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Recruiting So kämpft der Mittelstand um die besten Köpfe

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Eingefahrene Recruiting-Strategien

„Falls dieses Szenario eintritt, steht dem Arbeitsmarkt fast ein Fünftel weniger Menschen zur Verfügung als heute“, sagt Herbert Brücker, Forschungsbereichsleiter am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das die Studie erstellt hat. Wer Jobkandidaten auf sich aufmerksam machen will, muss die konventionellen Wege verlassen und sich etwas einfallen lassen.

Ehrlich werben statt schönreden

„Ohne soziale Medien geht heute nichts mehr bei der Personalsuche“, sagt DGFP-Chefin Heuer. Durch das Internet herrsche eine enorme Transparenz, sodass sich kein Arbeitgeber hinter hehren Worten verstecken könne: „Es fällt schnell negativ auf, wenn ein Unternehmen Werte predigt, aber sie nicht lebt.“

So steht es um die Personalplanung in deutschen Unternehmen

Das Online-Portal Kununu ist für viele Arbeitsplatzsuchende eine der ersten Anlaufstellen, um sich einen Eindruck von den Qualitäten eines potenziellen Arbeitgebers zu machen. „Bewertungen der eigenen Mitarbeiter auf Kununu sind für Bewerber transparenter und glaubwürdiger als Hochglanzbroschüren“, sagt Jörg Bauer, Personalleiter beim Spezialchemiehersteller Altana aus dem nordrhein-westfälischen Wesel. Das Portal hat auch für die Betriebe selbst einen Vorteil: Dort bekommen sie eine ehrliche Rückkopplung ihrer Leute und können Verbesserungspotenziale identifizieren.

Nach Studienabbrechern fahnden

Obgleich die Fachkräftesuche immer schwieriger wird, ändern viele Unternehmen ihre seit Jahren eingefahrenen Recruiting-Strategien nicht, etwa Auszubildende nur frisch von der Schule weg anzuheuern. Das sei ein Fehler, sagt Peter Gronostaj, Projektleiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen. Die rief 2011 mit der Industrie- und Handelskammer das Projekt Switch ins Leben. „Es gibt Studienabbrechern eine zweite Chance durch eine verkürzte Ausbildung“, erläutert Gronostaj.

Das Aachener Projekt Switch Quelle: Presse

Rund 130 Unternehmen versorgt Switch regelmäßig mit Bewerberprofilen, mehr als 170 Studienabbrecher drückten bereits in separaten Klassen die Berufsschulbank. Gestartet wurde mit der Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Inzwischen wurde das Projekt auf weitere Berufe ausgeweitet, vor allem auf Mechatroniker und Industriekaufleute.

Die 55 bisherigen Absolventen zählen zu den Jahrgangsbesten in Nordrhein-Westfalen und sind auf dem Arbeitsmarkt bundesweit begehrt. „Die meisten werden aber von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen und bleiben so auch langfristig in der Region“, sagt Gronostaj. Oliver Grün, Vorstand von Grün Software aus Aachen, hat bisher alle Switch-Auszubildenden übernommen: „Sie sind sehr engagiert.“

Switch stand Pate für inzwischen mehr als zwei Dutzend ähnliche Projekte in ganz Deutschland, beispielsweise YourTurn in Berlin. Auch ein großer Konzern wie der hannoversche Reifenhersteller Continental setzt mit seinem neuen Programm „Vom Umsteiger zum Aufsteiger bei Continental“ verstärkt auf Studienabbrecher.

So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
Segeltörn
Hochseilgarten Quelle: dpa
Innovation Challenge Quelle: Fotolia
Krimi Quelle: Fotolia

Kooperationen mit Fachhochschulen

Es muss nicht immer immer die weltbekannte Technische Uni aus Aachen, Darmstadt oder München sein. Gute Leute gibt es auch an den lange von Personalern stiefmütterlich behandelten Fachhochschulen (FH) in der Provinz. Das nutzen immer mehr vor allem ländliche Unternehmen mit kleineren Personalmarketingbudgets.

Es sei spürbar, dass „Unternehmen unsere Hochschule mehr unterstützen als früher“, sagt etwa Sigrid Neef, Sprecherin der FH Jena. So sponsert zum Beispiel das dort ansässige Unternehmen Asphericon seit Jahren einen Preis für Forschungsarbeiten an der FH. 2011 stiftete der Linsenspezialist für optische Systeme mit rund 100 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund zehn Millionen Euro erstmals zwei Deutschlandstipendien an der FH.

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