WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Serie Familienunternehmen: Rational Immer unter Dampf

Rational wurde vom kleinen Metallbetrieb zum Weltmarktführer. Bis heute profitiert der börsennotierte Ausrüster von Großküchen vom Einfluss der Gründerfamilie.

Rational: Ein börsennotiertes Familienunternehmen nimmt den US-Markt ins Visier. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Seinen ersten Kombidämpfer hat Siegfried Meister selbst ausgeliefert. Zusammen mit zwei Kollegen wuchtete er das schwere Gerät auf einen Lieferwagen und fuhr nach München. Der Kunde war kein ganz unwichtiger: Edelgastronom Gerd Käfer, der an der noblen Prinzregentenstraße seinen Gourmettempel betrieb. Heute führt Gerd Käfers Sohn Michael das Restaurant.

Es war das Jahr 1976. Erst wenige Monate zuvor hatte der damals 38-jährige Meister das neuartige Gerät, das beim Garen von Speisen Heißluft und Dampf kombiniert, erfunden – in einem metallverarbeitenden Betrieb im beschaulichen Landsberg am Lech im Allgäu. Die Firma hatte der studierte Elektroingenieur 1973 übernommen. Heute heißt sie Rational.

Aus dem kleinen Metallbetrieb ist ein Weltmarktführer geworden. Im vergangenen Jahr setzte Rational mit seinen 1600 Mitarbeitern 564 Millionen Euro um. Die Kantinen deutscher Autohersteller, Chinas berühmte Peking-Enten-Restaurants oder die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken: Überall, wo für viele Menschen gekocht wird, stehen die Dampfgarer aus Landsberg. Gründer Meister steht inzwischen dem Aufsichtsrat vor – die „Forbes“-Liste führt den 78-Jährigen auf Rang 435 der reichsten Menschen weltweit. Privatvermögen: geschätzte 3,9 Milliarden Dollar.

Die 15 innovativsten deutschen Mittelständler
Platz 15: BenderStandort: Grünberg Unternehmensfokus: Elektrotechnik Umsatz 2014: 100 Mio. Euro Innovationsscore: 163 Um Deutschlands innovativste Mittelständler zu ermitteln, wertete die Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) zunächst die Daten von 3300 deutschen Unternehmen aus, die zwischen zehn Millionen und einer Milliarde Euro umsetzen. Die Berater analysierten Jahresabschlüsse und Präsentationen, sprachen mit Kunden und Branchenexperten sowie Geschäftsführern, Inhabern und Beiräten der Unternehmen.Nach den Experteninterviews und Erfolgsanalysen nahm MSG 400 Unternehmen in die engere Wahl. Für jedes errechnete die Beratung einen eigenen Innovations-Score. Dabei achteten die Berater darauf, dass sich das Unternehmen durch ständige Neuheiten auszeichnet, von Wettbewerbern als innovativ angesehen wird und eine ideenfördernde Kultur etabliert hat. Zudem flossen zu einem Drittel auch wirtschaftliche Indikatoren wie Umsatz- und Gewinnwachstum in die Bewertung ein. „Ein innovatives Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es mehr als 25 Prozent seines Umsatzes mit Produkten macht, die erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind“, sagt MSG-Gründer und Studienleiter Sebastian Theopold. Das erste Ranking dieser Art hatte MSG im vergangenen Jahr für die WirtschaftsWoche erstellt (Heft 15/2014). Anders als im Vorjahr haben es diesmal auch viele Hersteller von Konsumprodukten unter die Top 50 geschafft, so etwa Ravensburger (Spiele), Rügenwalder (Wurst) oder Soldan (Bonbons).Der Großteil der Innovations-Champions entstammt allerdings nach wie vor der traditionellen Paradedisziplin des deutschen Mittelstands: dem Maschinenbau. Quelle: PR
Platz 14: BiotestStandort: Dreieich Unternehmensfokus: Bioheilmittel Umsatz 2014: 582 Mio. Euro Innovationsscore: 164 Quelle: PR
Rapunzel Quelle: PR
Platz 12: MetaboStandort: Nürtingen Unternehmensfokus: Elektrowerkzeuge Umsatz 2014: 374 Mio. Euro Innovationsscore: 167 Quelle: PR
Platz 11: BrücknerStandort: Siegsdorf Unternehmensfokus: Folienmaschinen Umsatz 2013: 754 Mio. Euro Innovationsscore: 171 Quelle: PR
Platz 10: SennheiserStandort: Wedemark Unternehmensfokus: Mikrofone Umsatz 2014: 635 Mio. Euro Innovationsscore: 172 Quelle: dpa
Platz 9: Rügenwalder MühleStandort: Bad Zwischenahn Unternehmensfokus: Wurst Umsatz 2014: 175 Mio. Euro Innovationsscore: 173 Quelle: PR

Die Geschäfte des börsennotierten Unternehmens führt seit fast drei Jahren der Schweizer Peter Stadelmann. 2012 kam er vom Malik Management Zentrum in St. Gallen zu Rational. Meisters Familie und ein Mitarbeiter der ersten Stunde halten zusammen gut 70 Prozent der Rational-Aktien.

Das Unternehmen, das seit August im MDax notiert, kombiniert die Vorteile einer Aktiengesellschaft mit den Tugenden des Familienbetriebs. „Die Börsennotierung sorgt durch die strengen Regeln zur Berichtspflicht für Transparenz und Disziplin“, sagt Rational-Chef Stadelmann, „und steigert den Bekanntheitsgrad.“ Das wiederum hilft Rational, Mitarbeiter zu finden.

Das Wachstum kommt von allein

Meister und seine Frau kommen jeden Tag in den Betrieb und speisen mit den Führungskräften. Beinahe besessen schwört der Gründer seine Topleute dann immer und immer wieder auf die Philosophie seines Unternehmens ein: Nicht an das Wachstum von Rational, auch nicht an die Gewinne sollen sie denken, predigt Meister, stattdessen sollen sie zuallererst die Kunden im Blick haben. Der Frage, wie den Kunden am besten geholfen werden kann, sei alles andere unterzuordnen. So will es der Gründer.

Das Wachstum kommt dann schon von allein. Rational wächst jedes Jahr um einen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentsatz. Im vergangenen Jahr waren es zehn Prozent, in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres währungsbereinigt sogar elf Prozent. Wer sich vor fünf Jahren Rational-Aktien ins Depot legte, hat gut verdient: um mehr als 200 Prozent ist der Wert seitdem gestiegen.

Restaurants ordern Maschinen statt Köche

Die Landsberger profitieren von zwei Trends: Kaum noch jemand möchte Koch werden. Viele Großbetriebe setzten deshalb zunehmend auf Maschinen. Hinzu kommt: Immer weniger Menschen kochen selbst zu Hause. Stattdessen essen sie in Restaurants oder ernähren sich von fertigen Snacks in Schnellrestaurants oder Tankstellen.

Fließbandarbeiter gibt es in den Fabrikhallen von Rational in Landsberg nicht. Wie in einer Manufaktur bauen die Mitarbeiter die zwischen 4000 und 8000 Euro teuren Gargeräte einzeln zusammen, jeder Arbeiter eine Anlage. Zwischen vier und sechs Stunden dauert das. Penibel achten sie auf saubere Schweißnähte, der Hygiene wegen. Dann graviert der Mechaniker noch seinen Namen in das Gerät ein. Bestellt ein Kunde bis zehn Uhr vormittags, bekommt er sein Gerät schon am darauffolgenden Tag geliefert.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%