deutsche Maschinenbau lebt zu über 75 Prozent vom Export. Sorgenkind das Geschäft in Südeuropa, das seit langem rückläufig ist.

Tatsächlich erinnert die Situation der Branche an einen Tanz auf dem Eis. Solange das Vertrauen der Finanzmärkte in die Währungen nicht vollends erodiert und es nicht zu einer Implosion in China kommt, sieht die aktuelle Situation fast glänzend aus und die Zukunft alles andere als trübe. „Es könnte so schön sein, wenn es nicht diese wirtschaftspolitischen Unsicherheiten gäbe“, sagt Mittelständler Kemper. 

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