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Serie Familienunternehmen: Rittal Die Mission des Friedhelm Loh

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Friedhelm Loh ist umstritten

Nicht nur aufgrund seines religiösen Eifers ist Loh umstritten. Eine kleine Opposition in Lohs Reich ist nicht mundtot zu kriegen. Loh ärgert das: Alle im Unternehmen seien „eine tolle Firmengemeinschaft“, Aber „einige Mitarbeiter und der Betriebsrat aus einem von sechs Werken machten ,permanent Krieg‘“.

Dass die Arbeitsweise der bis zu 55 Jahre alten Betriebe, in denen Rittal produziert, einer Auffrischung bedarf und die Zusammenlegung in Haiger sinnvoll ist, bestreiten nicht einmal die kritischen Betriebsräte und Gewerkschafter im Loh-Umfeld. Aber sie wollen durchsetzen, dass die gut 800 Beschäftigten von vier alten Werken, die Loh schließt, ein Recht auf Versetzung in das neue Werk in Haiger oder an andere nahe gelegene Loh-Standorte haben.

Bis zu 100 von ihnen, sagt Loh, „werden voraussichtlich sozialverträglich über eine Transfergesellschaft abgebaut“. Mindestens 700 will er neue Jobs anbieten. Auf die müssten sie sich bewerben – mit dem Risiko, erworbene Rechte wie etwa längeren Kündigungsschutz zu verlieren. Nun sagt Loh aber: „Das Thema ist noch nicht erledigt, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wer einen neuen Arbeitsvertrag bekommt, dessen alte Betriebszugehörigkeit wird anerkannt.“

Dennoch werde Loh auf dem Weg der Betriebsschließungen über betriebsbedingte Kündigungen „die Alten, die Kranken und die Kritischen los“, sagt einer der Kritiker. Und der Herborner IG-Metall-Bevollmächtigte Hans Peter Wieth hält Loh vor, wer mit „so harten Bandagen gegen langjährige Beschäftigte vorgeht, wird seinem christlichen Anspruch nicht gerecht“. Längst wird prozessiert. Die Betriebsräte sehen in Friedhelm Loh mehr Altes als Neues Testament: „Wer sich nicht beugt, der wird gebrochen.“

Loh gibt gern und viel, etwa für soziale Zwecke, für Kulturelles und natürlich für die evangelikale Stiftung Christliche Medien – angeblich insgesamt zehn Prozent seines Einkommens, wie es bei vielen Freikirchlern üblich ist. Aber was, wem und wie viel, das bestimmt Loh selbst. Auf formal begründete Forderungen reagiert der Unternehmer schon mal allergisch. Mitglied im Arbeitgeberverband und tarifgebunden sind die Loh-Unternehmen nicht.

Die argumentative Einsamkeit des Patriarchen beschrieb Loh vor einigen Jahren so: „Wenn Sie ständig entscheiden, dann haben Sie eine gewisse Persönlichkeitsstruktur. Da fällt es manchmal schwer, sich hinzusetzen und zuzuhören und seinen Erfahrungshintergrund zu vergessen. Das führt dann schnell zu einem Außenbild, das die Kommunikation erschwert.“ Für die Öffentlichkeit, meinte er, sei er „alles zwischen Ausbeuter und Wohltäter“.

Also versucht Loh auch sein Außenbild selbst zu steuern. Aber das hat der Macher nicht wirklich im Griff. Bisweilen kriegt der kantige Patriarch sogar Gegenwind aus dem freikirchlichen Lager – etwa wenn er sich gegen den Mindestlohn äußert oder die Belegschaft eines Werkes zur Sonntagsarbeit verdonnern will. Loh lehnt Arbeit an dem geheiligten Wochentag eigentlich zwar ab, „nicht nur wegen des biblischen Gebots, sondern auch, weil ich es für vernünftig halte“. Aber bei seinen inneren Kämpfen gewinnt eben nicht immer der Christ, sondern wenn es darauf ankommt der kühl kalkulierende Unternehmer.

Auch das ist die Schtorry.

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