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Recruiting So kämpft der Mittelstand um die besten Köpfe

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Provinz als Sprungbrett

„Wir haben kein großes Budget für Personalarbeit“, sagt Thomas Hegenbart, der als Marketingleiter auch fürs Personalmarketing zuständig ist. Statt etwa Anzeigen zu schalten, schickt Asphericon seine Chef-Optikdesignerin als Vortragende in die Fachhochschule.

Gemeinsam mit dem Branchenverband Optonet begleitet das Unternehmen Physik- und Mechatronik-Studenten über drei Semester im Rahmen des sogenannten Master-Plus-Programms durch Fachvorträge und Praktikumsangebote mit neuen Produktionstechniken. Mindestens drei neue Kollegen seien bereits direkt aus diesem Programm rekrutiert worden, freut sich Hegenbart.

Do's & Don'ts im Recruiting

„Bei dem Master-Plus-Programm engagieren sich viele Unternehmen, und deswegen fällt für jedes einzelne mehr ab“, plädiert er für weniger Konkurrenzdenken und mehr Kooperation auch mit Wettbewerbern. Denn gemeinsam könnten sie die Attraktivität von Beruf und Region für Bewerber besser darstellen.

Verbünden mit der Konkurrenz vor Ort

Für mehr Miteinander setzen sich auch Regionalmarketing-Organisationen ein. Vor allem um auch in der Provinz im Wettbewerb um Nachwuchs- und Fachkräfte bestehen zu können, empfiehlt Klaus-Peter Jansen den Arbeitgebern in Ostwestfalen-Lippe, sich stärker zu vernetzen und in der Außendarstellung zu kooperieren.

Der Projektmanager der Regionalförderung Ostwestfalen-Lippe (OWL), eines Zusammenschlusses von sechs Kreisen, der Stadt Bielefeld, regionaler Wirtschaft und Wissenschaft, weiß: „Die Möglichkeit für Unternehmen, kompetente und engagierte Fachkräfte zu rekrutieren, hängt eben auch am Image der Region, vor allem wenn mit dem neuen Job ein Umzug verbunden ist.“

Themenbezogen wirbt die Regionalförderung Projektmittel für ihre Arbeit ein, beispielsweise für die erfolgreiche Bewerbung beim Bundesforschungsministerium zum Spitzencluster „Intelligente technologische Systeme OWL“.

Doch der Praktiker weiß auch: Die Zusammenarbeit mit einem örtlichen Konkurrenten schmeckt nicht jedem Unternehmer. Zumindest einen Erfolg kann er aber schon vorweisen: „Wir verlieren vergleichsweise weniger Fachkräfte als andere Regionen“, konstatiert Jansen.

Konkurrenz belebt auch unter Wirtschaftsförderern das Geschäft. So ziehen jetzt die Kollegen und Unternehmen weiter südlich in Westfalen nach. Die fünf Landkreise Soest, Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Olpe und Siegen-Wittgenstein haben sich zur Südwestfalen Agentur zusammengeschlossen, angedockt sind dort mehr als 170 Unternehmen.

Gemeinsam präsentiert sich die Agentur mit den Unternehmen auf Karrieremessen. Die Personalchefs erklären ihre angebotenen Jobs und die Agenturmitarbeiter beschreiben, wie es sich in der Region lebt und was sie zu bieten hat.

„Hier sitzen tolle Unternehmen wie Falke, Veltins, Warsteiner und Mennekes, der europaweit den Ladestecker für Elektroautos herstellt“, wirbt Südwestfalen-Agentur-Geschäftsführer Hubertus Winterberg. „Die Bewerber kennen Südwestfalen oft, wenn überhaupt, nur von Wochenendausflügen und fragen sich, was man hier nach 18 Uhr noch machen kann.“

Provinz als Sprungbrett ins Ausland

„Wer will, der kann bei uns auch international Karriere machen“, sagt Winfried Schwarz, für Personal zuständiger Geschäftsführer des Autozulieferers Ejot aus dem nordrhein-westfälischen Bad Berleburg. Mit 2300 Mitarbeitern erzielte Ejot 2013 knapp 340 Millionen Euro Umsatz. „Wir haben 31 Landesgesellschaften, und für unsere Werke in China, Istanbul und Chicago suchen wir immer wieder deutsche Mitarbeiter“, sagt Schwarz. „Mehr Internationalität geht auch bei Unternehmen in einer Großstadt kaum. Zudem bieten wir sichere Arbeitsplätze, das zieht auch Leute aus den Großstädten zu uns zurück.“

Er meint vor allem Gebürtige aus der Region: „Aus Köln, München oder Berlin kommt hier kaum einer freiwillig her“, räumt der Ejot-Chef ein. Auf dem Land herrsche zwar weniger Konkurrenz, aber es stünden auch weniger potenzielle Mitarbeiter zur Verfügung. „Wir fischen den Personalmarkt der gesamten Region ab, aber vor allem um die jungen Leute müssen wir uns aktiv bemühen, uns quasi bei denen bewerben“, sagt Schwarz.

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