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Recruiting So kämpft der Mittelstand um die besten Köpfe

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Vereinbarkeit von Job und Pflege

Potenzielle Mitarbeiter aus den geburtenstarken Jahrgängen der Sechzigerjahre kommen jetzt in das Alter, in dem sie nicht mehr Kindergartenplätze brauchen, sondern kurzfristig Zeit für die Pflege ihrer betagten Eltern. Auch damit können Arbeitgeber punkten. Ein Beispiel dafür ist Catharina Kriegbaum-Kling.

Die Hauptabteilungsleiterin im Finanzbereich beim Familienunternehmen Trumpf im schwäbischen Ditzingen arbeitet seit Mitte 2014 nur noch 80 Prozent, um mehr Zeit für ihre Eltern zu haben, der Vater wird dieses Jahr 90. Trumpf macht es ihr und den etwa 5000 Mitarbeitern in Deutschland möglich – mit entsprechender Gehaltsanpassung.

Hilfreich für die Beschäftigten ist, wenn Unternehmen für solche Situationen vorgesorgt haben. OKE, ein Hersteller von technischen Kunststoffkomponenten für die Auto- und Elektroindustrie aus dem Tecklenburger Land mit 150 Millionen Euro Umsatz und 1450 Mitarbeitern, hat eine Kollegin zur Pflegelotsin ausbilden lassen. Sie kennt sich mit Pflegediensten und Heimen aus und unterstützt die Mitarbeiter in Notsituationen, etwa dann, wenn ein Elternteil sehr schnell einen Heimplatz benötigt.

Für die Unternehmen lohnt sich die Investition in die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege nicht nur in puncto Arbeitgeberattraktivität, sie spart auch Geld. Die Unvereinbarkeit von Job und Pflege zieht im Durchschnitt für das Unternehmen für jeden betroffenen Arbeitnehmer vermeidbare Mehrkosten von mehr als 14.000 Euro im Jahr nach sich, so eine Studie der Volkswagen Stiftung. Ursachen dafür sind die schlechtere Leistung von Mitarbeitern, die durch die Pflege ihrer Eltern überlastet sind, und der Aufwand für Umorganisation, wenn solche Beschäftigten öfter ausfallen. Insgesamt, so die Studie, kostet das deutsche Unternehmen derzeit jährlich rund 19 Milliarden Euro.

Mittelstand und Weltmarktführer



Blick auf Europa

Immer mehr Personalabteilungen passen ihre Suchstrategien den neuen Verhältnissen auf dem Nachfragermarkt an. Doch auf einem Auge sind viele noch blind, wundert sich Arbeitsmarktexperte Brücker vom Nürnberger IAB: „Die meisten Unternehmen haben den Blick noch nicht auf Europa gerichtet.“

Das liege nicht nur daran, dass die grenzüberschreitende Personalsuche aufwendiger und teurer sei. Die Unternehmen wüssten schlicht zu wenig über die Qualität und Vergleichbarkeit von ausländischen Ausbildungen und Studien. Brücker rät den Personalchefs: „Sie sollten nicht nur die TU Darmstadt mit der RWTH Aachen vergleichen, sondern auch mal die Technische Universität Krakau auf dem Radar haben.“

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