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Schutz vor Ideenklau Wie deutsche Maschinenbauer Produktpiraten bekämpfen

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Konsequent gegen Kopierer

Dennoch versuchen die Produktpiraten immer wieder, auch Neuheiten nachzuahmen. Diese Erfahrung machte Clearaudio Electronic in Erlangen bei Nürnberg. Das Unternehmen mit 45 Mitarbeitern und gut fünf Millionen Euro Umsatz ersann ein neuartiges Magnetlager für Plattenspieler, mit dem sich die Platten vibrationsfrei abspielen lassen, was wiederum den Klang verbessert.

Das sind die Herkunftsländer der Plagiate
Sie haben die Maschinen einfach unerlaubt nachgebaut, Mitarbeiter mit Spezialwissen abgeworben oder Industriespionage betrieben: Produktpiraten machen den deutschen Maschinenbauern das leben schwer. Im Rahmen einer Umfrage gaben von 337 befragten deutschen Maschinenherstellern 71 Prozent an von Produktpiraterie betroffen zu sein. Produktpiraterie zeichnet sich vor allem durch hohe Entwicklungskosten für den Betroffenen und geringe Nachbaukosten für den Stehlenden aus. Die Nachahmer sind dabei meist wenig zimperlich und sie kommen aus der ganzen Welt. Eine Übersicht. Quelle: VDMA Studie Produktpiraterie 2014 Quelle: dpa
Platz 10: RusslandMeistens fällt es den betroffenen Unternehmen selbst auf, in anderen Fällen machen Kunden darauf aufmerksam oder aber man steht erst auf der nächsten Messe vor einem Produkt, das dem eigenen nachempfunden ist. Zwar schützen sich die Unternehmen durch Anmeldung von Schutzrechten, einer sorgfältigen Auswahl von Partnern und strenge Geheimhaltung vor Plagiaten - aber es hilft nicht immer. Fünf Prozent der befragten Unternehmen gaben an, im letzten Jahr Marken- oder Produktpiraterie aus Russland zum Opfer gefallen zu sein. Im Vorjahr waren es nur vier. Quelle: AP
Platz 9: PolenAuch in Polen wird etwas mehr plagiiert: Sechs Prozent der VDMA-Unternehmen haben schon Erfahrungen mit Nachahmern aus diesem Nachbarstaat gemacht. Das Bild vom Nachbarland verschlechtert sich. Bei der Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2012 waren es nur fünf Prozent. Quelle: dpa
Platz 8: USADie USA sind aus Sicht der deutschen Maschinenhersteller nicht nur ein Ort der Innovation, sondern auch der Imitation . Sieben Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer haben schlechte Erfahrungen mit unzulässigen Kopien gemacht. Quelle: Fotolia
Platz 7: SüdkoreaNur noch acht Prozent der Unternehmen machten im letzten Jahr Nachahmungen ihrer Produkte aus Korea aus. In der Vorgängerstudie war das ostasiatische Land noch von zwölf Prozent der Unternehmen genannt worden. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 6: TaiwanEin Zehntel der deutschen Maschinenhersteller gab bei der Befragung 2014 an, von Plagiateuren aus dem Inselstaat Taiwan nachgeahmt worden zu sein. Quelle: AP
Platz 5: ItalienVor unerlaubten Nachbauten aus Italien haben deutsche Firmen nicht ohne Grund Angst: Mit 15 Prozent sehen sich viele Maschinenbauer von Plagiaten aus Italien bedroht - 2012 waren es noch 13 Prozent. Quelle: dpa

Doch dann fand Geschäftsführer Robert Suchy zu seinem Schrecken ein gefälschtes Modell seines Magnetlagers auf einer internationalen Messe in München am Stand eines chinesischen Ausstellers wieder. Suchy erwirkte nicht nur eine einstweilige Verfügung, sodass der unlautere Konkurrent das Teil nicht mehr anbieten durfte. Er schleuste auch einen V-Mann in der Firma des Chinesen ein. Der fand heraus, wann die nächste Lieferung gefälschter Bauteile in Deutschland eintreffen würde. Daraufhin ließ die Zollbehörde den Plagiator hochgehen, der die Bauteile schließlich verschrotten musste.

Häufig lassen sich Fälscher von solchen Aktionen nicht abschrecken, sondern machen unter anderen Namen weiter. Doch Unternehmen, die sich konsequent gegen die dreisten Kopierer wehren, haben gute Chancen, dass die Produktpiraten irgendwann einmal von ihnen ablassen. „Die Zahl der Fälschungen unserer Produkte ist deutlich zurückgegangen“, sagt Markus Beukenberg, Vorstand beim Dortmunder Pumpenhersteller Wilo mit weltweit 7500 Mitarbeitern und gut einer Milliarde Euro Umsatz.

Gefahr für die Reputation

Wilo-Manager Beukenberg hat bereits vor einigen Jahren auf Gegenangriff geschaltet. Die Dortmunder schulten etwa deutsche und chinesische Zöllner, die Echtheit von Wilo-Pumpen zu erkennen: zum Beispiel am charakteristischen Grün, der gewellten Facettenform und dem roten Knopf. Jährlich sorgt Wilo zudem für ein bis zwei Razzien der chinesischen Behörden bei Fälschern.

Mehr als ein Dutzend Prozesse haben die Westfalen schon geführt. Am Ende mussten die Produktpiraten meist zwischen 5000 und 20.000 Euro Schadensersatz leisten – nach chinesischen Maßstäben eine hohe Summe. „Die Fälscher reagieren auf den Verfolgungsdruck“, sagt Beukenberg, „die Prozesskosten schmälern deren Marge, die Veröffentlichung in den chinesischen Medien schreckt zusätzlich ab.“

In Arbeit
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Der Wilo-Vorstand ärgert sich nicht nur über den entgangenen Umsatz, sondern auch über den Reputationsschaden durch die Fälschungen: etwa weil es aus den vermeintlichen Wilo-Pumpen tropft oder sich der Kunststoff der Klemmkästen schnell entflammt. Doch das passiert immer weniger. Denn die Produktpiraten lassen zunehmend die Finger von den Pumpen der Dortmunder.

Das zeigte sich gerade erst wieder auf der internationalen Sanitär- und Heizungsmesse ISH in Frankfurt. Während die Konkurrenten dort mehrere Plagiate entdeckten, tauchte von Wilo-Pumpen keine einzige Fälschung auf.

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