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Ranking Die 100 innovativsten und nachhaltigsten Familienunternehmen

Stapel von Büchern aus dem Klett-Verlag Quelle: PR

Eine exklusive Studie kürt 100 Familienunternehmen als besonders innovativ und nachhaltig. Die Sieger sind lange Jahre erfolgreich – und geben der Gesellschaft etwas zurück.

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Die Produkte des Stuttgarter Ernst-Klett-Verlags sind weder glamourös noch besonders beliebt, zumindest nicht bei Schülern. Eine Schulbuchreihe für die Klassen 1 bis 4 trägt den Namen „Zebra“ („Sprache/Lesen/Schreiben“); die Fremdsprachenbücher heißen „Green Line“ und „Découvertes“. Lehrern geben sie Orientierung. Sie laden Lernmaterial im „E-Course“ runter, tauschen sich im „Zebra-Blog“ über Neues an Grundschulen aus. „Der Blog wurde während des Distanzunterrichts stark genutzt“, sagt Tilo Knoche, 55, Chef des Ernst-Klett-Verlags.

Knoche sieht gerade das digitale Geschäft aufgrund der Pandemie stärker in den Fokus gerückt: „Wir sind schon lange kein Schulbuchverlag mehr, wir sind ein Bildungsmedienverlag.“ Der Verlag biete 16 verschiedene Medienarten an, „das Schulbuch ist nur eines davon“.

Wenig aufreizende Produkte, starke Verbreitung, relevante Anwendungen: Damit steht die Klett-Gruppe, zu welcher der Ernst-Klett-Verlag gehört, prototypisch für viele familiengeführte Mittelständler – und deren Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Familienunternehmen mit 250 Millionen bis einer Milliarde Euro Umsatz, sozusagen der ökonomische Mittelbau, stehen außerhalb ihrer Branchen eher selten in der ersten Reihe – und tragen doch wesentlich zum Wohlstand bei.

Methode

Das Düsseldorfer Marktforschungsinstitut Innofact hat für die WirtschaftsWoche nun zum zweiten Mal die besten dieser mittelgroßen Familienfirmen ermittelt. Rund 1300 Menschen hat Innofact dazu befragt, nach Kriterien wie Vertrauen, Qualität, Innovation, Nachhaltigkeit und Image (siehe Kasten zur Methode).

Die Stuttgarter Klett-Gruppe konnte die Befragten am meisten überzeugen. Rund 900 Millionen Euro Umsatz verbuchte sie im vergangenen Jahr, mit ihren insgesamt 80 Unternehmen. Zu den bekanntesten zählen der Belletristikverlag Klett-Cotta, der etwa die „Herr der Ringe“-Bücher publiziert, sowie der von Tilo Knoche geführte Bildungsmedienverlag. „Wahrscheinlich sind fast alle Menschen in Deutschland, die auf einer Realschule oder einem Gymnasium waren, im Laufe ihres Lebens mal mit dem Ernst-Klett-Verlag in Berührung gekommen“, sagt Knoche.

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Standort erkennen

    Nachhaltigkeit im Erbgut

    Die Innofact-Rangliste gibt auch einen guten Überblick über die Vielfalt des deutschen Mittelstands. Auf den vordersten Plätzen finden sich bekannte Markennamen wie der Sandalenhersteller Birkenstock (gerade an Finanzinvestoren verkauft, deshalb letztmalig auf der Liste), die Schokoladenfabrik Ritter-Sport, Spieleproduzent ‧Ravensburger und die Kaffeemarke Dallmayr, sondern auch Spezialisten wie der fränkische Automobilzulieferer Oechsler und die saarländische Bau-Holding Peter Gross Bau. Sie alle eint das strategische Ziel, Profitabilität und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.

    Die Berliner Mittelstandsholding MBB beispielsweise erklärt die ESG-Kriterien für nachhaltige Investments zu einem festen Kern ihres Geschäftsmodells. Die drei Buchstaben stehen für Umwelt (E wie Environment), Soziales (S wie Social) und nachhaltige Unternehmensführung (G wie Governance). Sie sollen positiv auf die Gesellschaft ausstrahlen. „Das ist bei uns quasi im Erbgut“, sagt MBB-Chef Constantin Mang.

    Das deutlichste Zeichen dafür sind die größten drei der bislang insgesamt sieben Beteiligungen des börsennotierten Unternehmens: Die Delignit AG sieht sich als führender deutscher Anbieter von ökologischen und holzbasierten Werkstoffen für die Auto- und die Bahnindustrie. Aumann liefert seit 30 Jahren Spezialmaschinen für Elektroantriebe, insbesondere für Kraftfahrzeuge. Und die Friedrich Vorwerk KG baut Anlagen für den stark wachsenden Markt für Strom- und Wasserstoffanwendungen.

    Ein Garant für langfristigen Erfolg ist die Ökoausrichtung nicht. Aber die MBB-Führung sieht sich durch die eigene erfolgreiche Firmenhistorie in der Strategie bestätigt. Die Holding wurde 1995 vom ehemaligen Berater Christoph Nesemeier und dem studierten Sozialethiker Gert-Maria Freimuth gegründet; die Gründer halten heute noch 65 Prozent der Aktien. MBB übernimmt mittelständische Unternehmen, deren Inhaber keinen Nachfolger finden. Die Gruppe tut dies nur mit eigenem Geld – und nicht, wie Private Equity-Fonds, mit Fremdkapital aus Krediten, deren Kosten dem übernommenen Unternehmen aufgebürdet werden und die nach wenigen Jahren getilgt werden müssen.

    Siegel Familienunternehmen

    Diese Arbeitsweise eines Familienunternehmens ergänzen die Berliner durch die Vorteile einer Börsennotierung. Sie zwingt das Unternehmen MBB dazu, transparent zu berichten – und unter dem Druck der Investoren effizienter zu werden. „Das vereint das beste beider Welten“, sagt Mang.

    Die Kombination erleichtere es ihm und seinem Team, neue Übernahmeziele zu finden. „Unsere Geschäftsberichte zeigen Unternehmern, dass sie uns ihr Lebenswerk und ihre Beschäftigten anvertrauen können“, sagt Mang. Das Prinzip bescherte der Gruppe bislang erstaunlichen Erfolg. MBB wuchs in den vergangenen 20 Jahren von 57 auf 689 Millionen Euro Umsatz und verdiente in 19 Jahren operativ Geld. Zuletzt waren es knapp 50 Millionen Euro Gewinn vor Steuern. Wohl auch deswegen kletterte der Aktienkurs seit 2010 von knapp sieben auf zuletzt gut 120 Euro.

    Auch für Klett stehen die Chancen gut, in Zukunft noch gefragt zu sein. Zwar hat der Bund schon 2018 einen Digitalpakt für die Schulen beschlossen; Ernst-Klett-Chef Knoche aber findet: „Es ist nicht einfach, so eine große Bewegung in Gang zu setzen. Deswegen werden wir auch noch in vier, fünf Jahren über Digitalisierung der Schulen sprechen.“ Das sei „eine Dauerinvestition“ – die dem Verlag weiter Umsatz bringt.

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