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Schwacher Euro, starker Dollar Deutsche Weltmarktführer profitieren vom schwachen Euro

Ungleichgewicht: Wie sich der schwache Euro auf Deutsche Mittelständler auswirkt. Quelle: Getty Images

Auch eine Folge von Lagardes Geldpolitik: Viele der exportorientierten deutschen Weltmarktführer profitieren vom dauerhaft schwachen Euro und dem starken Dollar. Das zeigt eine exklusive WirtschaftsWoche-Umfrage.

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Deutsche Weltmarktführer profitieren zunehmend vom starken Dollar und dem seit Monaten niedrigen beziehungsweise sinkenden Euro-Wechselkurs. Das ergab eine Umfrage der WirtschaftsWoche. So verbuchte etwa der Darmstädter Pharmakonzern Merck im dritten Quartal wegen „positiver Währungskurseffekte“ 43 Millionen Euro mehr Umsatz (ein Prozent vom Gesamtumsatz); beim Autozulieferer und Verbindungstechnik-Spezialisten Norma aus dem hessischen Maintal (Gesamtumsatz: 952 Millionen Euro) lag das so eingefahrene Umsatzplus bei 0,4 Prozent. Der größte deutsche Chipbauer Infineon (Umsatz: 8,5 Milliarden Euro) erwartet „für jede Veränderung des Wechselkurses vom Dollar zum Euro um einen Cent eine Veränderung des Quartalsumsatzes von rund 15 Millionen Euro“.

Anleger zahlen derzeit so wenig für einen Euro wie seit Sommer vergangenen Jahres: etwa 1,127 Dollar. Und nach einem Kurswechsel sieht es nicht aus: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, hatte vor wenigen Tagen vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments angekündigt, wohl auch im kommenden Jahr zunächst keine Leitzinserhöhung vornehmen zu wollen. Ein derart gesicherter günstiger Euro/Dollar-Kurs verstärkt mitunter die Nachfrage nach deutschen Produkten und Artikeln in jenen Märkten, in denen mit Dollar bezahlt wird. Und deutsche Weltmarktführer zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie einen hohen Exportanteil haben.

Die Sto SE, Weltmarktführer für Wärmedämmungen und Gebäudebeschichtungen mit Sitz im baden-württembergischen Stühlingen, erklärt auf Nachfrage, man profitiere grundsätzlich „von einem sinkenden Wechselkurs des Euro“. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen 12,4 Prozent seines Gesamtumsatzes von 1,4 Milliarden Euro im Raum Amerika/Asien/Pazifik. Allerdings, schränkt das Unternehmen ein, „werden für Sto im Export derzeit deutlich größere Herausforderungen durch die signifikant gestiegenen beziehungsweise weiter steigenden Beschaffungskosten, als positive Effekte aus einem sinkenden Wechselkurs des Euro, generiert.“ Für das kommende Jahr geht man bei Sto davon aus, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar „bezogen auf das aktuelle Niveau von 1,15 EUR/USD, wieder an Stärke gewinnen wird“. 

Auch der Prothesen-Weltmarktführer Ottobock aus dem niedersächsischen Duderstadt, der Geschäfte in mehr als 40 unterschiedlichen Währungen tätigt, bestätigt: „Von einem schwachen Euro profitieren wir als exportorientiertes Unternehmen.“ Ähnlich äußert sich der Autozulieferer Elring-Klinger aus Dettlingen an der Ems. Und auch der Gütersloher Spül- und Waschmaschinenhersteller Miele bestätigt grundsätzlich, „dass ein schwächerer Euro unser Exportgeschäft unterstützt“.

Je globaler ein Unternehmen agiert, desto komplexer werden die Wechselkurseffekte: Der (nach Mitarbeiterzahl) größte deutsche börsennotierte Konzern, die Volkswagen AG, ist in mehr als 150 Ländern aktiv. In diesem Fall sei neben dem Export auch der Import mit gegenläufigen Effekten zu berücksichtigen, so ein Sprecher, und das in zahlreichen Währungen. „Zudem unterscheiden sich der globale Footprint und das Setup unserer Marken deutlich und wir nutzen Finanzderivate zur Absicherung.“ Auch Gabelstapler-Hersteller Kion aus Frankfurt sieht grundsätzlich „positive Auswirkungen“ eines schwächeren Euro-Kurses gegenüber dem Dollar; Kion-Unternehmenstöchter wenden zudem „Hedging“ an, „um Währungskursrisiken zu minimieren“. Und die Deutsche Post, in nahezu allen Ländern der Welt präsent, erklärt lediglich, dass sich „Kursgewinne und -verluste einzelner Währungen (...) gegenseitig ausgleichen“. Insofern betrachte der Konzern nicht nur die Entwicklung einer Währung, sondern die von „Währungskörben“.

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    Doch nicht alle Weltmarktführer sehen in der aktuellen Euro-Schwäche eine Besonderheit, oder gar einen Vorteil. Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik (Umsatz: 12,2 Milliarden Euro) spricht auf WirtschaftsWoche-Nachfrage von „Kursschwankungen in den üblichen Korridoren“ und einem Einfluss im Promillebereich. Für Medizintechniker Dräger aus Lübeck ist zwar ein „sinkender Euro-Wechselkurs potenziell vorteilhaft“, wie das Unternehmen schreibt. Dies gelte jedoch nicht für den Euro/Dollar-Wechselkurs, „da wir in US-Dollar einen höheren Kosten- als Umsatzanteil haben“, lässt die Firma ausrichten. „Dies liegt unter anderem an lokalen Entwicklungs- und Produktionsstandorten im US-Dollar-Raum, die auch für den globalen Markt produzieren.“

    Mehr zum Thema: Nachfolgerin von Mario Draghi: Christine Lagarde kam ohne jede Notenbankerfahrung an die Spitze der Europäischen Zentralbank.

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