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Resysta Mittelständler erfindet Tropenholzersatz

Niemand kauft gerne Gartenmöbel, für die der Regenwald gerodet wird. Bernd Duna hat einen Ersatzstoff für Tropenholz erfunden - aus Reishülsen. Kunden wie Tchibo, Disney und McDonald’s stehen auf das Öko-Produkt.

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Resysta-Chef und Mitentwickler Bernd Duna. Statt aus Tropenholz fertigt er Gartenmöbel nun aus einem Gemisch aus Reishülsen und Kunststoff. Das Ergebnis sieht bald aus wie Holz und lässt sich auch so verarbeiten. Quelle: imago / hrschulz

Die Luft ist feucht, typisch für Hongkong. Fischerboote steuern langsam auf einen langen Steg zu, der seit zehn Jahren Salzwasser und Sonne ausgesetzt ist. „Die schlimmsten Bedingungen eigentlich“, sagt Bernd Duna, Chef des Gartenmöbelherstellers Münchener Boulevard Möbel (MBM). Doch der Steg, gefertigt aus einem neuen Holzersatzstoff aus Reishülsen, ist weder aufgequollen noch verbogen. „Da wusste ich, dass ich das Richtige gefunden hatte“, sagt Duna: nämlich eine Alternative zum Tropenholz.

Die Kunden seines Unternehmens aus Taufkirchen bei München wollen keine Gartenstühle aus Teakholz mehr auf ihrer Terrasse, für die Regenwald gerodet wird. Und Duna, ein Weltenbummler mit schulterlangem Haar, hat genug von halbseidenen Ökozertifizierungen. „Der Umsatz ging zurück, die Kosten für Holz aus zertifiziertem Anbau explodierten“, sagt er. Duna nimmt sein Geld – mittlerweile ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag – und steckt es in die Weiterentwicklung des Materials aus Hongkong. Er nennt es Resysta.

Wasserfest und splitterfrei

Das war 1996. Bis zur Marktreife dauert es fast zehn Jahre: Duna und der Hongkonger Chemiker und Resysta-Entdecker Antonio Siu verfeinern Verfahren und Optik. Das Material, ein Gemisch aus Reishülsen und Kunststoff, sieht bald wie Holz aus und lässt sich auch so verarbeiten. 2007 verkauft MBM den ersten Stuhl aus Resysta, 2009 die erste Bodendiele. Mittlerweile vertrauen einige McDonald’s-Restaurants bei ihren Außenmöbeln auf Resysta. Tchibo hat in Deutschland 600 Filialen damit ausgestattet. Und bald wird das Disney Resort in Orlando im US-Staat Florida 1000 wasserfeste und lichtbeständige Gartenstühle aus Resysta aufstellen.

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    Das Geschäft mit Gartenmöbeln

    Der Markt ist riesig: Fast 2,5 Millionen Tonnen biobasierte Kunststoffe wurden 2012 weltweit produziert – auch für die Autoindustrie. 2020 könnten es zwölf Millionen Tonnen sein, prognostiziert eine Studie des privaten Forschungsinstituts Nova aus Hürth bei Köln.

    Komplett ohne Holz

    Doch bei den wichtigsten Herstellern wie Timbertechs oder Trex aus den USA kommen in den Verbundstoffen neben Baumwolle noch immer Holzfasern zum Einsatz. Resysta kommt komplett ohne Holz aus. Sie haben es geschafft, Reishülsen und Kunststoff chemisch zu verbinden. 25.000 Tonnen Rohmaterial kann Resysta pro Jahr in seinem Werk in Malaysia herstellen. Es besteht zu 60 Prozent aus Reishülsen, die Duna aus Südostasien bezieht, zu 22 Prozent aus Steinsalzen und zu 18 Prozent aus Erdöl, also Kunststoff.

    In der Gewinnzone

    Rau und faserig fühlt sich das Material an. Doch im Gegensatz zu Holz nimmt das Naturfaser-Kunststoff-Gemisch kein Wasser auf, splittert nicht und ist pflegeleicht.

    Mittelstand und Weltmarktführer



    2010 will Duna expandieren und Industriekunden beliefern und braucht mehr Geld. Mitsamt einem Resysta-Biergartenstuhl marschiert er zu einem Unternehmer-Treff in München. „Wir haben uns alle gefragt, was kommt denn jetzt?“, erinnert sich Alexander Domin, Partner des britischen Finanzinvestors WHEB Partners.

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      WHEB investiert einen hohen siebenstelligen Betrag, Resysta wird 2011 aus MBM ausgegliedert. Die Anteile halten Duna, Siu und WHEB. Heute stellt Resysta nur noch das Rohmaterial her und liefert es Möbelherstellern wie auch der heute von Dunas Bruder Markus geleiteten MBM oder an Baumärkte und Dielenfabrikanten. Die pressen das Gemisch in eigenen Anlagen. „Würden wir alle Produkte selbst herstellen, könnten wir nie so schnell wachsen“, sagt Resysta-Prokurist Roland Stoiber. Der Umsatz verdoppelt sich jedes Jahr – 2014 auf 20 Millionen Euro bei 120 Mitarbeitern. „Wir kommen jetzt in die Gewinnzone“, sagt Duna.

      Mit Großkunden reist der Münchner gerne nach Hongkong und spaziert mit ihnen über den alten Steg: „Dort kann sich jeder selbst überzeugen, was das Produkt kann.“

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